10.10.2019 - 12:53 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Genaues Maß fürs "Kittelblech"

Stehkragen, Schürze und Mieder: Das gehört zum anständigen "G'wand". Beim Trachtennähkurs spielt aber auch die "Maßkrughöhe" eine Rolle.

Stolz zeigten sich die Dirndl-Näherinnen in ihrem neuen Festtagsgewand. Links Kursleiterin Edeltraud Wild, Vierte von links Organisatorin Bärbl Nutz. Zweiter von links stellvertretender Bezirksheimatpfleger Florian Schwemin.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Bärbl Nutz hat mittlerweile 15 selbstgenähte Dirndln im Schrank hängen. "Ich bin einfach fasziniert von der Tracht", verrät die Leiterin der Neunburger Musikschule. Deshalb hat sie nach vierjähriger Pause wieder einen Trachtennähkurs organisiert.

Besondere Stücke

An vier Samstagen trafen sich acht Damen unter der Leitung von Trachtenschneiderin Edeltraud Wild aus Gaisthal in den Räumen der Musikschule und nähten "a G'wand" im Oberpfälzer Stil mit einem "gestifteltem Rock", einer Bluse mit Stehkragen, Schürze und Mieder. Beim Kursabschluss zeigten sich die Hobby-Näherinnen in ihrer neuen Festtagstracht. Alle Röcke waren in "Maßkrughöhe" geschnitten. So groß muss nämlich der Abstand vom "Kittelblech", dem gedoppelten Rocksaum, zum Boden sein. Seit 40 Jahren gibt Edeltraud Wild Lehrgänge für Dirndlschneiderei. 25 Stunden im Kurs und 25 Stunden zu Hause. So lange dauert es, bis das Dirndl fertig ist. Was würde das edle Stück wohl in einem Geschäft kosten? "1000 Euro bestimmt", schätzt Edeltraud Wild. "Darum sondert man so ein selbstgenähtes Dirndl auch niemals aus", so die Damenmaßschneiderin.

Gefördert vom Bezirk

Von den Ergebnissen war auch Florian Schwemin begeistert. "Eines schöner als das andere", schwärmte der stellvertretende Bezirksheimatpfleger beim Blick in die Runde. Ihm liegt der Erhalt der Oberpfälzer Tracht am Herzen. Deshalb gebe der Bezirk auch einen Zuschuss zu den Kursgebühren, die für die Teilnehmer 95 Euro betrugen. Die Sparte "Kultur- und Heimatpflege" des Bezirks fördere den Trachtengedanken und das Bedürfnis vieler Menschen, sich "bayerisch" zu kleiden, so Florian Schwemin. Die Pflege der Tracht habe beim Bezirk einen ähnlichen Stellenwert wie die Volksmusik, der Dialekt oder die Denkmalpflege.

Mit viel Liebe zum Detail fertigten die Kursteilnehmer die Dirndln an, angeleitet von Trachtenschneiderin Edeltraud Wild.
Bärbl Nutz zeigt den modischen Stehkragen an ihrer Bluse.
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