05.02.2020 - 16:02 Uhr
NabburgOberpfalz

Kartoffel-Erträge hinken hinterher

Hinter der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Neunburg/Nabburg liegt ein schwieriges Jahr. Nicht nur das Klima macht den Landwirten zu schaffen.

Stellvertretender Vorsitzender Egon Hausladen (rechts), Lorenz Snack-World Mitarbeiter Mathias Kick (Mitte) und Erzeugerberater Sebastian Betz (links) informierten die Kartoffelbauern über die neuesten Entwicklungen in der Branche.
von Richard BraunProfil

"Der Verbraucher isst gerne Chips. Der Bauer muss die Kartoffel liefern": Mit dieser einfachen Aussage umschreibt Landrat Thomas Ebeling ganz treffend, worum es in der Jahreshauptversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Neunburg/Nabburg geht. Zum ersten Mal nach der Fusion der beiden Erzeugergemeinschaften trafen sich die Kartoffelbauern zur Jahreshauptversammlung im Gasthaus Sporrer.

Für den verhinderten Vorsitzenden Josef Reitinger hatte dessen Stellvertreter Egon Hausladen die Versammlungsleitung übernommen. In seinem Rechenschaftsbericht sprach der Vorsitzende von einem schwierigen Jahr, das erst von Kälte und später von Trockenheit sowie Hitze geprägt war. Dies schlug sich natürlich auf die Erträge nieder. Das gesteckte Mengenziel konnte nur zu 75 Prozent erreicht werden.

Neben dem Klima machten die Düngeverordnung, Dumpingpreise und die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung dem Bauern das Leben schwer. "Wir brauchen wieder einen positiven Schub, nur so können wir wieder junge Landwirte begeistern", sieht Egon Hausladen wenig optimistisch in die Zukunft. In der Bewässerung der Felder findet der Vorsitzende ein probates Mittel, um in Zukunft sichere Erträge zu erhalten. Doch für die Umsetzung müssen die Kartoffelbauern potente Partner ins Boot holen, nur so kann diese Mammutaufgabe gemeistert werden.

Noch in den Kinderschuhen

Mit ihrem Anliegen stießen sie bei Landrat Thomas Ebeling auf offene Ohren. "Dem Klimawandel muss man mit modernen Konzepten entgegenwirken", versicherte der Landrat seine Unterstützung. Die Schwierigkeit liegt darin, das Wasser auf die Felder zu bringen. Die Nutzung von Oberflächenwasser wie der Naab oder dem Eixendorfer Stausee oder der Bau von Rückhaltebecken sind einige Möglichkeiten, wie eine Beregnung der Felder zu bewerkstelligen wäre. "Das alles steckt noch in den Kinderschuhen", warnte der Landrat vor zu großen Erwartungen.

Für eine ausgewogene Flächenbilanz zwischen Photovoltaik, Biogas und Landwirtschaft warb Bürgermeister Martin Birner in seinen Grußworten. Dabei ist ihm der Dialog zwischen allen Partnern besonders wichtig. BBV-Geschäftsführer Josef Irlbacher warb für regionale Produkte, die mit der Kampagne "Essen aus Bayern - Gegessen wird zu Hause" besonders herausgehoben werden.

Gleicher Preis

Über die aktuelle Geschäftslage der Firma Lorenz Snack-World berichtete Matthias Kick, Leiter der Kartoffelabteilung. "Das Problem ist nicht der Preis, sondern die Vertragserfüllung", ging der Referent auf die momentane Situation ein. Im Jahr 2010 stammten über 90 Prozent der angelieferten Kartoffeln aus der Oberpfalz. Im Jahr 2019 war es weniger als die Hälfte.

Die Versorgungssicherheit mit dem Rohstoff Kartoffel zu wirtschaftlichen Preisen ist das größte Problem. "Die Erschließung neuer Anbaugebiete und die Verlagerung von Anbauflächen in Beregnungsgebiete wird die Zukunft sein", ist Matthias Kick überzeugt. In der Vertragsgestaltung für 2020 bleibt der Preis für Chipskartoffeln und für Pflanzgut gleich gegenüber dem Vorjahr. Erhöhen werden sich die Lagerkostensätze für Einlagerungen. Eine Kürzung der Hektarsätze um durchschnittlich fünf Prozent steht ebenfalls im Raum.

Matthias Kick unterrichtete die Landwirte anschließend über einen Generationswechsel bei der Firma Lorenz Snack-World. Neuer Geschäftsführer ist Moritz Bahlsen. Der 38-Jährige übernimmt die Führung des Unternehmens von seinem Vater Lorenz Bahlsen, der nach insgesamt 45 Jahren an der Unternehmensspitze in den Beiratsvorsitz wechselt. Zum Ende der Jahreshauptversammlung referierte Erzeugerberater Sebastian Betz über die "Wurzeltöter-Krankheit" Rhizoctonia solani.

Aufmerksam verfolgten an die 50 Mitglieder des Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln den Ausführungen der Referenten.
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