22.01.2020 - 09:25 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Schlechte Konjunktur: Oberpfälzer Industrie rechnet mit Arbeitsplatzverlust

Die Krise ist noch nicht zu Ende: Die Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie blickt wenig zuversichtlich aufs Geschäftsjahr 2020. Und nun wird sich die Flaute wohl auch bei den Arbeitnehmern niederschlagen.

Gewerkschafter der IG-Metall und Beschäftigte der Conti-Standorte Roding und Regensburg demonstrieren vor dem Gebäude der Continental AG. In der Oberpfalz sollen in der Metallindustrie dieses Jahr 1500 Stelen wegfallen
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Boomphase ist vorbei. Das haben Vertreter der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie am Dienstag bei einem Pressegespräch in Regensburg deutlich gemacht. 1500 Stellen sollen in diesem Jahr im Regierungsbezirk wegfallen. "Die Konjunktur in der oberpfälzischen Metall- und Elektroindustrie befindet sich in der Rezession", sagte Stefan Klumpp, Bezirksvorsitzender der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe es kein Wachstum mehr gegeben, die Entwicklung sei rückläufig. Das schlage sich nun auch auf die Beschäftigung nieder.

Während die Zahl der Arbeitnehmer in der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie in den vergangene zehn Jahren stetig angestiegen war - zuletzt auf über 100 000 -, sei sie nun rückläufig. "Für 2020 befürchten wir einen Rückgang um 1500 Beschäftigte", sagte Klumpp. Dabei handle es sich überwiegend um Arbeitsplätze in der Produktion. Gleichzeitig gebe es einen Fachkräftemangel bei hochqualifiziertem Personal. Gerade an der Schnittstelle von Maschinenbau und Informatik könnten Unternehmen Stellen häufig nicht besetzen.

Die Gründe für die Eintrübung sieht Klumpp, der den Tirschenreuther Walzenhersteller Hamm AG leitet, in der Schwäche der Autoindustrie und Spannungen in der Weltindustrie. Verbraucher würden derzeit beim Autokauf zögern, weil sie sich unsicher sind, für welche Antriebsart sie sich entscheiden sollen. "Die Leute fahren ihr Auto dann halt ein Jahr länger", meinte Klumpp. Er kritisierte, dass die Politik zu einseitig auf die Elektromobilität setze.

Die Oberpfalz sei von den Auswirkungen der Automobilkrise aber nicht so gravierend betroffen wie andere Regionen, weil die Industrie vor Ort breiter aufgestellt sei. Gerade in der nördlichen Oberpfalz gebe es eine "kleinteilige Industrie, die die Welt bedient". Einige Unternehmen hätten eine Exportquote von 90 Prozent. Sie seien vielmehr betroffen von globalen Entwicklungen. Durch den Handelskrieg zwischen den USA und China habe sich die Situation hier insgesamt verschlechtert. Trumps Isolationskurs sei für die Welt eine "Katastrophe".

Viele Unternehmen würden derzeit noch Aufträge aus den Jahren 2018 und 2019 abarbeiten, erklärte Klumpp. Doch seit Mitte des vergangenen Jahres sei die Zahl der neuen Aufträge zurückgegangen. Die Auswirkungen würden sich erst in den nächsten Monaten und Jahren einstellen. Hermann Brandl, Leiter der Bayme-VBM-Geschäftsstelle Oberpfalz, berichtete, dass es immer wieder vorkomme, dass Kunden Aufträge nach hinten verschieben. Die Unternehmer müssten länger auf ihr Geld warten.

Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde mahnten die Arbeitgebervertreter zur Mäßigung. Der letzte Tarifabschluss sei für viele Unternehmen eine "dicke Kröte" gewesen. Eine ganze Reihe von Unternehmen würden seit dem vergangenen Jahr auf Kurzarbeit setzen. Nichtsdestotrotz möchte Klumpp die Situation nicht mit der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 vergleichen. Die Eintrübung finde von einem sehr hohen Niveau aus statt. "Wir sind mit dem Kopf an die Decke gestoßen."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.