14.05.2019 - 11:10 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Zwischen Illusionen und Alpträumen

Seit Sonntag werden im Foyer des Klosters Speinshart künstlerische Arbeiten der vergessen geglaubten Diplomatentochter Christa von der Schulenburg präsentiert. Die familiären Wurzeln der Künstlerin reichen bis in den Altlandkreis Kemnath.

Gemeinsam stellen Christiane von Sobbe (rechts), eine Großcousine der Künstlerin, und Nicole Richwald (links) von der Baensch-Galerie Bayreuth die Arbeiten von Christa von der Schulenburg vor.
von Robert DotzauerProfil
"Europa" nannte die Künstlerin dieses Ölbild.
Begleitet wird die Ausstellung von Kinderzeichnungen zum Thema "Samariter".

Im Mittelpunkt der Ausstellung über die Werke von Christa von der Schulenburg im westlichen Kreuzgang der Klosteranlage steht die bildende Darstellung religiöser Motive. Die Bilder stellte Christiane von Sobbe, eine Großcousine Christa von der Schulenburgs, zur Verfügung. Organisiert wurde die Vernissage in Anwesenheit von Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte, und vieler Gäste von der Baensch-Galerie Bayreuth.

Die Ausstellung zeigt in ausdrucksvollen Zeichnungen sowie in Arbeiten in Öl und Aquarellen das umfangreiche Schaffen der Künstlerin. Die künstlerischen Werke sind Zeugen dieses Entwicklungsprozesses. Sie reichen – inspiriert von Chagall und Dali – von Malereien und Zirkus-Illusionen bis in die tiefen Abgründe und Albträume der Diplomatentochter. In ihren Werken zeigt sich die Begabung, mit der Feder das Leben frisch und beschwingt einzufangen und instinktsicher auf Leinwand zu verewigen. Bei der Themenauswahl in Speinshart beeindruckt die Inszenierung des Glaubens und dessen Vermittlung an die einfache Bevölkerung, da ein Teil der Menschen während des künstlerischen Schaffens von Christa von der Schulenburg weder lesen noch schreiben konnte. In diesem Sinne stellt sich die bildliche Glaubensgeschichte in Speinshart dar.

Bereits seit ihrer Jugend hatte Christa von der Schulenburg die außerordentliche Begabung, Eindrücke in sich aufzunehmen und sie dann in Zeichnungen und Bildern wiederzugeben. Nach dem Kunststudium in Berlin gewann sie Erfahrung als Pressezeichnerin und wandte sich schließlich der Mode und dem Theater als Hauptthemen zu. Zur erfülltesten Zeit gehörten die Jahre, welche die Künstlerin in ihrer Familie verbrachte. 1906 in Prag geboren reiste sie viel mit ihrem Vater, dem Diplomaten Friedrich Werner Graf von der Schulenburg durch Europa. Besonders die Jahre in Russland, als der Vater Deutscher Botschafter in Moskau war, spiegeln sich in ihren Zeichnungen wieder. Als Diplomatentochter schuf sie Portraits von Stalin, Molotow und Haile Selassie. Auch ihre eindrucksvollen Kohle- und Federzeichnungen über Menschen aus Georgien und Persien imponieren. Nach der Heirat mit Max Wolf Freiherr von Lindenfels lebte sie ab 1941 als Baronin in Wolframshof bei Kastl. Am 17. November 1993 verstarb die Künstlerin in Kemnath.

Begleitet wird die Ausstellung von der Kinder-Galerie Bayreuth mit Arbeiten zum Motiv des „Samariters“ aus der Bayreuther Grundschule St. Johannis. Die Zeichnungen werden in einer Spendenaktion für die gemeinnützige Organisation „Save the Children“, die sich um Kinder in Kriegs- und Krisengebieten kümmert, versteigert.

Info:

Zugänglich sind die Arbeiten der Botschaftertochter Christa von der Schulenburg und der Kinder-Galerie bis 30. Juni an allen Sonn- und Feiertagen zwischen 13.30 und 17 Uhr im westlichen Kreuzgang. Außerhalb dieser Zeiten ist eine Besichtigung auch auf Anfrage (09645/601 93 601) möglich. Im Zusammenhang mit der Ausstellung steht auch ein Vortrag über die Künstlerin am Sonntag, 26. Mai, um 11 Uhr, ebenfalls im westlichen Kreuzgang des Klosters.

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