Zwischen den musikalischen Welten

Streicher in der „Sünde“? Hört sich unglaublich an, passt aber glänzend. Die ungewöhnliche Musik spricht für sich.

Das Kaiser Quartett sorgte am Montagabend in der "Sünde" nicht nur für ungewöhnliche Klange, sondern begeisterte auf ganzer Linie.
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Kaiser Quartett" - das klingt vom Namen her erst einmal nach einem "klassischen" Klassik-Ensemble, entsprechend ausgesprochen vielleicht sogar mit etwas Wiener Schmäh. Nun, wenn es in der Weidener "Sünde" auftritt, dann steckt wohl etwas mehr dahinter. Und zwar sehr wohl ein Streichquartett (aus Hamburg), das eine besondere Form der Musik macht. Ganz gleich, ob man es als zeitgenössische, als moderne oder gar als avantgardistische Musik bezeichnen möchte - sie ist auf alle Fälle nicht nur von der Form her außergewöhnlich, sondern auch noch außergewöhnlich gut.

Die Location ist wie gemacht für ein Konzert dieser Art. Das haben wohl auch die vier Musiker erkannt. "Wer hier reinkommt, der merkt, dass hier Vieles sehr richtig läuft", bekennt Bratschist Ingmar Süberkrüb. Er ist auch der Komponist der meisten Stücke, die an diesem Abend gespielt werden.

"Four Kings, One Kaiser" lautet die Selbstbezeichnung der vier Musiker auf ihrer Homepage. Was im abstrakten Raum vielleicht noch etwas überheblich klingen mag, entpuppt sich in der Realität als sympathische Selbstironie. Denn die Künstler sind nicht nur brillante Künstler, sondern auch amüsante Geschichtenerzähler.

Das Kaiser Quartett sorgte am Montagabend in der "Sünde" nicht nur für ungewöhnliche Klange, sondern begeisterte auf ganzer Linie.

Ziemlich unverwechselbar

Wo soll man sie ansiedeln? Wie soll man beschreiben, was sie machen, damit sich jemand etwas vorstellen kann? "Das kann man gar nicht, das muss man hören", sagt Süberkrüb. Und damit hat er Recht: Irgendwo, wo sich Klassik und Pop treffen, wo Disco- und Filmmusik sich ergänzen, wo Elektro und auch HipHop nicht weit voneinander entfernt sind - da, genau da zwischen den musikalischen Welten, ist das Kaiser Quartett zu finden. Mit ihren Streichinstrumenten sorgen Süberkrüb und seine Mitstreiter Adam Zolynski (Violine), Jansen Folkers (Violine) und Martin Bentz (Violoncello) für einen satten Sound, der ziemlich unverwechselbar ist.

Das ist stimmig, das groovt, das inspiriert - und das begeistert die Zuhörer. Gerne lauscht man den Klängen, aber auch den Hintergründen - dass die klassische "Etüde" ein Stück ist, das Komponisten nur schreiben, um die Musiker zu ärgern, oder dass ein Stück "Pfingsten" heißt, weil es am Pfingstmontag entstanden ist. Ähnlich tiefschürfende Erklärungen gibt es auch zu Werken wie "Hausaufgabe", "Schramm" oder "Großraumdisko".

Die meisten Stücke des Abends sind zwar Eigenkompositionen, einige Werke anderer Komponisten gibt es allerdings auch zu hören - in einer eigenen Bearbeitung, versteht sich. So nimmt sich das Quartett beispielsweise Giorgio Moroders mit dem Oscar prämierte Filmmusik aus "Midnight Express" vor, was zu einem Glanzstück wird. Selbes gilt für "Alone in Kyoto" aus dem Film "Lost in Translation" - die Art der Darbietung lässt unweigerlich an einen deprimierten Bill Murray denken, der auf seinem Bett sitzt und die Lichter von Tokio betrachtet.

Höhepunkt mit Drum-Kit

Zu einem Höhepunkt des Abends wird das Stück, in dem sich das Quartett mit Hilfe des Publikums schnell ein Drum-Kit zusammenstellt und anschließend mit tiefen Bass-Tönen die "Sünde" zum Vibrieren bringt.

Seit 15 Jahren gibt es das Quartett bereits, einen Namen haben sich die vier Musiker unter anderem durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem kanadischen Pianisten Chilly Gonzales gemacht. Dass seit wenigen Monaten das erste eigene Album auf dem Markt ist, war längst überfällig. Und dass die "Sünde"-Verantwortlichen das Quartett nach Weiden geholt hat, kann man nicht hoch genug einschätzen: Denn der Weg des "Kaiser Quartetts" dürfte in nächster Zeit ziemlich steil nach oben gehen.

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