28.01.2020 - 18:43 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bewährung nach Tankstellenraub

Der Räuber kann sein Glück kaum fassen. Er hat bewaffnet eine Tankstelle überfallen, Beute gemacht und die Behörden auf Trab gehalten. Jetzt kommt er mit Bewährung davon. Allerdings muss der junge Mann 200 Arbeitsstunden ableisten.

Das Gericht gab dem Tankstellenräuber eine Bewährungschance.
von Autor HOUProfil

Der Täter wartete 20 Minuten an einer Tankstelle in Neunburg vorm Wald. Dann vermummte er sein Gesicht mit einem Tuch, zog sich eine Kapuze über den Kopf und hielt der Kassiererin eine Pistole vor. Geld wollte er, legte eine orangefarbene Tasche auf den Tresen und ließ sich über 1100 Euro einpacken. Dann türmte der Unbekannte. Man schrieb den 19. August 2019. Es war kurz nach 11 Uhr.

Die Alarmfahndung der Polizei führte sehr rasch zu einem Erfolg. Noch am gleichen Tag nahm sie einen nicht weit vom Tatort entfernt wohnenden 20-Jährigen fest. Der leugnete zwar anfangs. Doch vieles sprach für seine Täterschaft. Zumal der junge Mann erst wenige Tage zuvor in einem Schwandorfer Elektromarkt ein teueres Handy gestohlen hatte und es Videoaufnahmen davon gab.

Nach dem Überfall in U-Haft genommen, legte der 20-Jährige im September ein Geständnis ab. Allerdings mit der Bemerkung, er wisse nicht, wo das geraubte Geld hingekommen sei. In seiner Wohnung lebten damals mehrere Personen. Angeblich hatten sie alle an jenem Augusttag nichts mehr zu essen.

Vor der Großen Jugendstrafkammer des Amberger Landgerichts unter Vorsitz von Harald Riedl wiederholte der inzwischen 21-Jährige sein Geständnis. Allerdings erneut mit dem Hinweis darauf, dass ihm unklar sei, was mit der in die Wohnung gebrachten Beute geschehen sei. Es stellte sich heraus, dass er unter Depressionen leidet und dass es sich bei der verwendeten Waffe um eine Softair-Pistole handelte. Eigentlich völlig harmlos. Doch wie hätte das die überfallene Kassiererin (27) wissen sollen? Die junge Frau ist noch immer in therapeutischer Behandlung.

"Das Opfer ging von einer echten Waffe aus", sagte Staatsanwältin Franziska Paintner in ihrem Schlussvortrag. Das Verbrechen an der Amberger Straße in Neunburg vorm Wald qualifizierte sie als "klassischen Überfall" und sprach von "planvollem Vorgehen". Dafür müsse der 21-Jährige drei Jahre ins Gefängnis.

Von Bewährung war bis dahin keine Rede. Verteidiger Mike Thümmler (Amberg) brachte sie ins Gespräch. Er nannte das Verbrechen einen "minderschweren Fall" und beschrieb die Lage des jungen Mannes: "Er wollte Geld auftreiben, um etwas Essbares zu kaufen". Zwei Jahre mit Bewährung, so Thümmler, seien dafür angebracht.

Dass es für schwere räuberische Erpressung eine Bewährungsstrafe gibt, ist ungewöhnlich. Doch dieser Umstand wurde zur Tatsache: Der Arbeitslose bekam zwei Jahre Haft mit Bewährung und er muss, wenn er jemals zu Geld kommt, die Beute zurückzahlen. Das erfreute den überführten Täter. Nun bekommt der Mann, geahndet nach Jugendstrafrecht, einen Bewährungshelfer und muss außerdem 200 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Verwandte hatten sich vorher schon von ihm verabschiedet. In der sicheren Gewissheit, ihn für längere Zeit nicht mehr zu sehen. Noch am Abend des Prozesstages hatten sie den Mann wieder bei sich - ein Anlass zur Freude für sie.

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