27.01.2020 - 16:15 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Rauschgift in der Mittelkonsole

Es gibt Vorkommnisse, die mit Strafbefehlen enden. Nun wird eine junge Frau erstmals persönlich vor die Justiz in Schwandorf zitiert und bekommt eine Haftstrafe. Man gibt ihr zwar Bewährung, verhängt aber tiefgreifende Auflagen.

Das Gericht verhängt eine Bewährungsstrafe gegen eine junge Drogenbesitzerin.
von Autor HWOProfil

Wer mit Rauschgift zu tun hat, läuft akute Gefahr, immer mal wieder durch die Polizei kontrolliert zu werden. Kurz nach 2 Uhr morgens am 28. Oktober letzten Jahres waren zwei Schwandorfer Polizisten auf Streifenfahrt und nahmen dabei einen Wagen unter die Lupe, der im Süden der Stadt vor einem Haus hielt. Die Uniformierten kontrollierten den Pkw und stießen auf zwei Insassen: Am Steuer saß ein 39-Jähriger, der sofort einer Fahrzeugüberprüfung zustimmte. Neben dem Mann befand sich eine 25-Jährige im Auto. Auch sie musste aussteigen. Dann filzten die beiden Beamten das Auto und stellten in einer Mittelkonsole Drogen sicher. Vor dem Schwandorfer Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger wurde nun aufgelistet, um was es sich handelte: Eine amphetaminhaltige Paste, mit flüssigem LSD getränkte Würfelzuckerstücke, zwei Ecstasytabletten und ein Gramm Crystal Meth.

Wem gehörte das Zeug? "Mir", sagte die junge Frau nun im Prozess. Allerdings mit Ausnahme des Crystal Meth, verpackt in ein Tütchen. Im Urteil sagte Richter Ebensperger später: "Ich bin überzeugt, dass es ebenfalls in Ihrem Besitz war." Zur Durchsuchung des Autos hatten sich die Polizisten nach deren Angaben nur deshalb entschlossen, weil "die Frau der Drogenszene zuzuordnen war."

Es gab vier Vorahndungen. Zwei davon wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die anderen beiden hatten etwas mit Betrug und mit dem Waffengesetz zu tun. Bisher waren ausnahmslos Geldstrafen per Strafbefehl verhängt worden. "Deswegen ist jetzt eine Haftstrafe unumgänglich", ließ Staatsanwältin Heitzer in ihrem Plädoyer anklingen.

Sie forderte sechs Monate Gefängnis mit Bewährung und stieß auf heftigen Widerspruch bei Verteidiger Andreas Wölfel. Eine hohe Geldstrafe sei ausreichend, unterstrich er. Richter Ebensperger stellte sich an die Seite der Anklagevertreterin. Er verhängte ein halbes Jahr Haft, gab Bewährung und setzte tiefgreifende Auflagen hinzu.

Die 25-Jährige bekommt einen Bewährungshelfer, sie muss sich ein Jahr lang regelmäßig auf Rauschgiftgenuss testen lassen und hat an vier Suchtberatungen der Caritas teilzunehmen. Außerdem sind 600 Euro Geldauflage zur Zahlung fällig.

Es gab in dieser Verhandlung noch eine zweite Anklageschrift. Sie hatte mit Rauschgift zwar nichts zu tun, war aber durchaus erwähnenswert. Die Schwandorferin hatte einer im südlichen Landkreis lebenden Bekannten 600 Euro geliehen. Als das Geld nicht zurückbezahlt wurde, schritt sie mutmaßlich zur Selbstjustiz. Die 25-Jährige fuhr in den südlichen Landkreis, sah das Auto der Schuldnerin vor einer Spielhalle und montierte beide Kennzeichen ab. Dann soll sie das Schiebedach des Wagens gewaltsam geöffnet und Vogelfedern durch die entstandene Öffnung ins Innere geschüttet haben. Als das die Spielhallenbesucherin entdeckte, ging sie zur Polizei.

"Das Dach stand offen", versicherte die 25-Jährige dem Richter. Da dies nicht eindeutig zu klären war, wurde das Verfahren eingestellt. Dies geschah mit richterlichem Blick auf die ohnehin wegen der ebenfalls zur Debatte stehenden Drogensache und der daraus resultierenden Ahndung.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.