11.12.2019 - 00:01 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Die Magie der Marionetten

Adventskalender-Türchen Nummer 10:Wie oft er schon hinter diesem Vorhang verschwunden ist, weiß Michael Pöllmann nicht. Aber eines ist sicher: Er will noch sehr sehr lange auf der Bühne des "Schwandorfer Marionettentheaters" stehen.

Hinter dem Vorhang.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Seit 40 Jahren gehört das Puppenspiel im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf zur Vorweihnachtszeit wie Stollen und Plätzchen. Gegründet hat das Marionettentheater Michael Pöllmanns Vater Raimund, ein ehemaliger Lehrer und leidenschaftlicher Schnitzer, der sich auch viele der Stücke ausgedacht hat. Pöllmanns Mutter Christine schneidert die Kostüme für die Puppen. "Ich habe das quasi mit der Muttermilch aufgesogen", erzählt Sohn Michael. 37 Jahre ist er inzwischen alt und lebt seit langem als Schauspieler in Wien. Zur alljährlichen Spielzeit des Marionettentheaters kehrt er jedoch jedes Mal in seine Oberpfälzer Heimatstadt zurück.

Zwei dicke blaugraue Vorhänge bilden den Zugang zur Puppenbühne. "Ich bin 1989 das erste Mal hier durchgegangen", erinnert sich Michael Pöllmann. "Damals gehörte ich aber noch zum Bodenpersonal." Als kleiner Bub kümmerte er sich zunächst mit um die Requisiten, schließlich auch um die Technik und Beleuchtung. Später habe er dann schon die ein oder andere Rolle übernommen. Trotzdem: "Es ist immer noch etwas Besonderes", sagt Pöllmann. "Die Figuren haben eine eigene Magie. Plötzlich denkt man sich, oh, das ist ja ein lebendiger Drache!" Pöllmann nennt das einen "magischen Moment".

Keine Tür, sondern ein Vorhang - Puppenspieler Michael Pöllmann im Oberpfälzer Künstlerhaus vor dem Eingang zur Bühne.

Er sei vor der Aufführung immer noch aufgeregt, erzählt der professionelle Schauspieler. "Selber auf der Bühne zu stehen ist schon etwas Anderes, es ist eine andere Art von Aufregung. Hier dreht es sich mehr ums Technische, ob alles so funktionieren wird, wie man es sich vorstellt." Allerdings müsse sich auch ein Puppenspieler in den Charakter der Figur, die er führt, hinein versetzen können.

Seine Faszination für das Puppenspiel lebt der gebürtige Schwandorfer seit 15 Jahren auch in seiner neuen Heimat Wien aus. "Es ist mir einfach eine Herzensangelegenheit", betont Pöllmann, "es ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen". In der aktuellen Saison hat er nun die Leitung des Schwandorfer Marionettentheaters von seinen Eltern übernommen. Und während Michael Pöllmann für das Foto posiert, schlüpft schon die nächste Generation durch den blaugrauen Vorhang - sein kleiner Sohn Elias, den Teddybären im Arm.

Info:

24 Tage, 24 Türchen: Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend öffnen wir täglich nicht nur ein Türchen, sondern gleich eine komplette Tür. Menschen aus der Region gewähren dann Einblick in ein "Reich", das ansonsten verschlossen ist. Hinter den Türen verbergen sich Bilder und Geschichten aus der gesamte Oberpfalz.

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