04.10.2019 - 21:07 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Wenn Medikamente fehlen

Apotheker haben immer mehr zu kämpfen, damit ihre Schränke mit Arzneimitteln gefüllt sind. Lieferengpässe haben sich zu einem ernsthaften, langfristigen Problem entwickelt. Apotheker aus der Region erklären, wie sie mit dem Problem umgehen.

Ein ausreichender Vorrat an Medikamenten – für Apotheker ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele klagen über Lieferengpässe.
von GGÖProfil

Es klingt so selbstverständlich: Ein Patient lässt sich von einem Arzt ein Medikament verschreiben. Mit dem Rezept geht's zum Apotheker, der schließlich aus einer Schublade das passende Präparat nimmt und dem Patienten aushändigt. So einfach ist es aber schon lange nicht mehr. Produktionsverlagerungen und Exklusivverträge der Krankenkassen mit Medikamenten-Hersteller sorgen für Lieferengpässe (siehe Infokasten). Die Patienten bekommen davon trotzdem oft nichts oder kaum etwas mit.

Flexibel reagieren

Christian Bauer, Sprecher der Apotheker im Landkreis Schwandorf, sagt: "Wir haben richtig zu kämpfen." Bauer berichtet von einer Patientin, die seit drei Wochen auf ihr Medikament wartet. Die Apotheker müssten oft flexibel reagieren. Wer noch einen Vorrat an Medikamenten zu Hause hat, soll den erst aufbrauchen, raten die Apotheker. Oder sie stellen auf ein anderes Präparat um. Lob gibt es von Bauer, dass die Versorgung mit Medikamenten trotz aller Probleme funktioniert: "Hut ab, was die Apotheken gerade leisten." Leider werde das in keinster Weise honoriert: "Es gibt weder ein Dankeschön, noch einen finanziellen Ausgleich. Wir nehmen unseren Versorgungsauftrag trotzdem ernst."

Bauer, der die Löwenapotheke in Burglengenfeld betreibt, greift oft zu flexiblen Lösungen. Ein Beispiel: Wenn etwa 16 Milligramm eines Medikaments verschrieben sind, dieses aber nur in der 32-Gramm-Variante vorhanden ist, gibt er diese dem Patienten mit: "Dabei müssen wir alles genauestens erklären. Schließlich handelt es sich ja um keine Gummibärchen."

Apothekerin Alexander Vogel von der St.-Nikolaus-Apotheke in Schwarzenfeld steht vor denselben Problemen mit nicht lieferbaren Medikamenten. Sie versucht, "in Rücksprache mit dem Arzt Lösungen zu finden". Wie jede Apotheke klappert sie immer wieder mehrere Großhändler ab, um an bestimmte Wirkstoffe zu kommen. Dennoch: "Es gibt immer wieder Arzneistoffgruppen mit Lieferschwierigkeiten."

"Wir kümmern uns"

Drastischer formulierte es Peter Kindler von der Linden-Apotheke in Neunburg: "Ich schätze die Sachlage fast schon katastrophal ein." Auch wenn der Patient in vielen Fällen davon nichts mitbekommt, da die Apotheken stets lösungsorientiert arbeiten würden. Derzeit seien rund 220 Präparate nicht lieferbar. Als Beispiel pickt sich Kindler Ibuprofen heraus: "Da gibt es massive Lieferschwierigkeiten, weil ein Werk in den USA Probleme hatte."

Trotzdem werde für jeden Patienten versucht, eine Lösung zu finden; immer ganz individuell. Das frisst Ressourcen, sprich Arbeitszeit, auf. Dennoch spricht auch Kindler vom Versorgungsauftrag, den er ernst nehme. Er machte einen einfach Vergleich auf: "Der Unterschied zwischen einer öffentlichen Apotheke und einer Versand-Apotheke im Internet ist ganz einfach. Auf der Homepage steht einfach: ,Nicht lieferbar'. Der Patient wird alleine gelassen. Wir kümmern uns dagegen."

Lieferengpässe :

Die Zahl der nicht verfügbaren Medikamente hat sich laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) im vergangenen Jahr auf gut neun Millionen Packungen fast verdoppelt. Allein hochdosiertes rezeptpflichtiges Ibuprofen war nach einer Statistik 2018 mehr als 1,6 Millionen Mal nicht verfügbar.

Gründe für die Lieferengpässe gibt es viele. Etliche Wirkstoffe werden laut ABDA-Angaben in Fernost hergestellt. Außerdem gibt es nur einen kleinen Pool an Wirkstoffherstellern. Technische Störungen bei der Produktion hätten globale Auswirkungen. Auch Rabattverträge mit Krankenkassen werden laut den Apothekern aus der Region immer mehr zum Problem. Auf der Internetseite der ABDA heißt es: "In einem Rabattvertrag gewährt ein Pharmahersteller einer Krankenkasse einen Rabatt auf den Herstellerabgabepreis für ein Medikament oder auch ein ganzes Sortiment. Im Gegenzug sichert die Krankenkasse zu, dass alle ihre Versicherten im Normalfall künftig nur dieses Präparat erhalten."

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