14.11.2019 - 08:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Warum es in Amberg (noch) keine neuen Gewerbeflächen gibt

Keine Grundsatz-Betrachtung über die Amberger Wirtschaft kommt ohne den Satz aus: Es fehlen Gewerbeflächen. Gibt es überhaupt noch freie Areale für solche Ansiedlungen? Die Antwort von Karlheinz Brandelik ist eher ein Nein als ein Ja.

Das Gewerbegebiet West (am rechten Bildrand) mit der ins Auge gefassten Erweiterungsfläche zwischen Speckmannshof (links oben, am Weiher) und der Bundesstraße 299 (rechts unten).
von Markus Müller Kontakt Profil

Brandelik ist Geschäftsführer der Amberger Gewerbebau. Die städtische Tochtergesellschaft ist für die Wirtschaftsförderung in Amberg zuständig und damit auch für Industrie- und Gewerbegebiete. Eine einzige verfügbare Fläche, die man veräußern könne und die dann in einem regulären Zeitrahmen bebaut werden könne, gebe es derzeit in Amberg, sagt Brandelik. Sie ist etwa 9000 Quadratmeter groß und liegt neben dem ehemaligen Autohaus Peter im Gewerbegebiet Ost, also südöstlich vom großen Kaufland-Parkplatz.

Wobei es nicht uneingeschränkt stimmt, dass dieses Areal noch „verfügbar“ ist. Es gebe drei bis vier Interessenten, sagt Brandelik. Für einen davon sei sie momentan reserviert.

Für alle übrigen Flächen, die in Sachen Gewerbeansiedlung im Gespräch seien, gelte: „Sie sind öffentlich nicht verfügbar beziehungsweise noch in der Entwicklung.“ Sie alle hätten deshalb einen sehr unklaren Zeitrahmen für die Nutzung.

Die Industrie- und Gewerbegebiete im Stadtgebiet Amberg.

Innerhalb eines Jahres voll

Das letzte größere Areal, das als Gewerbefläche entwickelt wurde, ist laut Brandelik der Gewerbepark Kastnerstraße an der Fuggerstraße im Gewerbegebiet West. Elf Parzellen auf einer Ausdehnung von insgesamt 35.000 Quadratmetern. „Innerhalb eines Jahres war das voll, zur Hälfte mit externen Unternehmen.“

„Wir hungern nach neuen Flächen im Industriegebiet West und im Industriegebiet Ost“, skizziert Brandelik die aktuelle Ausrichtung. „Wenn die geschaffen werden, sind sie gleich belegt“, sagt er voraus.

Wobei es nicht nur darum gehe, neue Unternehmen von außerhalb nach Amberg zu bringen, bemerkt Brandelik in Anspielung auf eine Äußerung von Stadtrat Uli Hübner bei der Vorstellung der SPD-Anträge zum Haushalt. Noch wichtiger seien Flächen für bereits in Amberg ansässige Unternehmen, die sich entwickeln wollen. „Es ist unsere erste Priorität, dass wir ihnen Zukunftsperspektiven bieten.“

Sie sind öffentlich nicht verfügbar beziehungsweise noch in der Entwicklung.

Karlheinz Brandelik über neue Gewerbeflächen in Amberg

Karlheinz Brandelik über neue Gewerbeflächen in Amberg

Das interkommunale Gewerbegebiet an der A6, das gemeinsam mit Ursensollen geschaffen wird, dürfte nicht schnell genug zur Verfügung stehen, um die Gewerbeflächen-Not der Amberger Wirtschaft kurzfristig entscheidend lindern zu können. Es wird auch unter einem etwas anderen Ansatz verfolgt. Wie Oberbürgermeister Michael Cerny gegenüber der AZ betont hat, soll es „strategisch für die Ansiedlung großer Betriebe vorgehalten werden“, was vor allem auch Betriebe mit hohem Flächenbedarf meint.

