22.10.2019 - 08:00 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Norbert Neugirg: "Mir san die Harten"

Der Kabarettist Norbert Neugirg, Kommandant der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“, blickt als Oberpfälzer auf seine Heimat und ihre Bewohner.

Norbert Neugirg ist Stammgast bei der "Fastnacht in Franken".
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

ONETZ: Herr Neugirg, Sie sind der wohl bekannteste Feuerwehrkommandant Bayerns, bei der „Fastnacht in Franken“ halten Sie und Ihre Mannen die Fahne der Oberpfalz hoch. Erfüllt Ihre Herkunft Sie mit Stolz?

Norbert Neugirg: Das einzig Interessante an Ihrer Frage ist, dass Sie mich als Feuerwehrkommandant bezeichnen, zu dem ich mich im Zuge der Erfindung der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ 1985 lediglich selbst ernannt habe. Der Ort, der meine Kindheit und Jugend prägte, heißt Wurz im Oberpfälzer Wald. Das Kuhdorf meiner Herkunft hatte zum Zeitpunkt der Niederkunft meiner Mutter infolge meiner Menschwerdung noch viele Kühe, auf den Kopf genau 300 Einwohner und eine Freiwillige Feuerwehr, in der ich es lediglich bis zum „Feuerwehrmann“ brachte. Obwohl ich in meinen zehn aktiven Dienstjahren bei einigen Totalabbränden die Hand im Spiel hatte, verblieb ich am untersten Ende der Karriereleiter. Das war im vergangenen Jahrtausend, als es noch dort brannte, wo es sinnvoll war. Die Löschgeräte, mit denen wir damals anrückten, waren schwer zu bedienen und selten rechtzeitig in einen Betriebszustand zu versetzen. Das steht heute alles im Museum und wartet darauf, dass ich ausgestopft nachkomme. Die Bezeichnung „Feuerwehrkommandant“ entbehrt also in meinem Fall jeder Grundlage. Aufgrund unterbliebener Recherchen gutgläubiger Redakteure konnte ich diese Amtsanmaßung bis heute aufrechterhalten. Insofern danke ich auch Ihrer Zeitung und bin angesichts derselben weiterhin guter Dinge, dass diese Mär mich und Ihre Zeitung überleben wird.
Zum uninteressanten Teil Ihrer Frage: Ja! Zum Thema „Fastnacht in Franken“: Gute Sendungen brauchen dunkle Charaktere. Die Edgar-Wallace-Filme hatten Klaus Kinski und „Fastnacht in Franken“ hat die „Altneihauser“.

ONETZ: Wie ist denn der Oberpfälzer so – aus Ihrer Sicht?

Norbert Neugirg: Zu sich selbst:
Das Volk ist wie der Untergrund,
eckig, kantig, selten rund,
wie Granit schwer zu bewegen
und oft aus Prinzip dagegen.

Zu den Franken:
Fehlt’s dem Oberpfälzer an Verstand
begibt er sich ins Frankenland,
die Freud’ ist nur von kurzer Dauer,
der Frankenwein ist Essig-sauer,
und ein Großteil der Bevölkerung
hat in der Schüssel einen Sprung.
Drum: Lasst ihr euch mit Franken ein
und vergiftet euch mit Frankenwein,
dann schaut ihr irgendwann genauso aus
wie die „Feierwehr aus Altneihaus“.

Zur Sauzuchttundra Niederbayern ...
... wo die Zahl der Sauköpf’ auch noch überwiegt,
wenn keine Sau mehr Nachwuchs kriegt!
Zu widerwärtigen Zeitgenossen:
Der Oberpfälzer hat Nerven,
den Mut und auch die Kraftreserven,
den Hintern jenen hinzustrecken,
die’s gelüstet, ihn zu lecken.

ONETZ: Warum eignet sich der Oberpfälzer fürs Kabarett?

Norbert Neugirg: Es heißt ja, das Wort „Kabarett“ kommt vom französischen „cabaret“, was so viel heißt wie Schänke oder Kneipe. Das Motiv meiner kabarettistisch-verkrachten Feuerwehrtrompeter-Laufbahn ist daher wohl auch im Milieu meiner Herkunft zu suchen: Kurz bevor ich am 8. Oktober im Kreiskrankenhaus Erbendorf am Rand des Steinwaldes das Licht der Welt erblickte und der 301. Wurzer werden sollte, verstarb ein Wurzer Gastronom und ich war der 300. Bürger der damals noch selbstständigen Gemeinde. Glück muss man haben! Der dahingeschiedene Wirt hinterließ das Gasthaus Mois. Eines von zwei Wirtshäusern am Ort, in welchem ich später viele, viele Stunden mit Gleichaltrigen, die aufgrund der noch nicht so verbreiteten Empfängnisverhütung in großer Anzahl vorhanden waren, zubrachte. Jedenfalls zog die nikotingeschwängerte Gaststube mit den illustren Insassen, deren seelische Architektur teils hervorragend mit der des Gebäudes harmonierte, uns Halbwüchsige magisch an. Die Atmosphäre und die ebenso langen wie illegalen Öffnungszeiten zogen mir daneben das spärliche Taschengeld aus der Tasche. Rückblickend betrachtet könnte die Fügung, dass ich just in der Gaststätte des vor meiner Geburt und mir zuliebe verstorbenen Gastwirts meine nicht nennenswerten Einkünfte durchbrachte, ein aus dem Jenseits angeordneter Schachzug gewesen sein: Der entschlafene alte Wirt hat mir über den ihm folgenden Wirtshauspächter meine Nachrückerposition auf der Einwohnerliste in Rechnung gestellt. Die Folge waren ebenso wiederkehrende wie unwiederbringliche Investitionen in Currywurst, Weizenbier, die Musikbox und in viele verlorene Kartenspiele. So etwas prägt fürs Leben.

ONETZ: Sie kommen ja viel herum: Wie sieht man uns anderswo?

Norbert Neugirg: Wenn sich die „Altneihauser“ auf der Bühne gesanglich so vorstellen

„Mir san die Finstern, mir san die Harten,
des was mir bringa, is nix für die Zarten.
Mir san die Finstern, mir san die Groben,
und in der Oberpfalz samma daham!“

dann weiß das Publikum, wo der Wind her weht, nämlich von der böhmischen Grenze. Wir kommen als Landeier unserer Generation aus der Freilandhaltung. Rustikales Publikum macht uns nichts aus. Die Zuschauer sollen merken, warum die Oberpfälzer im Prager Frühling die Russen abgeschreckt haben. Als Herkunftsangabe genügt uns „Oberpfalz“ oder „Oberpfälzer Wald“. Kleinere Revierangaben interessieren anderswo keinen. Aber wo wir auch hinkommen, werden wir gefragt, ob wir Zoiglbier dabei haben; natürlich nicht, denn

Export ist strengstens untersagt,
und wer’s als Oberpfälzer wagt,
Zoigl auswärts auszuschenken,
dem droht der Tod in Jauche durch
Ertränken.

ONETZ: Was wünschen Sie dem „Standort Oberpfalz“ für die Zukunft

Norbert Neugirg: Weniger Flurstücksnummerndenken!

ONETZ: Und was unterscheidet den Süd-Oberpfälzer, den „Rengschburger“, vom Nord-Oberpfälzer?

Norbert Neugirg: Da sind wir schon wieder bei den Flurstücksnummern. Urlaub in Nordtirol? Da zieht es mich mehr in den Oberpfälzer Wald in Bayern-Böhmen. Hou! Hou! Hou!

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