14.11.2019 - 13:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Landwirte protestieren auf Ambergs Straßen gegen Agrarpakt

Mit ihren Traktoren sind sie am Donnerstagvormittag durch die Stadt gefahren, um ein Zeichen zu setzen: Bauern aus der Region machen mit bei der Bewegung "Land schafft Verbindung". Sie wollen mitreden - vor allem beim neuen Agrarpakt.

Ein sichtbares Zeichen des Protests in Amberg: Landwirte aus der Region sind am Donnerstagvormittag mit ihren Traktoren auf den Straßen unterwegs gewesen, um gegen die Überarbeitung des Agrarpakts zu demonstrieren.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Im Oktober sind die Proteste von Landwirten im niederländischen Groningen eskaliert. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, weil die Regierung dort plant, landwirtschaftliche Flächen aufzukaufen, um den Viehbestand zu senken. Außerdem muss der Ausstoß von Stickstoff drastisch reduziert werden. "Das wollen wir natürlich nicht", sagt Carmen Pamler aus Freihung, wo sie mit ihrem Mann eine Milchviehlandwirtschaft hat und eine Biogasanlage betreibt. "Wir bleiben friedlich." Aber stinkig sind auch die Oberpfälzer Bauern - in der Region hat man sich der (noch) losen Bewegung "Land schafft Verbindung" angeschlossen.

Zu hohe Nitratwerte

Konkret geht es den Landwirten darum, dass sie bei der Überarbeitung des Agrarpakts der Bundesregierung mitreden wollen. "Es werden Gesetze und Regeln aufgestellt, die darüber bestimmen, was die Landwirtschaft in der Praxis umsetzen muss. Aber wir sind außen vor", kritisiert Simon Donhauser aus Moos (Kümmersbruck). Die Bauern von hier legen großen Wert darauf, dass sich aus der Basis Biolandwirte angeschlossen haben, genau wie Konventionelle, Tier- und Gemüsebauern.

Die Bewegung, die sich aus einer Whatsapp-Gruppe heraus zusammengefunden hat, fordert unter anderem: seriöse Studien zum Zustand der Insekten-Population und das Warum, keine pauschalen Einschränkungen bei Pflanzenschutzmitteln sowie einheitliche Haltungsbedingungen für Tiere in ganz Europa. Besonders verärgert ist Pamler beim Thema Düngeverordnung. Die erhöhten Nitratwerte, die Messstellen erkannt hätten, seien nicht allein auf die Landwirtschaft zurückzuführen. "Auch Abwasser und das Salzen im Winter sind ein Problem."

Simon Donhauser (von links), Carmen Pamler und Philipp Grünbauer unterstützen die Bewegung "Land schafft Verbindung".

Hinzukomme, dass in sogenannten roten Gebieten kein Dünger mehr ausgebracht werde. "Wenn ich dort nicht dünge, wächst auch nichts. Wir sind Landschaftspfleger und schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir unseren eigenen Boden ausbeuten würden", sagt Pamler. Die Bauern aus der Region haben sich auch deshalb zu einem sichtbaren Zeichen in der Stadt verabredet, um den Beruf des Landwirts in der Öffentlichkeit aufzuwerten. Das ist auch dringend notwendig, denn "die Stimmung auf den Höfen ist katastrophal", sagt Donhauser. Vor allem bei der Suche für einen Nachfolger am Hof offenbare sich das. Der Agrarpakt helfe da nicht unbedingt weiter.

Sternfahrt nach Berlin

Die kleine Kundgebung in Amberg ist aber nur der Auftakt für die wütenden Landwirte hier. Bei einer großen Sternfahrt nach Berlin am 26. November werden sich Bauern aus der Oberpfalz anschließen und vor dem Brandenburger Tor einen ernsthaften Dialog mit der Bundesregierung einfordern.

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