19.02.2020 - 09:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Rede-Duell der OB-Kandidaten: Einig in Sachen Bergwirtschaft

Es war ein kurzweiliger Abend – für die Redner wie für die Zuhörer: Zwei Stunden lang diskutierten die Amberger Oberbürgermeister-Kandidaten über die Zukunftsthemen der Stadt. Zwischendurch wurde es sogar ein bisschen hitzig.

Volle Themenpalette, volles Haus: Rund 200 Zuhörer fanden sich zur Podiumsdiskussion im Ring-Theater ein.
von Uli Piehler Kontakt Profil

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Die erhöhte Temperatur am Podium lag nicht an den Scheinwerfern, in deren Rampenlicht Amtsinhaber Michael Cerny (CSU) und seine Herausforderer Birgit Fruth (SPD), Hans-Jürgen Bumes (Grüne) und Franz Badura (ÖDP) standen, sondern eher an der Redezeit. "Jetzt bin ich aber mal dran", meldete sich Fruth im Laufe des Abends mehrere Male vehement zu Wort. AZ-Redakteur Andreas Ascherl versuchte als Moderator natürlich, alle Bewerber möglichst gleich zu behandeln.

Hier gibt's einen kurzen Video-Überblick von der Podiumsdiskussion

Höchst unterschiedlich hingegen waren die Themen. Drei Schwerpunkte hatten die Organisatoren - Amberger Zeitung und Wirtschaftsjunioren - vorab festgelegt: Wirtschaft, Innenstadtentwicklung und Mobilität. Beim Thema Gewerbeflächen traten bereits zu Beginn der Diskussion die unterschiedlichen Standpunkte der Kandidaten zutage. Während sich Michael Cerny für die zügige Ausweisung neuer Areale aussprach, rechnete Badura vor, dass die Stadt mit den bestehenden Gewerbegebieten im Westen und Norden Ambergs genügend Raum für Unternehmen anbieten könne. Außerdem verwies er auf 65,2 Hektar an Baulücken und Brachen in der Stadt. "Ich sehe die Notwendigkeit für neue Gewerbegebiete nicht", sagte der ÖDP-Kandidat.

Die Fotos vom Rede-Duell

Birgit Fruth legte ihren Finger in die seit Anfang Februar klaffende Wunde des gescheiterten interkommunalen Gewerbegebietes mit der Gemeinde Ursensollen. Das Projekt dürfe jetzt nicht einfach aufgegeben werden, forderte sie: "Ich würde das Thema nochmal angehen. Ich würde sogar persönlich nach Ursensollen fahren und die Gemeinde bitten, es nochmal zu versuchen."

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Schnell kam die Rede auf die etwa zehn Hektar Fläche, die die derzeit leerstehende Leopoldkaserne für neue Entwicklungen bietet. Cerny stellte seine Visionen von der Zukunft der Liegenschaft im Süden der Stadt vor: Er hat ein Ausbildungszentrum des Zolls mit 350 Ausbildungs- und etwa 50 Arbeitsplätzen im Fokus oder einen Mix aus Wohn- und Gewerbegebiet, wobei der Amtsinhaber sogar Potenzial sieht, auf dem Kasernengelände "Flächen zu entsiegeln".

Auch die Zuhörer hatten Gelegenheit, sich einzubringen. Sie konnten Fragen an einzelne Bewerber per Zettel einreichen. Dabei kam unter anderem das Thema Bergwirtschaft auf die Agenda. Warum ausgerechnet dort ein Hotel entstehen müsse, lautete sinngemäß eine Frage. Die Antworten am Podium waren recht einheitlich. Cerny wies darauf hin, dass im Zuge des geplanten Umbaus und der Erweiterung viele derzeit bestehende Mängel beseitigt werden könnten. "Wir sollten froh sein, dass wir einen Investor haben, der das mit der Kirchenverwaltung macht", sagte er. Dabei hatte er die volle Unterstützung von Badura und Fruth. Nur Hans-Jürgen Bumes äußerte sich etwas zurückhaltender. Die Grünen hatten im Stadtrat ebenfalls für das Projekt gestimmt, allerdings forderte Bumes, die Pläne beim Verfahren zur Bauleitplanung noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. "Da müssen wir uns schon Gedanken machen, ob das so funktioniert", merkte er zur Parkplatz-Situation am Berg an. "Damit wir am Schluss nicht dastehen und sagen: Hoppla, so hatten wir uns das nicht vorgestellt."

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Info:

Riesige Resonanz

Die ersten Gäste standen bereits vor Einlass vor der Tür: 200 Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Saal des Ring-Theaters. Die Resonanz im Internet war noch weitaus größer. Die Facebook-Meldung über den Live-Stream erreichte bis Mitternacht knapp 15.000 Nutzer, aufgerufen wurde das Video rund 5000 Mal. 142 Kommentare standen am Ende der Veranstaltung unter dem Posting.

Das war noch lange nicht das Ende der Themenliste. Immer wieder zitierten die Diskutanten das Integrierte städtische Entwicklungskonzept (Isek), das nach nunmehr drei Jahren dauernder Ausarbeitungsphase fertig ist. Darin sind für Amberg revolutionäre Vorschläge enthalten, wie zum Beispiel die Reduzierung der Fahrspuren um den Altstadtring für den motorisierten Verkehr. Über die detaillierten Aussagen dazu und eine Reihe weiterer Themen berichten wir in den nächsten Tagen in der AZ und im Onetz.

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Zur Wahl stehen übrigens fünf Kandidaten. Einer stand am Dienstagabend nicht mit auf dem Podium: Manuel Werthner von den Freien Wählern. Er hatte zunächst zugesagt, sich dann aber aus beruflichen Gründen entschuldigt. Werthner war verreist, verfolgte die Veranstaltung allerdings live im Internet mit. Die Kommentare zur Diskussion können auf Facebook unter Onetz Amberg nachgelesen werden.

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Kommentar:

Chancen und Fallstricke

Gut gemacht! Es war ein sehr anregendes und durchaus auch erhellendes Aufeinandertreffen der Oberbürgermeister-Kandidaten. Keiner der Bewerber im Rampenlicht des Ring-Theaters hat sich eine Blöße gegeben. Sowohl der Amtsinhaber, als auch seine Herausforderer haben Akzente gesetzt, die bei den Zuhörern nachklingen. Michael Cerny hatte einen Vor- und einen Nachteil. Als Oberbürgermeister in Amt und Würden kennt er zu allen heißen Kisten Hintergründe, die seinen Kontrahenten verborgen geblieben sind. Andererseits hatte er es mit drei Gegenspielern zu tun, die bei einigen Themen die Chance nutzten, ins gleiche Horn zu stoßen. So bleiben zwei Hauptkritikpunkte an seiner Amtsführung hängen: dass viel geplant, aber bisher relativ wenig umgesetzt wurde. Und dass es ein gefühltes Defizit bei der Kommunikation aus dem Rathaus gab.

Uli Piehler

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