Notruf: Die Ortung läuft im Hintergrund

Wie kann ich geortet werden, wenn ich beim Polizeinotruf oder der ILS Nordoberpfalz anrufe? Das System AMS ist in der Nordoberpfalz noch nicht in Benutzung. Jürgen Meyer von der ILS erklärt, wie Anrufer im Notruf geortet werden können.

Die Handy-Ortung beim Notruf: Was kann sie?
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

"Bayernweit wird gerade eifrig über AML diskutiert", sagt Jürgen Meyer von der ILS Nordoberpfalz. AML, das steht für Advanced Mobile Location. Beim Wählen der 112 übermittelt das Handy, von dem der Anruf ausgeht, automatisch den Standort - auch, wenn die GPS-Nutzung deaktiviert ist. Leitstellen, die an AML angeschlossen sind, können so sehen, wo sich ein Anrufer befindet, wenn sie an das System angeschlossen sind.

Die Ortung eines Anrufers ist bei der ILS schon seit drei oder vier Jahren möglich. Mit "Smart Locator". Disponenten, die den Notruf entgegen nehmen haben so mehrere Möglichkeiten, einen Anrufer zu orten. Meyer erklärt: "Die ungefähre Ortung ist auf 50 oder 100 Meter exakt. Muss es genauer sein, schicken wir dem Anrufer eine SMS, in der er auf einen Link klicken muss, um uns seinen genauen Standort mitzuteilen."

Die Standortdaten des Anrufers würden generell abgefragt, zunächst laufe die Ortung aber im Hintergrund ab. Gerade, wenn jemand aus einem Neubaugebiet anruft, wo die Straßen noch nicht eingetragen oder die Hausnummern noch nicht vergeben sind, so Meyer, sei das System nützlich.

"Unsere Disponenten nutzen den Smart Locator auch dann, wenn sie merken, der Anrufer ist verwirrt, unsicher oder besonders aufgeregt." In erster Linie konzentrieren sie sich auf den Notruf, das Tool läuft in einem offenen Tab im Hintergrund.

Auch einen "alten Schinken aus den 90er-Jahren", wie Meyer sagt, kann die ILS Nordoberpfalz orten. "Dann nicht über Geodaten, sondern über die Funkmasten in der Nähe." Die Ortung funktioniere - egal, mit welchem Handy oder Betriebssystem angerufen wird. "Die Trefferquote bei unserem System liegt bei fast 90 Prozent."

Bei AML liegt die Quote laut Meyer bei zwischen 30 und 40 Prozent. "Wir überlegen gerade, uns das System zusätzlich anzuschaffen", sagt Meyer. AML läuft bereits seit einiger Zeit mit Android-Smartphones (ab Android 4). Seit dem jüngsten IOS-Update 13.3 können auch I-Phones ihren Standort an Notrufleitstellen übertragen.

Auch die Oberpfälzer Polizei nutzt AML nicht. Auch sei es derzeit nicht geplant, AML für den Polizeinotruf einzuführen, sagt Kriminalhauptkommissar Dietmar Winterberg. Derzeit werden bei einem Notruf automatisch die Standortdaten des eingewählten Funkmastes übermittelt. Genaue Standortdaten können im Notruf - ähnlich wie bei der ILS - per SMS übermittelt werden. "Mit EDV-Unterstützung benötigt der Ablauf nur wenige Sekunden. Voraussetzung ist jedoch eine gute Internetverbindung", erklärt Winterberg.

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.