10.10.2019 - 15:11 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ludwig Alfred Meister verstorben

Vom Kolonialwarenladen in Erbendorf bis zu den eigenen Inseln auf den Bahamas. Das gelang dem gebürtigen Erbendorfer Ludwig Alfred Meister. Im Alter von 85 Jahren verstarb er am Dienstag in der Karibik.

Ludwig Alfred Meister mit dem Bild-Geschenk der Stadt Erbendorf zu seinem 85. Geburtstag im April dieses Jahres.
von Jochen NeumannProfil

Ludwig Alfred Meister war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Stadt. 1934 in Erbendorf geboren, zog es ihn nach Abschluss einer Werkzeugmacherlehre mit 18 Jahren in die USA. Nachdem seine Mutter in der Heimat in der Bahnhofstraße 1, wo sich heute der Getränkemarkt Meixenberger befindet, einen Gemischtwarenladen betrieb, hatte Meister in der Ferne ein besonderes Augenmerk auf die dortigen Selbstbedienungsgeschäfte.

1959 kehrte Meister wieder nach Erbendorf zurück, wo er die Geschäftsführung des elterlichen Ladens übernahm. Und er machte Nägel mit Köpfen: Anstatt Äpfel pfundweise zu verkaufen, preiste er sie kistenweise an. Eine Verkaufsidee nach amerikanischem Vorbild. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.

Von Erbendorf ausgehend eröffnete er ab Mitte 1963 insgesamt 18 Supermärkte. Der Gesamtumsatz lag 1978 beispielsweise bei 600 Millionen Deutsche Mark. Eine gewisse „Spürnase“ hatte er mit dem dann einsetzenden Verdrängungswettbewerb in der Lebensmittelbranche. Er verkaufte seine C&C-Märkte und seine Meister-Märkte für gut 150 Millionen Deutsche Mark an die Metro-Gruppe.

Meister zog es auf die Bahamas. Doch nicht, um mit gut 45 Jahren seinen Ruhestand zu genießen, sondern, weil er geschäftlich tätig werden wollte. Er kaufte kurzerhand ein Luxusstrandhotel mit zwei vorgelagerten Inseln, eigenem Hafen und Golfplatz. Im Laufe der Zeit kamen noch weitere fünf Inseln dazu. „Treasure Cay“ besteht heute aus einem Yachthafen, einem tropischen Abenteuerpark, einem Delfinarium, Casino mit Theater sowie zahlreichen Bars und Restaurants.

Sich ausruhen kannte Alfred Meister nicht. Mit 72 Jahren eröffnete er in der Dominikanischen Republik bei Puerto Plata seinen Yachthafen mit Spielcasino und Revuetheater. Dazu zählt auch „Ocean World“, ein Erlebnispark mit Delfinen, Haien, Rochen, Seelöwen, Polartigern, exotischen Fischen und Vögeln

In all der Zeit hatte Ludwig Alfred Meister den Bezug zu seiner Heimat nie vergessen. Seiner Geburtsstadt hat er vor Jahren eine großzügige Spende zukommen lassen, die dem Gemeinwohl der Stadt noch heute zu Gute kommt. Wenn es möglich war, kam er auf Besuch in seine Heimatstadt. Besonders genoss er dabei seine Aufenthalte im Cafe Kohr mit seinem Freund, dem bereits verstorbenen Konditormeister Fritz Kohr.

Zu Meisters 85. Geburtstag übersandte Bürgermeister Hans Donko im Namen der Stadt ein Ölgemälde aus der Hand von Erwin Otte mit Ansichten der Stadt und den Bildnissen von Meister und seinem Freund Fritz Kohr.

Im Kreise seiner Familie verstarb am Dienstag Ludwig Alfred Meister im 86. Lebensjahr in der Dominikanischen Republik. Wie der Sohn des Verstorbenen, Robert Meister, sagte, war er immer stolz, ein geborener Erbendorfer zu sein. „Obwohl mein Vater schon Jahrzehnte von Erbendorf weg war, hat sein Herz immer noch für seine Heimat geschlagen.“

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