25.10.2019 - 12:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Entführung erfunden: Whats-App-Wirbelsturm

Mit einem pubertierenden 14-Jährigen geht die Fantasie durch. Er spricht davon, dass er entführt werden sollte. Da tritt die Polizei auf den Plan. Aber auch eine besorgte Elternschaft - ein Whats-App-Wirbelsturm bricht los. Wegen nichts.

Mit Falschmeldungen in den sozialen Medien hat es die Polizei immer wieder zu tun. In unserem Bild handelt es sich um einen Fall in Oberbayern. Wenn es dann soweit ist, dass die Diskussionen im Netz nicht mehr einzufangen sind, bleibt oft nur noch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit in der Presse.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Die Polizei in Sulzbach-Rosenberg legte sich zunächst Zurückhaltung auf: "Nach intensiver Recherche war klar, dass an der ganzen Geschichte überhaupt nichts dran ist", erläuterte Hauptkommissar Peter Krämer die Sache. Der stellvertretende Leiter der Inspektion im Sulzbacher Schloss schilderte dann am Freitag, welchen Verlauf eine vor etwa zwei Wochen mysteriös begonnene Sache nahm, ehe sie sich fast schon wie eine Befreiung aufklärte.

Wilde Geschichte

Demnach hatte ein 14-Jähriger zunächst einer Freundin erzählt, zwei Unbekannte hätten versucht, ihn zu entführen. Die vermeintlichen Täter hätten versucht, den pubertierenden Buben in einen hellen Kleintransporter zu zerren, um mit ihm wegzufahren. Ihm aber sei es gelungen, sich loszureißen und in einen nahen Wald zu flüchten. Gegenüber seinen Eltern sagte er dazu gar nichts. Dennoch wurde die Geschichte nach und nach öffentlich. Deshalb schrillten bei den Erziehungsberechtigten die Alarmglocken. Sie schalteten vergangenen Dienstag die Polizei ein.

Bei der Befragung durch die Polizei verstrickte sich der Bub immer mehr in Ungereimtheiten. Schließlich gab er zu, den angeblichen Entführungsversuch schlichtweg erfunden zu haben. Der vermeintliche Kriminalfall war geklärt und der junge Mann wurde in die Obhut seiner Eltern entlassen. Damit hätte die Angelegenheit ihre Bewandtnis haben können. Wären da nicht die sozialen Netzwerke und deren Nutzer. Jetzt kam Dynamik in die Sache: "Gerade im Bereich Gebenbach nahm das Gerücht fast hysterische Züge an", so der amtliche Bericht am Freitag. In geschlossenen Whats-App-Gruppen der Eltern, nicht von Schülern, wie die Polizei ausdrücklich betonte, verbreitete sich die falsche Nachricht in Windeseile.

Aufgebrachte Eltern

Die "nicht nachvollziehbare Penetranz" wurde nahezu unerträglich und gipfelte darin, "dass aufgebrachte Eltern bei der P0lizei anriefen und unverzüglich Klarheit einforderten", so Hauptkommissar Krämer. Die Anrufer blieben hartnäckig, obwohl versichert wurde, dass an der Geschichte nichts dran sei. Auch die Eltern des Jungen hätten keine Ruhe mehr gefunden und sich "unverschämten Anfragen ausgesetzt" gesehen. Die Polizei schließt ihren Bericht mit dem Satz: "Um die Familie zu schützen, die aufgebrachte Elternschaft zu beruhigen und letztendlich den Gerüchten ein Ende zu setzen, hat sich die Inspektion Sulzbach-Rosenberg entschlossen, die Öffentlichkeit zu informieren."

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