07.01.2020 - 15:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nager mit mächtigem Schutzschild

Nicht jeder angeknabberte Baum ist ein Schadensfall. Aber immerhin rund 20000 Euro sind 2018 in den Landkreis Schwandorf geflossen, um die von Bibern verursachten Schäden auszugleichen. Gefordert wird deutlich mehr.

Wenn sich der Biber wie hier an der Naab bei Perschen die Rinde rund um den Stamm einverleibt hat, kann der Baum nicht überleben. Wo er auf Wege zu kippen droht, muss er gefällt werden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Flur- und Fraßschäden, aufgebrochene Deiche und Bodeneinbrüche: So liest sich die Liste der Schäden, die der Biber verursacht. "Im Kalenderjahr 2018 wurden von uns Schäden in Höhe von 27 392,22 Euro anerkannt", informiert die Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Ausbezahlt wurden genau 19 519,70 Euro. Denn die vom Freistaats jährlich für solche Fälle bereitgestellten Mittel in Höhe von 450 000 Euro für ganz Bayern decken längst nicht alles ab, was der nach dem Bundesnaturschutzgesetz "streng und besonders" geschützte Nager so anstellt.

Immerhin bei 71,26 Prozent lag die Deckungsquote für die Schäden in 2018. Was 2019 abgefallen ist, soll bis Ende Januar zusammengestellt und an der Regierung der Oberpfalz vorgelegt werden. Dann wird die aktuelle "Ausgleichsquote" für diese freiwillige Leistung des Freistaats ermittelt.

Während Naturschützer stolz auf den "Baumeister" sind, stoßen seine Aktionen bei Betroffenen auf wenig Gegenliebe, insbesondere dann, wenn sie auch noch den Hochwasserschutz gefährden. Zu verhindern sind sie kaum, ein Abschuss ist nur ausnahmsweise und auch dann nur nach strengen Kriterien möglich. Wie streng, das musste erst vor wenigen Wochen der Landkreis Schwandorf nach einer Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs erfahren: Der hatte einen Bescheid des Landratsamts zum Biber-Entnahme am Eixendorfer Stausee vom Dezember 2015 moniert. Der Grund: Laut Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl waren die Formulierungen im Bescheid zu den Entnahmezeiträumen "nicht eindeutig genug".

Inzwischen optimiert

Betroffen von dieser Entscheidung war nicht nur Schwandorf, sondern auch der Landkreis Cham Der Bund Naturschutz hatte gegen die Bescheide geklagt, das Verwaltungsgericht Regensburg hatte den Behörden in erster Instanz aber Recht gegeben. Als die Entscheidung nun in zweiter Instanz moniert wurde, hatte Schwandorf längst nachgebessert und die Formulierungen in den derzeit geltenden Bescheiden von 2018 optimiert. "Sie beachten bereits das, wofür uns richterliche Hinweise gegeben wurden", heißt es im Amt, wo man unabhängig davon prüfen will, welche Konsequenzen aus dem Urteil und der Artenschutzrechtlichen Ausnahme-Verordnung zu ziehen sind.

Hundertprozentig sicher fühlen darf sich der Pflanzenfresser aber nicht. "Derzeit sind in dem Bereich um den Eixendorfer Stausee vier Jäger bestellt, die berechtigt sind, Biber zu entnehmen", informiert Pressesprecher Prechtl. Drei sind für das Gebiet im Landkreis Schwandorf zuständig, einer für Cham. Diese Möglichkeit zur Entnahme sei "die rechtliche Voraussetzung dafür, dass das Wasserwirtschaftsamt Weiden, das den See als Hochwasserschutzanlage für die Bereiche im Ablauf der Schwarzach betreibt, in die Lage versetzt wird, Biberburgen oder auch Nahrungsflöße aus dem See zu entnehmen." Das könne dann erforderlich werden, wenn beispielsweise die Biberbauten einen Umfang erreichen, der die technischen Einrichtungen für den Hochwasserschutz beeinträchtigen oder gar unwirksam machen.

Offiziell kein "Zugriff"

Ein "Zugriff" auf die Burg darf aber auf der Basis von Natur- und Tierschutz auch nur dann erfolgen, wenn die Tiere durch die Maßnahme nicht beeinträchtigt werden. Noch ist der umstrittene Baumeister, zu dessen Verbreitung es im Landkreis keine Zahlen gibt, glimpflich davon gekommen. "Bislang wurde im Landkreis Schwandorf noch kein Abschuss durchgeführt", meldet die Behörde. "Auch wurde nach unserer Kenntnis auf keine Biberburg zugegriffen."

Hintergund:

Biber- Management

Der Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt: Es ist verboten, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Ausnahmen sind möglich, wenn in bestimmten Arealen massive Schäden befürchtet werden. Ein Abschuss oder die Zerstörung von Biberburgen darf aber nur zu gesetzlich festgelegten Zeiten erfolgen. Wenn Biber an Gewässern aktiv werden, können die betroffenen Land-, Forst- und Teichwirte ihre Schäden beim Landratsamt melden. Zuständig für Biber sind in Bayern die unteren Naturschutzbehörden. Ehrenamtlich tätige Biberberater helfen Betroffenen bei der Bestimmung, Dokumentation und Übermittlung der Schadensdaten. Außerdem prüfen sie den Einsatz präventiver Maßnahmen wie beispielsweise den Schutz von Bäumen durch Drahthosen, Elektrozäune oder auch die Erfordernis einer Entnahme. Lassen sich Konfliktfälle nicht anders lösen, sieht das Artenschutzrecht in Ausnahmefällen, beispielsweise zur Verhinderung größerer Schäden oder aus Gründen der öffentlichen Sicherheit, Ausnahmen vor. Im Landkreis gibt es etwa zehn Biberberater. Eine Liste der für die Gemeinden zuständigen Personen findet man unter www.landkreis-schwandorf. de.

Hier hat der Biber ganze Arbeit geleistet und den Baum nicht nur angeknabbert, sondern meterweise Äste abgeschält.
Als fleißiger Baumeister macht sich der Biber vielerorts nicht gerade beliebt. Eine "Entnahme" ist zwar in Ausnahmefällen möglich, einfach ist das aber nicht.

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