11.11.2019 - 18:09 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Benzin statt Diesel: Wer zahlt den Schaden?

Zwei Monate ist es her, dass eine Tankstelle in Schwandorf den Betrieb für einige Tage einstellen musste. Aus dem Benzin-Hahn kam Diesel und umgekehrt, so der Verdacht damals. Ob das so war und wo der Fehler lag, ist aber noch unklar.

Die freie Tankstelle an der Regensburger Straße in Schwandorf wurde vermutlich falsch beliefert. Deshalb wurde Benzin statt Diesel verkauft und umgekehrt. So lautete der ursprüngliche Verdacht, der seither noch nicht durch ein Gutachten bestätigt ist.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Auf dem Weg nach Hause von der Arbeit macht Kirsten Baldasty am 10. September Halt an der Tankstelle an der Regensburger Straße. Ein Tanklaster liefert gerade neuen Kraftstoff an. Dass in diesem Moment der Grundstein für viel Ärger gelegt wird, ahnt niemand. "Der Tanklaster belegte eine Spur. Wäre mein Tank nicht schon fast leer gewesen, wäre ich wieder gefahren", sagt die Schwandorferin rückblickend. Etwa zwei Stunden später fiel in der Tankstelle auf, dass etwas mit den Kraftstoffen nicht stimmte. Es wurde vermutet, das Benzin und Diesel beim Befüllen vertauscht worden waren. Der Betrieb wurde sofort eingestellt.

Aus dem Radio erfahren

Mit Hilfe der Überwachungskameras und der Polizei wurden die Kennzeichen derer ermittelt, die zwischen 16 und 18 Uhr getankt haben, und kontaktiert. Sie wurden dazu aufgerufen, ihr Fahrzeug nicht mehr zu bewegen. Für manche war es da schon zu spät: Mehrere Autos sind liegengeblieben. Erst am nächsten Tag erfuhr Baldasty zufällig über das Radio von dem Vorfall. Kontaktiert wurde sie nicht. Zu diesem Zeitpunkt war sie an ihrem Arbeitsplatz in Regensburg. Mehr als 42 Kilometer war sie mit ihrem Auto bereits gefahren. Umgehend rief sie bei der Tankstelle an. "Ich wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich mein Auto auf keinen Fall mehr bewegen darf", erzählt sie. Dass sie zu diesem Zeitpunkt viele Kilometer von zu Hause entfernt war, interessierte nach ihrer Aussage keinen. "Ich solle mich nicht so anstellen und einen Leihwagen nehmen", habe man ihr gesagt. Ihr Auto war zu diesem Zeitpunkt noch fast nagelneu, gerade einmal acht Monate alt. Über ihren Autohändler ließ sie es kostenlos abschleppen. "Ich bin Berufspendlerin und auf mein Auto angewiesen, so wie viele andere", betont sie. Auf eigene Kosten ließ sie den "falschen" Kraftstoff auspumpen und alle Rückstände entfernen. Die 850 Euro übernahm sie in der Gewissheit, dass ihr das Geld erstattet werden würde. Gegenüber Medienvertretern hieß es damals bereits kurze Zeit nach Bekanntwerden des Vorfalls, dass die Versicherung bereits zugesagt habe, für die entstandenen Kosten aufzukommen. Acht Wochen später ist der Fall nicht mehr so eindeutig, wie zunächst vermutet.

Anwältin: "Noch alles offen"

Andrea Sterl ist Rechtsanwältin in Schwandorf und vertritt mehrere Geschädigte dieses Vorfalls. "Entgegen der Berichte ist noch alles offen", sagt sie nun. Der Versicherer der Tankstelle habe auf ihre Kontaktversuche nicht reagiert. Ein neues Gutachten des Versicherers des Kraftstoff-Lieferanten will besagen, dass die Schuld nicht bei diesem liege. Weder die Versicherung der Tankstelle noch die des Zulieferers sieht sich also in der Bringschuld. Keiner will verantwortlich sein. Wenn sie nicht klagen, bleiben die Geschädigten auf den Kosten sitzen, so sieht die Lage im Moment für Sterl aus. "Bei vielen handelt es sich um etwa 1500 Euro Schaden", erklärt die Anwältin. Diese setzten sich beispielsweise aus Abschlepp-und Reparaturkosten und der Miete für einen Leihwagen zusammen. Auto-Werkstätten, die in Hoffnung auf eine schnelle Abwicklung die Reparaturkosten gestundet haben, würden auch nicht mehr ewig auf ihr Geld warten wollen.

Abgesehen vom finanziellen Schaden ist Kirsten Baldasty enttäuscht. "Ich habe nicht erwartet, dass mir jemand gleich am nächsten Tag das Geld gibt, aber eine aufrichtige Entschuldigung wäre das Mindeste gewesen", sagt sie. Die Tankstellenbetreiber wollten sich auf Nachfrage nicht zu dem "noch offenen Verfahren" äußern.

Die Meldung zum falschen Kraftstoff in der Zapfsäule

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Laboruntersuchungen des Kraftstoffs

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