16.01.2020 - 16:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Veterinäramt rüstet auf

"Das wäre übel." Als Veterinäramts-Leiter weiß Dr. Josef König genau, was bei einem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in der Region los sein würde. So rüstet man sich in der Behörde für den "Fall der Fälle". Und hofft das beste.

Das hochansteckende ASP-Virus ist für den Menschen ungefährlich, für Wild- und Hausschweine verläuft die Krankheit meist tödlich. Es gibt keinen Impfstoff und keine Behandlung gegen das Virus.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Mitte November 2019 ist in Westpolen ein weiterer Ausbruchsherd der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen festgestellt worden. Neben den bereits bekannten Seuchengebieten in Ungarn und Belgien existiert damit ein drittes Seuchengeschehen in engem räumlichem Bezug zu Bayern.

In dem betroffenen Gebiet in Westpolen wurden innerhalb kurzer Zeit an mehreren Orten Kadaver gefunden, in denen das Virus der ASP nachgewiesen wurde. Der nächstgelegene Fundort liegt nur noch 40 Kilometer von Deutschland entfernt. Im Grenzgebiet zu Polen besteht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts ein hohes Risiko, dass die Schweinepest durch wandernde Wildschweine auf Deutschland übergreift. Neben der bereits seit Jahren bestehenden Gefahr einer sprunghaften Seuchenverbreitung über weggeworfene, kontaminierte Speisereste aus betroffenen Gebieten, die Schweinefleisch enthalten (Salami, Schinken), besteht nun zusätzlich die Gefahr der direkten Seucheneinschleppung über infizierte Wildschweine.

Das hochansteckende ASP-Virus ist für den Menschen ungefährlich, für Wild- und Hausschweine verläuft die Krankheit meist tödlich. Es gibt keinen Impfstoff und keine Behandlung gegen das Virus. Die ASP kann nur durch Tötung und unschädliche Beseitigung infizierter Schweine bekämpft werden. Im Falle des Ausbruchs der Seuche in der Oberpfalz droht damit immenser wirtschaftlicher Schaden für die landwirtschaftlichen Betriebe.

„Wir müssen alles dafür tun, um einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in der Oberpfalz zu verhindern. Die Präventionsmaßnahmen in den Veterinärämtern und bei den Jagdbehörden in der Oberpfalz laufen auf Hochtouren, alle Vorbereitungen für einen möglichen Ernstfall wurden getroffen“, betont Regierungspräsident Axel Bartelt.

Dem stimmt der Leiter des Schwandorfer Veterinäramts, Dr. Josef König, zu. Auch seine Behörde stellt sich auf den Ernstfall ein, wie er informiert. So gibt es unter anderem Übungen mit der EDV, die beim Auftreten der Afrikanischen Schweinepest benutzt werden muss, aber auch die Aufstockung des nötigen Katastrophen-Materials erfolgt: „Dazu gehören Desinfektionsmittel, Schutzkleidung, Tonnen für die Entsorgung und mobile Wildkameras, die in möglichen Sperrgebieten installiert werden.“

Schon jetzt ist man aufseiten der Jäger und der Veterinäre sehr aufmerksam. „Jäger bringen regelmäßig Proben, melden tot aufgefundene Wildschweine und dezimieren schon jetzt die Zahl der Tiere deutlich.“ In einem Revier, so König, „sind doppelt so viele Wildschweine geschossen worden als sonst“. Er selbst bemüht sich um Aufklärung durch Vorträge bei den Jagdgenossen und den Hegeringen.

Um einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Bayern zu verhindern, erhöht die Staatsregierung die Abschussprämie für Wildschweine. Jäger können für ein erlegtes Tier in den nördlichen und östlichen grenznahen Landkreisen zu Thüringen, Sachsen und Tschechien 100 Euro statt bisher 20 Euro bekommen. Zudem sollen in den Regionen die Wildschweindichte und Tierbewegungen mit Hilfe von Drohnen erfasst werden. „Die gewonnenen Daten werden an die örtlichen Jäger weitergegeben, um die Bejagung gezielt auszubauen.“

Der Leiter des Veterinäramtes verweist auf eine erfolgreiche Seuchenbekämpfung, wie sie Tschechien vorgemacht hat. Seit dem 19. April 2018 sind in der Tschechischen Republik keine neuen Fälle der Afrikanischen Schweinepest aufgetreten. Damit gilt der Ausbruch der Seuche, der am 21. Juni 2017 begann, als beendet. Während der gesamten Ausbruchperiode wurde die ASP bei 230 Wildschweinen nachgewiesen. Alle Fälle befanden sich im ausgewiesenen, 89 Quadratkilometer großen Hochrisikogebiet. Die restlichen Landesteile Tschechiens blieben dagegen verschont von der Seuche.

In Tschechien konnte man den Ausbruch begrenzen und eindämmen.

Dr. Josef König, Leiter des Veterinäramtes Schwandorf

Dr. Josef König, Leiter des Veterinäramtes Schwandorf

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