25.03.2020 - 16:58 Uhr
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Darf ich in der Coronakrise mein Auto waschen? Antworten auf Leserfragen [Teil 8]

Wie kann man tschechischen Berufspendlern helfen? Sind Gemeinderatssitzungen noch erlaubt? Und – darüber gab es viele Diskussionen – darf man sein Auto noch waschen? Der nächste Teil der Antworten auf die Fragen unserer Leser.

Na sauber: Bis vor kurzem war die Autowäsche in Coronazeiten verboten. Seit Dienstag, 17 Uhr, ist sie in automatisierten Waschanlagen erlaubt. Das teilte die Polizei Oberpfalz am Mittwoch auf Nachfrage mit.
von Julian Trager Kontakt Profil

Die Fragen unserer Leser reißen nicht ab. Besonders oft wurde gefragt, ob das Autowaschen in einer Waschanlage verboten ist. Nun ja, so wirklich einig waren sich die Behörden in dem Fall offensichtlich nicht. Hier finden Sie die Antworten zu diesem und vielen anderen Themen rund um den Alltag mit Corona.

Ist Autowaschen verboten?

Nein, seit Dienstag 17 Uhr ist das wieder erlaubt. Wie die Oberpfälzer Polizei mitteilt, wurden automatisierte Waschanlagen in die Ausnahmen der Allgemeinverfügung aufgenommen. „Demnach ist das Waschen dort mit gestrigen Datum erlaubt.“ Cleanparks, bei denen man selbst zum Hochdruckreiniger greifen muss, sind dagegen weiter verboten. Das Waschen des eigenen Autos auf dem Privatgrundstück ist laut Polizei auch nicht erlaubt, da Chemikalien das Bodenwasser verunreinigen könnten.

Die Tücken der Ausgangsbeschränkung in Bayern während der Corona-Krise liegen manchmal im Detail: Beim Thema Autowaschen beispielsweise ist es entscheidend, ob man dies aus Privatvergnügen macht oder es eine berufliche Notwendigkeit ist. "Waschstraßen dürfen weiterhin als Dienstleistungsbetrieb geöffnet haben", erläuterte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag in München. Allerdings stelle es im Privatbereich keinen triftigen Grund dar, seine Wohnung zu verlassen. Wer also nur seine freie Zeit nutzt, um das eigene Auto zu säubern, verstößt gegen die seit dem Wochenende und bis 3. April gültige Ausgangsbeschränkung.

Anders sieht es aus, wenn man für den Job mit einem sauberen Auto unterwegs sein will oder muss: "Eine Inanspruchnahme solcher Dienstleistungsbetriebe ist im Rahmen der beruflichen Tätigkeit erlaubt", erklärte der Ministeriumssprecher weiter. "Insoweit ist im jeweiligen Einzelfall zu differenzieren."

Und davor?

Zuvor war auch das Autowaschen in automatisierten Waschanlagen nicht erlaubt, da es „keinen triftigen Grund darstellt“, wie die Polizei erklärt. Einem Amberger ist das am Montag zum Verhängnis geworden. Er bekam wegen Autowaschens eine Anzeige. Ob der Mann aber wirklich bestraft wird, ist noch nicht klar. Zwar sagt die Amberger Polizei: „Da zu dem Zeitpunkt ein Verbot bestand, wird auch eine Anzeige verfolgt.“ Aber: Die weiterverfolgende Behörde, in diesem Fall die Stadt Amberg, könne das Verfahren einstellen. Die Stadt Amberg kann dazu noch nichts sagen, heißt es aus der Pressestelle.

Anzeige wegen Autowaschens

Amberg

Sind Gemeinderatssitzungen noch erlaubt?

Ja. „Nach derzeitigem Stand fallen Gemeinderatssitzungen nicht unter den Begriff der (verbotenen) Versammlung oder Veranstaltung im Sinne der Allgemeinverfügung“, heißt es auf der Homepage vom bayerischen Gemeindetag. „Allerdings empfehlen wir vorerst, die Rats- und Ausschusssitzungen in den nächsten Wochen auf das absolut notwendige Mindestmaß zu reduzieren.“ Schutzmaßnahmen sollten geprüft werden – etwa lockere Bestuhlung und Sitzordnung, unter Umständen soll man auch auf andere Räumlichkeiten ausweichen. Der Gemeinderat in Friedenfels (Kreis Tirschenreuth) etwa tagte zuletzt in der Schulturnhalle.

Kann man sich mit der normalen Grippe und zusätzlich mit dem neuartigen Coronavirus infizieren?

Ja, Doppelinfektionen sind möglich, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage.

Kann sich daraus ein noch aggressiverer Virus entwickeln?

Nein. Es sind laut RKI unterschiedliche Viren. „Da vermischt sich nichts.“ Mutationen gebe es zwar immer, bei allen Viren. „Aber derzeit gibt es keine Hinweise, dass diese kleinen Mutationen die Eigenschaften verändern.“

Sind Fahrgemeinschaften in die Arbeit erlaubt?

