20.11.2019 - 17:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Mahnwache in Amberg: Altenpflegerinnen schlagen Alarm

Genug Personal, angemessene Bezahlung und gute Arbeitsverhältnisse: Das sind die Mindestbedingungen, die die Gewerkschaft Verdi für Altenpfleger fordert. Am Mittwoch standen 60 Pflegende, Pflegebedürftige und Angehörige auf dem Marktplatz.

Rund 60 Pfleger*innen, Pflegebedürftige und Angehörige kamen zur Mahnwache des Verdi-Aktionstages für die Altenpflege auf den Marktplatz.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Sie beteiligten sich an einem bundesweiten Aktionstag, zu dem die Gewerkschaft aufgerufen hatte. Das Motto lautete: "Mehr als ein Taschengeld - Tariflöhne rauf und Eigenanteile runter". Ihre Fahnen und Aufkleber hatten eine klare Botschaft: "Ich bin es wert." Nur wenig Passanten blieben stehen und ließen die eindringlichen Worte auf sich wirken.

Die Pflege und Versorgung von Menschen erfordere ein hohes Maß an Professionalität, Engagement und Verantwortung. Dies müsse sich auch in der Bezahlung widerspiegeln, lautete die Forderung von Gewerkschaftssekretärin Linda Dubiel. Sicherheit und Schutz sowie eine faire Bezahlung würde nur ein flächendeckender Tarifvertrag geben. "Doch insbesondere kommerzielle Anbieter wollen keine Tarifverträge", sagte Marina Mühlbauer, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Oberpfalz. Im stationären Bereich würden 43 Prozent, im ambulanten Bereich sogar zwei Drittel aller Einrichtungen kommerziell betrieben.

Wenig Zeit für ein Miteinander

Bei der Mahnwache auf dem Marktplatz kamen auch die zu Wort, die tagtäglich für pflegebedürftige Menschen da sind. Aus Überzeugung habe sie den Beruf Krankenschwester gewählt, sagte Rebecca Wittmann. "Zeit- und Personalmangel lassen nur noch wenig Zeit für ein Miteinander mit den Bewohnern zu", erlärte die Fachkraft. Claudia Wittmann sei bei der Berufswahl bewusst gewesen, dass sie Schicht- und Feiertagsarbeit leisten müsse. "Aber die unregelmäßigen Schichten, permanentes Einspringen, immer erreichbar zu sein, zerrt an meiner Gesundheit und Lebenskraft", gab die Altenpflegerin unumwunden zu. Ihre Kollegin Brigitte Hierl forderte das Aufheben der Zwei-Klassen-Gesellschaft mit unterschiedlichem Bezahlsystem. "Wir sollen alle einheitlich bezahlt werden. Wir fordern einen flächendeckenden Tarifvertrag." Applaus gab es auch für Bettina Semder, selbst im Seniorenheim tätig, die den Text einer Kollegin vorlas, die arbeitstechnisch verhindert war. Sie habe als Quereinsteigerin begonnen und sich gefreut auf die Zeit, die sie mit den alten Leuten verbringen könne. Doch das meiste sei für Grundpflege, Versorgung und Dokumentation draufgegangen. Vor zwölf Jahren habe man vonseiten des Pflegepersonals noch Zeit gefunden, mit Bettlägrigen regelmäßig zu snoezeln oder eine Runde Gedächtnisspiele zu machen. Dies sei heute nicht mehr möglich. "Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie das Pflegepersonal während der Grundpflege und dem Rest der Schicht von einem Bewohner zum nächsten hastet. Ich frage mich, wie lange das Personal das noch aushalten soll: psychisch und physisch?", zitierte Semder. Sie forderte die Änderung des Pflegeschlüssels. Heimbeirätin Anita Kummert fügte hinzu: "Es kann nicht sein, dass Heimkosten stetig steigen und keine Qualität zurückkommt." Aus der Sicht einer Auszubildenden sprach Sabrina Wittmann: "Ich würde mir für meinen Pflegealltag so sehr wünschen, einfach auch einmal in einem Zimmer verweilen zu können, um meinen Patientinnen und Patienten einfach mal zuzuhören und für sie da sein zu können." Das Gegenteil sei der Fall, oftmals traue sie sich kaum nachzufragen, ob ihr jemand helfen oder etwas zeigen könne, "weil ich die Pfleger nicht noch mehr mit Arbeit belasten will". Die junge Frau forderte eine Zukunft, "in der wir nicht durch unregelmäßige Schichten, Überstunden und fehlende Zeit für unsere Patienten ständig überlegen müssen, ob wir das die nächsten 40 bis 50 Jahre aushalten ohne Besserung bei einer immer älter werdenden Bevölkerung". Für das Berufsfeld müsse ihrer Meinung nach so einiges getan werden. "Und die Politik muss unsere Probleme ernster nehmen, denn früher oder später werden wir alle davon betroffen sein." Recht bekamen die Redner von Stadtrat Aydin Ayten (Amberger Bunt), der einzige politische Vertreter bei der Mahnwache. Gewerkschaftssekretärin Marina Mühlbauer unterstrich die Forderungen von Verdi nach einer Pflegebürgervollversicherung, die die gesamten Kosten einer bedarfsgerechten Pflege abdecken soll, da sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei.

Wieviel verdient ein Altenpfleger?

Laut Gewerkschaft Verdi verdient ein examinierter Altenpfleger in Vollzeit kaum mehr als 2000 Euro brutto im Monat. Weil die Arbeitsbedingungen schwierig seien, würden viele Kollegen in Teilzeit arbeiten, heißt es in einer Pressemitteilung. Am Ende bleibe nur ein Taschengeld. Ein Pflegeheimplatz koste durchschnittlich 1890 Euro im Monat.

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