Der aktuelle Stand beim interkommunalen Gewerbegebiet an der A6

Amberg

Wegen der zeitlichen Unsicherheit beim A6-Gewerbegebiet wird die Stadt Amberg „parallel dazu zur Sicherstellung des Bedarfs in der Stadt die Erweiterung des IG Nord und des Gewerbegebiets West vorantreiben“, so Cerny.

Beim Industriegebiet Nord war im Stadtrat davon die Rede, durch „Nachverdichtung“ neue Gewerbeflächen zu schaffen. Für das „Gewerbegebiet West II“ läuft ein Bebauungsplanaufstellungsverfahren. Es sieht auf rund 30 Hektar zwischen Speckmannshof, B 85 und B 299 eine Erweiterung des ursprünglichen Gewerbegebiets vor.

Dem Widerspruch zum Trotz

Was Cerny hier nicht erwähnte, was aber die städtische Pressestelle vergangene Woche bestätigte: Trotz des Widerspruchs aus Kümmersbruck wird Amberg am Bebauungsplanaufstellungsverfahren „Gewerbegebiet B85/AM30“ festhalten. Dabei sollen gut fünf Hektar an Gewerbeflächen westlich von Gärmersdorf entstehen, also gegenüber dem Gewerbegebiet Ost.

Das Gewerbegebiet B85/AM30 aus Kümmersbrucker und Amberger Sicht

Amberg

Der Oberbürgermeister wies gegenüber der AZ auf eine weitere Aktivität der Stadt hin, die Raum für ansiedlungs- oder ausdehnungswillige Unternehmen schaffen soll: Man sei „in konstruktivem Dialog mit den weiteren Gemeinden des Wirtschaftsraums Amberg, um die angestrebten Ziele der positiven wirtschaftlichen Entwicklung und des regional abgestimmten Umgangs mit Gewerbeflächen verwirklichen zu können“.

Keine Planreife

Als „Wirtschaftsraum Amberg“ haben sich im März 2018 Amberg, Kümmersbruck, Ebermannsdorf, Freudenberg, Hahnbach und Ursensollen zusammengeschlossen, um gemeinsam Gewerbeflächen auszuweisen. Seit Februar 2019 gehört auch Poppenricht zu diesem Verbund. Doch auch hier wird man sich bis zu ersten Erfolgen im Bohren dicker Bretter üben müssen. Der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung zur Erweiterung des Gewerbegebiets West formulierte dazu unter dem Stichwort „Alternativen“ lakonisch: „Die interkommunalen Gewerbegebiete besitzen keine ausreichende Planreife.“

Größere Gewerbeflächen in Amberg:

Die Gewerbebau verzeichnet auf ihrer Homepage in Amberg zwei Industriegebiete, drei Gewerbegebiete und zwei Dienstleistungszentren und ergänzt: „Ein weiteres Gewerbegebiet an der Autobahn A6 befindet sich in Aufstellung.“

Im Einzelnen sind das:

  • Industriegebiet Nord (bei Immenstetten) mit über 50 Unternehmen auf 710.000 Quadratmetern
  • Industriegebiet Süd mit über 50 Firmen (darunter Siemens) auf 550.000 Quadratmetern
  • Gewerbegebiet West (bei der Kreuzung von B 299 und B 85) mit über 80 Unternehmen auf 330.000 Quadratmetern
  • Gewerbegebiet Ost (an den Franzosenäckern) mit 300.000 Quadratmetern
  • Gewerbegebiet Gailoh mit 65.000 Quadratmetern, auf denen sich vor allem Handwerker angesiedelt haben
  • Dienstleistungszentrum Fleurystraße mit über 30 Unternehmen auf gut 51.000 Quadratmetern in Altstadtnähe
  • Dienstleistungszentrum Baumanngelände (Marienstraße) mit über 80 Unternehmen auf 38.000 Quadratmetern

(ll)

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