Ja, aber … Für den Weg zur Arbeit gibt es keine ausdrücklichen Vorschriften, heißt es vom Innenministerium. Allerdings gelte auch hier, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. „Wer also alleine zur Arbeit kommen kann, sollte dies für die Zeit der Ausgangsbeschränkung auch tun.“

An wen wendet man sich, wenn man Verstöße bemerkt?

An die örtliche Polizeiinspektion. Oder – vor allem bei größeren Verstößen – über die Notrufnummer 110. Das ist beides möglich, erklärt die Oberpfälzer Polizei.

Darf ich Gräber pflegen?

Ja. Die Grabpflege ist nicht verboten. Die Staatsregierung bittet aber darum, soziale Kontakte, so weit es geht, zu vermeiden.

Darf ich zu meinen Bienen außerhalb der Stadt?

Ja. Das erklärt der Landesverband bayerischer Imker (LVBI) auf seiner Homepage. Handlungen zur Versorgung von Tieren sind triftige Gründe. Damit seien alle Tierhalter angesprochen, vom Goldfischzüchter bis zum Landwirt. Im Falle einer Kontrolle empfiehlt der LVBI, die landwirtschaftliche Betriebsnummer oder eine anderweitige Registriernummer, die der Amtsveterinär ausgestellt hat, mitzuführen.

Dürfen Hofläden noch öffnen?

Ja. Sie gehören zum Lebensmittelhandel. Trotzdem gilt auch hier: Abstand halten! Der Grillmeierhof in Konnersreuth (Kreis Tirschenreuth) etwa teilt auf seiner Facebook-Seite mit, dass man nach wie vor offen habe. „Wir haben auch noch genügend Kartoffeln und Gemüse vorrätig“, heißt es. Aber es gelten „die derzeit üblichen“ Beschränkungen: „Nur eine Familie oder maximal drei Einzelpersonen und Abstand halten.“ Bei schlechtem Wetter oder zum Wochenende werde man eventuell auf „Eintritts-Nummern“ umstellen, damit alles geordnet abläuft.

Haben Tierärzte noch offen?

Ja, das gilt auch nach den am Freitag verhängten Ausgangsbeschränkungen, weil sie als systemrelevant eingestuft sind. Alle Tierarztpraxen in den Landkreisen Neustadt, Schwandorf, Amberg, Amberg-Sulzbach und der Stadt Weiden sind weiterhin für die Vierbeiner da, erklärt Anja Wolfram von der Kleintierpraxis im Alten Forstamt in Pfreimd. Jedoch gelten auch hier besondere Verhaltensregeln. „Grundsätzlich sollte jeder Besuch beim Tierarzt vorab telefonisch angemeldet werden“, sagt Wolfram. Der Besuch sollte alleine mit dem Tier stattfinden – und nur wenn er nötig ist. „Für das Tier nicht gesundheitsrelevante Termine sind zu verschieben.“

Welche Geschäfte haben denn noch offen?

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Dürfen Betriebe ihre Mitarbeiter auf Montage schicken?

Ja. Betriebe dürfen ihre Arbeiter weiter auf Montage schicken, teilt die IHK Oberpfalz/Kelheim mit. Aber: „Sie sollten entsprechende Vorkehrungen treffen, um Gefahren für ihre Mitarbeiter und Kunden zu minimieren.“ Dazu zählen etwa die bekannten Abstandsregeln. Gesonderte Passierscheine oder Nachweise darüber, dass der Mitarbeiter gerade auf Montage ist, seien bei Kontrollen durch die Polizei nicht erforderlich, der Arbeitszweck müsse jedoch plausibel gemacht werden.

Gibt es ein Portal für Bürger, um Wohnraum für tschechische Berufspendler anzubieten?

Nein. Ein solches Portal ist nicht bekannt, erklären IHK, das Landratsamt Neustadt/WN und die Stadt Weiden. Die IHK Oberpfalz/Kelheim weist aber auf Ihre Expertenhotlines hin. Infos dazu unter www.ihk-regensburg.de/corona. Die Experten sind auch per E-Mail (corona[at]regensburg.ihk[dot]de) erreichbar.

Dürfen Privatpersonen überhaupt tschechische Pendler daheim aufnehmen?

Nur wenn man das anmeldet. „Privatpersonen, die jetzt auf die Idee kommen, ihre Räumlichkeiten zu vermieten, dürfen nicht vergessen, dass sie hierfür einen Beherbergungsbetrieb beim Gewerbeamt anmelden müssen, ansonsten ist das illegal“, teilt die IHK Oberpfalz/Kelheim mit. Darüber hinaus sollte man nicht gegen die Regeln der Ausgangsbeschränkung verstoßen.

Gibt es neue Informationen zu den Prüfungen in den Berufsschulen?

Nein. Wann die abgesagten Prüfungen nachgeholt werden können, ist derzeit noch offen, heißt es von der IHK Oberpfalz/Kelheim. Die Industrie- und Handelskammern stünden dazu mit den zuständigen Behörden im engen Austausch. Sie werden die neuen Termine bekannt geben, sobald sich die Risikoeinschätzung rund um das Coronavirus wieder verbessert hat, heißt es.

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