11.03.2019 - 12:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Unverpackt-Laden erlebt Facebook-Hype

Während die Nachrichtensendungen über Plastik in den Weltmeeren und Müllvermeidung berichten, poppt das Thema unvermittelt in Amberg auf. Ein kleiner Laden in der Altstadt wird plötzlich von einer Welle der Unterstützung überrollt.

Unverpackte Lebensmittel kommen in Amberg scheinbar recht gut an. Ein kleiner Laden in der Altstadt erfährt jetzt einen regelrechten Hype.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Sie führte bisher eher ein Schattendasein in der Amberger Geschäftswelt, die Tee- und Gewürztruhe am Malteserplatz. Seit zwei Jahren gibt es das Geschäft in dem Haus, in dem früher Sport Lange angesiedelt war. Auf einmal steht der Laden über den Einzugsbereich Ambergs hinaus im Rampenlicht, weil er ein Thema besetzt, das derzeit brandaktuell ist: Er verkauft Lebensmittel ohne Verpackung und trifft dabei anscheinend einen Nerv. Mehrere Hundert Follower auf Facebook sammelte er binnen eines einzigen Tages - und das ohne eigenes Zutun. Zu verdanken hat die Tee- und Gewürztruhe den Hype zwei Kunden aus Amberg. Bei einem zufälligen Besuch entdeckten Patricia Wassner und Matthias Weiß, dass sich im Untergeschoss Boxen und Gläser mit Lebensmitteln zum selber abfüllen aneinanderreihen - ganz ohne Plastik. "Dass es so ein fortschrittliches Konzept mitten in Amberg gibt, müssen dringend mehr Leute erfahren", dachte sich Wassner.

Ahnung von einem Trend

Die beiden Freunde ahnten schon, dass die Tee- und Gewürztruhe einen Trend aufgreift, der vor allem eine jüngere Zielgruppe über soziale Medien anspricht. Als Podcast-Moderatorin ihrer eigenen Online-Community mutter.sprache kennt sich Wassner mit digitalen Medien aus. Auch Fotograf Weiß teilt seine Bilder regelmäßig als Digga Pictures mit seinen Instagram-Followern. Sie erstellen kurzerhand eine Facebook-Seite namens "Unverpackt Laden Amberg" und rufen ihren Bekanntenkreis dazu auf, das Konzept zu unterstützen. Am nächsten Morgen trauen sie ihren Augen kaum. Die Seite hat bereits mehrere Hundert "Gefällt mir"-Angaben und es haben sich dutzende freiwillige Helfer gemeldet, um bei der Vermarktung mit anzupacken. Vom neuen Logo, über Schaufensterdekoration bis hin zu einer eigenen Website mit professionellen Fotografien werden über den Social-Media-Kanal verschiedenste Hilfen angeboten, um das Konzept bekannter zu machen. Wassner ist begeistert: "Mit so einem großen Engagement hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich bin Mama von zwei Kindern und könnte mich nicht allein um so eine Aufgabe kümmern, aber über Facebook wurde das Ganze jetzt ein richtiges Gemeinschaftsprojekt."

Drei Tage nach dem Start der Facebook-Fanpage besuchten die beiden Initiatoren die Ladeninhaber, um ihnen ihre neue Seite zu übergeben und von dem überwältigenden Feedback zu berichten. Zu diesem Zeitpunkt zählt die Fanpage genau 999 "Gefällt mir"-Angaben. Nichtsdestotrotz hatten sich Wassner und Weiß ein wenig um die Reaktion der Inhaber gesorgt. Was, wenn diese gar nicht wollen, dass sich plötzlich so viele Leute in ihre Arbeit einmischen? Die Sorgen stellen sich nun als unbegründet heraus.

Von Kunden überrannt

Die beiden Laden-Inhaber, Jürgen und Petra Weinmann, berichteten gleich zur Begrüßung vom großen Kundenandrang der vergangenen Tage und bedankten sich für die Aktion. "Die große Resonanz auf Facebook hat uns schon sehr überrascht. Auf einmal kamen lauter neue Leute in den Laden und wollten mehr über das Konzept wissen. Wir haben uns riesig gefreut", sagte Petra Weinmann. Ihr Sohn hatte auf Facebook schon davon erfahren und die Familie verfolgte eifrig alle Kommentare.

"Auf die Idee zum Selber-Abfüllen sind wir durch unseren Sohn gekommen. Der mischt sich seine Müslis gerne individuell zusammen und das haben wir dann auch bei uns im Laden angeboten", berichtet Jürgen Weinmann. Die Familie wollte sich schon seit Langem um den Internetauftritt kümmern, "aber im Tagesgeschäft kam leider ständig etwas dazwischen". Bei der Pflege der neuen Seite hilft ihnen ab sofort Verena Fitzgerald, die Wirtschaftsförderin der Altstadt. Sie vereinbart jetzt ein Treffen mit den helfenden Fotografen, Grafikern und weiteren Kreativen, um ein passendes Werbekonzept für die Zielgruppe zu entwickeln.

Die Geschäftsinhaber Jürgen und Petra Weinmann (von links) und ihre Unterstützer Patricia Wassner und Matthias Weiß bei der Übergabe der Facebook-Seite für den Unverpackt-Laden.
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