Un-Heimlicher Nazi-Treff im Bayerwald

Sie nennen sich selbst die "Bayerische Garde". Ihr Erkennungszeichen: ein Totenkopf mit bayerischer Raute. In einer Hütte bei Cham trifft sich eine rechtsradikale Gruppierung. Die Behörden lassen sie gewähren.

Mitglieder der "Bayerische Garde" bei einem Konzert

Von Matthias Lommer

Ein Totenschädel an der Bretterfassade. Schwarz-weiß-rote Bändchen an den Blumenkästen. Das sind die Anzeichen dafür, dass die Hütte in einem kleinen Wald zwischen den Chamer Ortsteilen Haderstadl und Kühberg etwas anderes ist, als ein harmloser Treff der Dorfjugend. Das Gebäude soll der "Bayerischen Garde" als Treffpunkt dienen - eine Gruppierung von Rechtsradikalen, die offenbar nicht der Meinung ist, sich vor der Öffentlichkeit verstecken zu müssen.

Aufgefallen bei Rechtsrock-Konzert

So bewertet zumindest Jan Nowak die Tatsache, dass das Totenschädellogo völlig unverhohlen und mit Ausrichtung zur Straße an der Hütte prangt. Nowak arbeitet bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Regensburg und kennt die Neonazi-Szene in Ostbayern so gut wie kaum ein anderer. Für ihn steht außer Zweifel, dass es sich bei der "Bayerischen Garde" um eine Gruppierung handelt, die der extremen Rechten zuzuordnen ist. Darauf deute schon das Logo hin: "Die Ähnlichkeit zum Totenkopf der SS ist augenfällig." Zum ersten Mal aufgefallen sei die "Bayerische Garde" bei einem Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar 2017. Einer der Veranstalter ist der Oberpfälzer Neonazi Patrick Schröder. "Damals trat eine Vierergruppe in Erscheinung, von der zwei Personen Kutten mit dem Patch der Bayerischen Garde trugen", erläutert Nowak. Es gibt Fotos, die ein Mitglied mit Kameraden der Viking-Division Bayern zeigen. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz gibt auf Anfrage bekannt, dass "einzelne Verbindungen von Personen, die vermutlich der Bayerischen Garde angehören, zur rechtsextremistischen Bürgerwehrgruppe Viking-Division Bayern (VSG) bekannt" seien. Weitere Erkenntnisse lägen nicht vor.

Der Treff der Rechtsradikalen im Wald bei Cham

Die Hütte bei Haderstadl ist spätestens seit März 2018 kein Geheimnis mehr. Damals berichtete die Chamer Zeitung über eine Verhandlung am Amtsgericht. Ein 22-Jähriger hatte das Bauwerk angezündet und musste sich dafür vor Gericht verantworten. Das veröffentlichte Bildmaterial ließ keinen Zweifel offen: Deutlich war die Fahne des Deutschen Reichs in der angekokelten Hütte zu sehen, verziert von einem Landser samt Stahlhelm. Auf den Zuhörerbänken: Männer und Frauen, die unschwer der Neonazi-Szene zuzuordnen waren.

Der 22-Jährige wurde damals zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Weitere Auswirkungen schien es für die Nutzer der Hütte indes nicht ge-habt zu haben, dass ihre Geisteshaltung öffentlich wurde. Eineinhalb Jahre später steht die Hütte - äußerlich wieder unversehrt - immer noch im Wald. Der Totenkopf blickt aus leeren Augen Richtung Straße.

Bei der Gründung des "Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte - Cham gegen Rechts" wurde die Existenz der Gruppierung wieder einmal an das Licht der Öffentlichkeit gebracht. Wenig später ging das Gerücht um, für die Hütte im Außenbereich gäbe es keine Baugenehmigung. Auf diese Frage konnte anfangs nicht einmal das Landratsamt als zuständige Baubehörde eine Antwort geben. "Dem Landratsamt ist weder diese Gruppierung noch deren Agitation bekannt", hieß es auf Anfrage.

Landkreis: kein Handlungsbedarf

Das Landratsamt nahm Kontakt mit dem Grundstückseigentümer auf, um den Sachverhalt zu klären. Dieser habe daraufhin eine Baugenehmigung aus dem Jahr 1969 vorgelegt. "Die damals genehmigten Pläne (Gartenlaube mit Aufenthaltsraum und Freisitz) entsprechen augenscheinlich der vorhandenen Hütte. Vonseiten der Unteren Bauaufsichtsbehörde sind somit derzeit keine weiteren Schritte zu veranlassen", erklärt das Amt 2019.

Für Nowak ist dies kein Grund, sich nicht weiter mit der Sache zu beschäftigen. "Ich würde mir eine konkrete Auseinandersetzung mit dieser Gruppierung vor Ort wünschen", appelliert er. Dabei denkt er zum einen an die Menschen aus Haderstadl selbst, er sieht aber auch die Vertreter der Kommunalpolitik in Stadt und Landkreis in der Verantwortung. Auch in einer Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Florian Ritter tauchte die "Bayerische Garde" schon einmal auf. Nowak: "Ich kann mir nicht erklären, warum das von der Politik nicht aufgegriffen wird."

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Na ja, Herr Kinderlein, wie es ausschaut interessiert es zumindest ein paar Ganzrechte, wenn die Antifa in Sulzbach so dermaßen marodiert.
Manche fürchten sich halt vor Linksextremen, die Parolen an Wände schmieren und linke Aufkleber an Schilder kleben, andere vor Rechtsextremen, die Politiker und Geschäftsleute ohne Ariernachweis umnieten oder schwerbewaffnet Synagogen überfallen. Das ist gelebte politische Vielfalt. Gut, dass Ihr bei jedem rechtsextremen "Vorfall" nicht müde werdet, zu erwähnen, dass es auch Linksextreme gibt. Das hindert viele am Einschlafen.

21.01.2020
Rene Kinderlein

Zum Kommentat von Herrn Punzmann:
In Sulzbach gibt es seit Jahren Antifa. Es werden immer wieder Wände mit Parolen beschmiert und Schilder mit "linken" Aufkleber verunstaltet. Das interessiert dort niemanden. Aber kaum tritt irgendwo die Rechte Szene in Aktion ist ein lautes Geschrei. Nichts ist so schön wie politische Vielfalt. Da schlafen die etablierten wenigstens nicht ganz ein.

21.01.2020
Tobias Punzmann

Vielleicht sollte man mal das Gerücht verbreiten, dass sich dort die Antifa trifft. Dann würden sie die Bude schnell hochnehmen...

21.01.2020
Günter Kellner

Natürlich schreitet man da nicht ein. Sind ja nur Nazis.

21.01.2020
Günter Kellner

Natürlich schreitet man da nicht ein. Sind ja nur Nazis.

21.01.2020