20.01.2020 - 15:06 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Klärendes Wort" gefragt: Kreisbrandrat ist am Zug

Ein neues Feuerwehrauto ist den Thurndorfern bereits in Aussicht gestellt. Allerdings positionieren sich die Brandschützer vom Kütschenrain für die "teuerste Lösung". In der Sitzung des Marktgemeinderats regt sich Widerspruch dagegen.

Rekordbesuch herrscht in der öffentlichen Sitzung des Marktgemeinderats: Einige Besucher müssen sich mit Stehplätzen begnügen. Stark vertreten sind die Brandschützer aus Thurndorf, die die spannende Debatte um den Kauf eines neuen Löschfahrzeugs für ihre Wehr aufmerksam verfolgen.
von Robert DotzauerProfil

Die Vorfreude der 33 Aktiven der Thurndorfer Wehr ist groß: Ein neues Fahrzeug scheint beschlossene Sache zu sein. Doch über dessen Typ herrscht im Vorfeld der Beschaffung Uneinigkeit zwischen Feuerwehr und Marktgemeinde.

Bei einer Besprechung zwischen Bürgermeister Jürgen Kürzinger, dem federführenden Kommandanten des Hauptortes Kirchenthumbach und der Thurndorfer Feuerwehrführung konkretisierten deren Kommandanten Manuel Müllner und Roland Busch ihre Vorstellungen. Für sie kommen nur ein sogenanntes Mittleres Löschfahrzeug (MLF) oder ein Tragkraftspritzenfahrzeug-Wasser (TSF-W) in Frage.

Ihre Forderungen stützen sie auch auf eine Empfehlung des Kreisbrandinspektors. Einen entsprechenden Hinweis enthält der schriftliche Antrag der Thurndorfer Wehr an den Marktgemeinderat. Die Kosten haben die Kommandanten ebenfalls bereits abgeklärt: Für ein MLF ermittelten sie 211 000 Euro bei einer staatlichen Zuwendung von 51 500 Euro und für ein TSF-W mit Tragkraftspritze circa 200 000 Euro bei aktuell 43 600 Euro staatlichem Zuschuss.

Favorit ist für die Männer vom Kütschenrain ein Mittleres Löschfahrzeug unter anderem wegen seiner flexibleren Beladungsmöglichkeiten. Dem Antrag lag auch eine Unterschriftenliste zur Bereitschaft von 15 Aktiven bei, an einer Atemschutzgeräteträger-Ausbildung teilzunehmen.

Ein „so großes Fahrzeug“ ist jedoch nach Meinung des Kirchenthumbacher Kommandanten nicht erforderlich. Bürgermeister Jürgen Kürzinger verlas die Stellungnahme von Torsten Goß. In seiner Bewertung beleuchtete der federführende Kommandant der fünf Gemeindefeuerwehren mit Daten der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg die Unterschiede zwischen den einzelnen Fahrzeugtypen. Auch untersuchte er die Hilfsfristen im Zuge des abwehrenden Brandschutzes sowie des technischen Hilfsdienstes der benachbarten Wehren und beleuchtete als Beispiel die Unterstützung der fünf Kilometer entfernten Wehr aus Troschenreuth mit ihrem Löschgruppenfahrzeug LF 20.

Ein wichtiges Argument war für Goß auch der Kostenfaktor. So ermittelte er für ein TSF Kosten von ungefähr 120 000 Euro, eine Ersparnis von 80 000 Euro gegenüber dem TSF-W. Der Kirchenthumbacher Kommandant zog zudem Einwohnervergleiche mit Nachbargemeinden, untersuchte die Kosten des Folgeaufwandes und prüfte Einsatzzahlen und Atemschutzstandorte. In seiner Gesamtbetrachtung für den 469 Einwohner zählenden Ort Thurndorf kam er schließlich zu dem Ergebnis: „Ausgehend von dem bestehenden Gefahrenpotenzial ist ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) ohne Löschwassertank für das Einsatzgebiet Thurndorf ausreichend.“

Den Atemschutz stellte Goß ebenfalls in Frage. Grundsätzlich sei zwar auch beim TSF schwerer Atemschutz vorgesehen. Bei entsprechender Begründung könne jedoch auf die Ausstattung mit Atemschutzgeräten verzichtet werden.

Für Bürgermeister Jürgen Kürzinger war deshalb klar: „Ich stehe hinter der Beschaffung eines TSF.“ Der Rathauschef warnte vor übertriebenen Mehrkosten. Zudem würde mit der Beschaffung eines wasserführenden Fahrzeugs ein Präzedenzfall geschaffen, befürchtete er und verwies auf einen Neidfaktor bei anderen Ortsteilfeuerwehren.

Kürzingers Vorschlag teilte der Thurndorfer Marktgemeinderat Alexander Schatz nicht. Er erinnerte an die Bewertung des Kreisbrandinspektors zum Kauf eines wasserführenden Fahrzeugs, zweifelte mit Blick auf die Nachbarwehr in Troschenreuth an den Alarmfristen und plädierte für ein TSF-W.

Unterschiedliche Meinungen prägten auch die weitere Diskussion. Während sich zum Beispiel Jan Wiltsch nach dem Abwägen aller Stellungnahmen für die Anschaffung eines wasserführenden Fahrzeugs aussprach, verwies Jürgen Geyer auf die Widersprüche in den Stellungnahmen der Kommandanten und des Kreisbrandinspektors. Geyer hielt deshalb eine klare Position des Kreisbrandrats (KBR) für zielführend. Dieser Forderung schloss sich Richard Götz an: „Bei soviel Geld brauchen wir ein klärendes Wort des KBR.“ Johann Hammer empfahl mehr Weitsicht: „Immerhin ist das eine Entscheidung für 30 Jahre“, gab er zu bedenken.

„Sauber klären“, lautete auch die Meinung weiterer Ratsmitglieder. „Bei fünf Feuerwehren in der Gemeinde tun wir uns hart, eine Entscheidung zu treffen“, merkte Winfried Sporrer an, und Georg Adelhardt stellte sich ein TSF mit zweckmäßiger Beladung vor. Schließlich fand der Antrag von Jürgen Geyer allgemeine Zustimmung, vor einer Entscheidung eine ausführliche Stellungnahme des Neustädter Kreisbrandrats Marco Saller anzufordern.

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