Auch in der Oberpfalz: Immer mehr Menschen auf der Straße

Wohnungsnot betrifft nicht nur Großstädte. Auch in der vermeintlich beschaulichen Oberpfalz sorgt sie für Leid und Probleme. Zwei Gruppen treten unter den Betroffenen besonders hervor.

Ein Obdachloser liegt am frühen Morgen auf einer Bank in einem Park.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Zahl der Menschen ohne eigene Wohnung steigt - auch in der Oberpfalz. Was die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe vergangene Woche mit einer Schätzung für ganz Deutschland öffentlich gemacht hat, können die Städte Amberg und Weiden nur bestätigen. Und auch Ursula Barrois von der Weidener Wohnungslosenhilfe "Die Initiative" sagt, dass der bundesweit genannte Anstieg von fünf Prozent im Jahr 2018 auch in unserer Region realistisch sei.

Wobei aber gilt: Konkrete Zahlen sind schwer zu bekommen (siehe Hintergrund). In Weiden komme hinzu, dass dank guter Prävention durch "Initiative" und Stadt das Schlimmste oft verhindert werden kann, erläutert Barrois. Aber alleine ein Blick auf die Zahl der Beratungsgespräche in ihrem Verein zeige eine Verdoppelung über die letzten Jahre. Für die Sozialarbeiterin ist dabei wichtig, die Begriffe richtig zu gebrauchen: "Wohnungslos ist nicht obdachlos", die meisten Wohnungslosen haben sehr wohl einen warmen Platz zum Schlafen.

"Niemand muss in Weiden in der Kälte übernachten", erklärt Ursula Barrois dann auch. Sie schätzt, dass es derzeit mindestens fünf Menschen gibt, die die Notunterkünfte dennoch nicht annehmen und lieber draußen übernachten. "Die Gründe sind sehr individuell und bei jedem anders."

Doch auch die Lage der Wohnungslosen sei oft schwer und verzweifelt. Einerseits gebe es wegen verfehlter Baupolitik nicht genügend Wohnungen für das Klientel, anderseits spiele Armut, Überschuldung und Überforderung eine Rolle, wenn Menschen ihre Wohnung verlieren. "Der häufigste Grund sind Mietschulden", erklärt Barrois. Oft schaffen es die Betroffenen nicht, Anträge rechtzeitig und richtig zu stellen. So droht Wohnungsverlust, obwohl ein Amt für die Wohnkosten aufkommen würde.

Von Couch zu Couch

Eine Gruppe, die Barrois zunehmend Sorgen macht, sind junge "Couch-Hopper", Menschen, die bei wechselnden Bekannten übernachten. "Das geht lange gut", sagt Barrois. Irgendwann landen diese Menschen doch auf der Straße. Diese Schlafplätze gebe es nicht ohne Gegenleistung. Irgendwann sind die jungen Menschen nicht mehr bereit, den Preis zu bezahlen, wie immer der aussehe. Auffällig: "Früher sind diese jungen Menschen in die großen Zentren verzogen. Nun bleiben sie häufiger in der Region."

Überforderte Migranten

Ein weitere Gruppe unter den Wohnungslosen sind junge Migranten. Zwar weisen die Städte und die Regierung der Oberpfalz darauf hin, dass kein Flüchtling ohne Unterkunft leben muss. Auch nach der Anerkennung können sie als sogenannte "Fehlbeleger" in den staatlichen Unterkünften bleiben, bis eine eigenen Wohnung gefunden ist. Barrois sagt, dass genau dann die Probleme beginnen. "Diese Menschen sind oft schlecht auf das Alleinleben vorbereitet." Sie seien mit ihren Verpflichtungen überfordert, die Wohnung geht dann schnell verloren. Hier wäre eine längere Betreuung wichtig.

Betreuen und Begleiten sei auch der Ansatz der "Initiative". "Wir verurteilen niemand vor", sagt Barrois. Weil es in der Vergangenheit Probleme gab, müsse das nicht für die Zukunft gelten, jeder habe die Chance, sich zu ändern, auch durch Unterstützung und Begleitung von Vereinen wie der "Initiative". Barrois wünscht sich, dass dies auch mehr Vermieter erkennen.

Hilfsstiftung für Obdachlose

Deutschland & Welt
Deutlicher Anstieg seit 2014:

Wohnunglosigkeit: 50 Prozent Zunahme

Einen statistischen Überblick zur Zahl wohnungsloser Menschen in Bayern hat das Sozialministerium im Jahr 2017 versucht und dafür Kommunen und freie Träger der Obdachlosenhilfe befragt. Bayernweit kam die Erhebung auf 15 517 Menschen ohne Wohnung, die von Kommunen und freien Trägern untergebracht werden.

Wohnungslose "Couch-Hopper", die bei Bekannten übernachten, sind nicht erfasst, genau wie Obdachlose, die kein Hilfsangebot annehmen. 80 Prozent der Betroffenen leben in Oberbayern und Mittelfranken. Für die Oberpfalz weist die Statistik für 2017 393 Menschen aus. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2014 ist die Zahl in der Oberpfalz um 133 Fälle also mehr als 50 Prozent gestiegen. Bayernweit beträgt der Anstieg 25 Prozent.

Zusätzlich nannten die freien Träger 6446 von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in Bayern, die sich deshalb beraten lassen. Auch dieser Wert stieg im Vergleich zu 2014 deutlich an, um 2730 Menschen. Einer der Gründe für den Anstieg sei der Zuzug junger Migranten seit 2015.

Mischa Giehl aus Parkstein erzählt über seine Arbeit in einer Schutzstelle für Jugendliche in München

Weiden in der Oberpfalz

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