10.11.2019 - 14:24 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Toter Bub (4) in Eschenbach - US-Kommandeur: "Tiefstes Mitgefühl"

Es gibt nur ein Thema am Netzaberg, der amerikanischen Siedlung auf einer Anhöhe über Eschenbach: den Tod eines vierjährigen Kindes, Sohn eines US-Soldaten des 2. Cavalry Regiment Vilseck. Die Stiefmutter (25) ist in Haft.

Einer von mehreren Spielplätzen am Netzaberg am Sonntagmorgen. In der "Housing Area" am Rande des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr ist es zum bislang ungeklärten Tod eines Kindes gekommen.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Polizeipräsidium Oberpfalz hatte am Freitag über die Festnahme informiert, inzwischen hat auch die US Army eine Erklärung veröffentlicht.

Der Bub war in der Nacht zum Montag verstorben. Die Stiefmutter, philippinische Staatsangehörige und selbst Mutter eines Babys, hatte den Notruf abgesetzt. Wie berichtet, sah der Notarzt aus Weiden keine äußerlichen Verletzungen, konnte sich aber die Todesursache nicht erklären. Eine Obduktion bei der Rechtsmedizin Erlangen am Mittwoch ergab Hinweise auf Gewalteinwirkung. Die Kripo Weiden nahm in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Weiden die Frau fest. Ein Ermittlungsrichter erließ am Donnerstagabend Haftbefehl.

Für das 2d Cavalry Regiment traf an diesem Tag so einiges zusammen: Am Vormittag hatten die Vilsecker Soldaten noch den US-Außenminister Mike Pompeo zu Gast. Der Vater des toten Jungen gehört einem Feldartillerie-Geschwader dieses Regiments an. Er befand sich in der Todesnacht beruflich in den USA. Seine Frau war mit dem gemeinsamen Baby und den drei Stiefkindern (zwei im Kleinkind-, eines im Grundschulalter) allein.

"Das gesamte Regiment und alle Angehörigen der US Military Community in Vilseck sind zutiefst betrübt über diesen Verlust", heißt es in der Erklärung des 2d Cavalry Regiments. Der Tod werde von den deutschen Behörden und Special Agents des US Army Criminal Investigation Command, der amerikanischen Kripo, untersucht.

Seit über zehn Jahren leben auf dem Netzaberg rund 800 amerikanische Familien.

"Im Namen des Regiments möchten wir unser tiefstes Mitgefühl für die Familie ausdrücken", werden Kommandeur Thomas Hough und Command Sergeant Major Michael Burke zitiert. „Wir, die wir selbst Eltern sind, können nur erahnen, in welch tiefem Elend sich die Familie gerade befindet. Da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, bitten wir die Gemeinschaft um Unterstützung und Respekt, die es der Familie ermöglichen zu trauern.“ Bei Fragen zu den Ermittlungen sollen sich die US-Angehörigen an die örtlichen deutschen Behörden wenden, die die Ermittlungen leiten.

Auch amerikanische Medien berichten über das Thema, unter anderem "Stars & Stripes". Die Nachricht vom ungeklärten Tod des Kindes in der amerikanischen "Housing Area" am Rande des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr machte blitzschnell die Runde. Die Leser äußern sich in hunderten Postings schockiert über diesen "nightmare", Alptraum. Am Sonntag um 11 Uhr wurde in der Chapel, der eigenen Kirche auf dem Netzaberg, die Messe gefeiert. Der Kaplan hat seine Handynummer veröffentlicht und bietet moralische Hilfe an, ebenso ein Familienberater der Army.

Auf dem Netzaberg leben seit 2008 in 830 Doppel- und Dreifachhäusern US-Angehörige und ihre Familien. Die Siedlung verfügt über eine eigene Schule und Kinderbetreuung. Zuletzt war in "Little America" Halloween groß gefeiert worden, jetzt liegen schon die ersten Christmas-Dekorationen bereit. Man legt zudem viel Wert auf hiesige Traditionen: Beim Martinszug am Netzaberg letzten Dienstag sangen die Kinder "Laterne, Laterne", Ehrengast war Bürgermeister Peter Lehr. Lehr äußerte sich gegenüber der deutschen Presseagentur dpa bestürzt über den Tod des Kindes in seiner Stadt. Er habe am Freitag davon erfahren.

Eschenbach

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