10.10.2019 - 16:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Rauferei am Rosswurststand

Die einen kommen aus der Disko, die anderen von der Geburtstagsfeier. Am Kiosk des Pferdemetzgers treffen sie aufeinander. Dann setzt es Hiebe an einer Stelle, die vielen Schwandorfern als Verkaufsort rustikaler Spezialitäten bekannt ist.

Schlägerei am Rosswurststand in Schwandorf.
von Autor HOUProfil

Der Aufwand, betrieben in zwei Prozessen, glich fast dem eines Schwurgerichtsverfahrens. Im Dezember 2018 waren schon viele Zeugen aufmarschiert, jetzt - in der Neuauflage der damals abgebrochenen Verhandlung - erschienen noch mehr. Zu klären waren die Umstände einer Schlägerei, die auf den Tag genau zwei Jahre davor an der Nürnberger Straße in Schwandorf stattfand. An besagtem Ort steht samstags der Pferdemetzger und bietet Semmeln mit Knackern vom Ross an.

Am 30. September 2017 um 6.10 Uhr morgens trafen dort zwei Gruppen junger Männer aufeinander. Die einen kamen aus der Diskothek, die anderen von einer Geburtstagsfeier. Alle hatten getrunken und wollten sich vor dem Schlafengehen noch eine rustikale Spezialität gönnen.

Fausthieb ins Gesicht

Plötzlich wurde es aggressiv vor dem Verkaufswagen. Einem damals 23-Jährigen wurde grundlos ins Gesicht gespuckt, dann bekam er einen Fausthieb ins Gesicht, wehrte sich und lag am Boden. Anschließend sollen ihn drei Widersacher geschlagen und mit Füßen getreten haben. Dieses Trio, 24, 23 und 26 Jahre alt, saß nun vor der Amtsrichterin Franziska Bücherl und schwieg zunächst. Später machten zumindest zwei einige Angaben.

Es gab eine stundenlange Beweisaufnahme mit Leuten, die sich großteils an wenig bis nichts erinnern konnten. "Alles schon zwei Jahre her", argumentierten sie. Das Opfer der Attacke konnte den Hergang ebenfalls nur lückenhaft schildern. Am allerwenigsten konnte der Mann sagen, wer denn nun von den drei Verdächtigen auf ihn eintrat. Das verwunderte auch nicht weiter. Denn seine Angaben waren zumindest in diesem Punkt plausibel: "Ich musste mich schützen und habe nicht darauf geachtet, wer von den dreien zutrat."

Damit war die von der Staatsanwaltschaft angeklagte gefährliche Körperverletzung vom Tisch. Wie übrigens oft bei Auseinandersetzungen, deren Ablauf im Hinblick auf Fußtritte nicht dem jeweiligen Verursacher zugeordnet werden kann. Was blieb, war Zweierlei. Zum einen der dem Geschädigten versetzte Fausthieb, den der 24-jährige Angeklagte ausgeteilt hatte. Und dann das Anspucken des Opfers, für das der 26 Jahre alte Beschuldigte verantwortlich zeichnete. Das Verfahren gegen den dritten Mann auf der Anklagebank stellte die Richterin ein. Ihm konnte eine aktive Teilnahme an der Keilerei nicht nachgewiesen werden.

Zwei Monate Haft

Der Fausthieb wird teuer für den 24-Jährigen. Er muss wegen Körperverletzung 6300 Euro Geldstrafe zahlen. "Das hätte für viele Rosswurstsemmeln gereicht", hörte er nach Prozessende. Seinem Kumpel, dem 26-Jährigen, kostet das Anspucken des Opfers zwei Monate Freiheitsentzug. Aus anderen Verurteilungen standen noch zwei Bewährungen offen. "Da kann so eine Beleidigung nicht mit einer Geldstrafe abgehen", belehrte ihn die Richterin. Der Pferdewurstanbieter, ebenfalls als Zeuge gehört, konnte sich nur sehr oberflächlich an das Geschehen erinnern. Auch das war verständlich. Denn immerhin, so ließ der Mann anklingen, gebe es an guten Verkaufstagen "bis zu 500 Kunden". Womit zumindest für Schwandorf bestätigt war: Knacker vom Ross sind beliebt.

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