10.10.2019 - 13:45 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Zu viele Tote bei Waldarbeiten: Rat von Experten

Bei Arbeiten im Wald ereignen sich in Bayern jährlich rund 5000 Unfälle. Davon sind im Schnitt 10 tödlich. 2019 gibt es bereits 20 Tote, allein 3 davon stammen aus dem Landkreis Neustadt/WN. Die Berufsgenossenschaft schlägt Alarm.

Durch den Einsatz eines Harvesters lässt sich ein Großteil der Unfälle im Wald vermeiden. Von rechtss: Jörg von Krieglstein, Petra Hager, Michael Bock und Andreas Weiß.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Die tödlichen Unfälle sind nur die Spitze des Eisbergs", sagt Petra Hager von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). "Wenn im Wald etwas passiert, sind es meist schwere Verletzungen." Sie und ihr Kollege Jörg von Krieglstein werden nicht müde, immer wieder zu warnen. "Wenden Sie sich an die zuständigen Fachstellen", lautet ihr Ratschlag für alle Waldbesitzer. "Ein Waldbesitzer sollte seine Grenzen kennen."

Borkenkäfer, Trockenheit und Schneebruch setzten dem Wald in den vergangenen Jahren immer wieder zu. Für die Waldbesitzer bedeutet das mehr Arbeit, aber auch mehr Unfälle, denn viele unterschätzen die Gefahr. Um so tragischer ist die Zahl von 20 tödlich Verunglückten. Sie wurden vom fallenden Stamm oder großen Ästen getroffen, einer Wurzel erdrückt oder in unwegsamem Gelände vom Traktor überrollt. Viele Hobby-Waldbauern seien technisch zwar top ausgerüstet, aber sie hätten keine Ausbildung, beklagen die Fachleute von der SVLFG. "Ein zweitägiger Motorsägenkurs reicht einfach nicht", betont Krieglstein. Wer einen Wald geerbt hat und mit dem Gedanken spielt, Bäume zu fällen, kann Kurse an der Waldbauernschule in Kelheim belegen.

Die Berufsgenossenschaft wirbt mit unkonventionellen Methoden für mehr Umsicht bei der Waldarbeit. Sie verteilt nicht nur Broschüren, sondern auch Bierdeckel, auf denen auf die sichere Entfernung von mindestens zehn Metern bei einer seilwindenunterstützten Fällung hingewiesen wird. Auch auf Schafkopfkarten sind wertvolle Tipps zu finden. "Maschinelle Holzernte senkt mein Unfallrisiko und steigert den Gewinn", steht beispielsweise auf der Herz-As. Der Eichel-Ober verkündet: "Regelmäßige Durchforstung bringen Geld, Stabilität und Zuwachs."

Hager und Krieglstein legen den Waldbesitzern ans Herz, sich von Experten beraten zu lassen. Einer davon ist Michael Bock von der Forstbetriebsgemeisnchaft Neustadt/WN-Süd. Auch er plädiert dafür, nicht selbst Hand an zu legen, sondern professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Laut Statistik passieren Unfälle im Wald zu 99,8 Prozent bei der händischen Aufarbeitung mit der Motorsäge, die restlichen 0,2 Prozent beim Einsatz mit Maschinen. Deshalb raten Berufsgenossenschaft und Forstbetriebsgemeinschaft zum Einsatz eines Harvesters. Andreas Weiß aus Falkenberg zeigt in einem Waldstück bei Mantel, wie schnell und ohne Gefahr für Leib und Leben mit modernster Technik Bäume gefällt werden können.

Modernste Technik

Mit dem Greifarm seines Harvesters kann er den Baum fällen, greifen, Äste entfernen und auf die gewünschte Länge schneiden. Und das alles in kürzester Zeit. Bevor Weiß loslegt, gibt er sämtliche Daten mit Hilfe einer Tastatur in den Bordcomputer ein. In der Fahrerkabine gibt's sogar Wlan. Auf Wunsch kann er seinen Bericht sofort weiterleiten - etwa an die Forstbetriebsgemeinschaft oder an das Sägewerk.

Harvester der heutigen Generation unterscheiden sich deutlich von ihren Vorgängern. Sie haben acht breite Reifen, die den Druck gleichmäßig verteilen und den Boden nicht mehr so belasten wie früher der Kettenantrieb. Außerdem lässt sich die Arbeit schneller erledigen. "Mit der Motorsäge schafft man vielleicht fünf Bäume an einem Samstag", gibt Bock zu bedenken. "Bei 50 Bäumen ist man bis Weihnachten beschäftigt. Ein Harvester erledigt das in ein paar Stunden."

Die Forstexperten sind sich bewusst, dass manche Waldbesitzer zögern, eine Firma zu beauftragen, weil sie Geld sparen wollen. "Doch es geht schließlich um die Gesundheit und die Arbeitssicherheit", sagt Hager. Preise könnten bei der Forstlichen Vereinigung oder beim Privatwaldförster erfragt werden.

In Windeseile kann ein Harvester Bäume fällen und in wunschgerechte Stücke schneiden.
Hightech bei der Waldarbeiter: Moderne Harvester sind mit Bordcomputer und Wlan ausgestattet.
Info:

Wissenswertes über die Forstwirtschaft

Wer mehr über die Forstwirtschaft erfahren möchte, kann sich auf verschiedenen Portalen weiter informieren und Anregungen holen.

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.