Es muss swingen!

Sie kennen sich seit 40 Jahren – Roberto Magris aus Triest sowie František Uhlíř und Jaromír Helešic aus Prag. 2016 haben sie erneut zusammengefunden. In Weiden begeistern sie nicht nur eingefleischte Jazz-Fans.

Hochstimmung im "Bistrot Paris": Das Trio MUH mit dem Pianisten Roberto Magris, mit František Uhlíř am Bass und Jaromír Helešic am Schlagzeug begeisterte nicht nur eingefleischte Jazz-Fans.
von Louis ReitzProfil

"It must schwing!", so pflegte der Blue-Note-Gründer Alfred Lion mit unverkennbar deutschem Akzent zu sagen, und auch Duke Ellingtons Klassiker "It don't mean a thing if it ain't got that swing" bringt es auf den Nenner: Ohne das so schwer definierbare "Swing-Feeling" ist die Musik nichts wert. Diese Devise pflegen auch drei Künstler, die den Swing in ihrer Musik nie vergessen haben.

Ganz gleich, ob bei einer Bebop-Nummer in rasendem Tempo oder bei einer beschaulichen Ballade – der Swing ist allgegenwärtig. Da darf es auch mal in freiere Gefilde gehen, wenn der Pianist seine Klangkaskaden entfaltet. Auch Abstecher in lateinamerikanische Rhythmen oder in sprechende Trommelrhythmen sind erlaubt, und mit dem Bogen kann auch der Kontrabass unter die Haut gehende Melodien intonieren.

Zweite CD des Trios MUH

Das Trio MUH mit dem Pianisten Roberto Magris (geb. 1959), František Uhlíř (geb. 1950) am Bass und Jaromír Helešic (geb. 1947) am Schlagzeug kann auf eine in langen Jahren gewachsene Freundschaft zurückblicken und hat gerade seine zweite CD veröffentlicht. Jeder beherrscht sein Instrument meisterhaft und hat mit den unterschiedlichsten Gruppen wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Das Repertoire besteht zum überwiegenden Teil aus Eigenkompositionen von Magris und Uhlíř, aber auch einige Standards aus dem traditionellen Fundus werden kreativ aufgearbeitet. Am Anfang des Konzerts im "Bistrot Paris" steht eine Komposition von Roberto Magris, die den Geist von John Coltrane und seinem genialen Pianisten McCoy Tyner heraufbeschwört. Klangkaskaden mit schweren Akkorden und perlenden Melodielinien dominieren. Ganz andere Gefühle bei der nächsten Nummer: ein impressionistisches Bass-Solo in den höchsten Lagen als Einleitung zu einem lässig swingenden Latin-Rhythmus. Man denkt an den ungarischen Bass-Professor Aladar Pege, der gerne als "Paganini am Kontrabass" tituliert wurde. Mittlerweile gebührt dieses Etikett wohl František Uhlíř.

Heiße Jazzclub-Atmosphäre

Die Stimmung im voll besetzten "Bistrot Paris" kocht, und man glaubt sich in einen New Yorker Jazzclub der 50er Jahre zurückversetzt, wo in "Minton's Playhouse" Jazz-Geschichte geschrieben wurde: Ein treibender Walking Bass, heiße Bebop-Phrasen, kurze Schlagzeug-Zwischenspiele und intensive Kommunikation zwischen den Musikern bei Cole Porters Thema "What is this thing called love?" – unzählig oft gespielt, und doch können die Musiker dem Stück immer wieder neue Dimensionen abgewinnen.

Als Protest gegen den Irak-Krieg schrieb Magris seinen "Iraqi Blues", einen Blues, angereichert mit orientalisch anmutenden Harmonien und Zitaten aus Duke Ellingtons Komposition "Caravan". Ein eindrucksvolles Piano-Solo führt zu Billy Strayhorns "Lush Life", eine Komposition, die Ruhe und Entspannung verheißt. An heitere und unbeschwerte italienische Weisen erinnert Magris' Titel "Italy". Bass und Flügel führen ein anregendes Zwiegespräch, wechseln die Melodieführung, kommentieren und ergänzen sich gegenseitig. Der "Song for an African Child" verarbeitet afrikanische Rhythmen und gibt Jaromír Helešic Gelegenheit, seine differenzierte Schlagzeugtechnik optimal einzusetzen. Sensible Besentechnik, Kantenschläge und Pausen als Stilmittel inklusive.

Wie Peterson, Monk und Pullen

Alle Register werden noch einmal beim explosiven Schlusstitel gezogen, wobei Magris hoch virtuose Melodielinien à la Oscar Peterson mit atonalen Anklängen an Thelonious Monk oder Don Pullen anreichert. Das Publikum ist begeistert und bekommt mit einem Stück von Charlie Parker eine großartige Zugabe. František Uhlíř intoniert das Thema mit dem Bogen in atemberaubender Geschwindigkeit. Drei Meister, die es verstehen, europäische und amerikanische Traditionen auf einzigartige Weise zu verbinden.

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