21.10.2019 - 16:48 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Tante Emma 2.0: "Weltfairbesserer" eröffnen Unverpackt-Laden in Sulzbach-Rosenberg

Ende Oktober schließt der einzige Unverpackt-Laden in Amberg seine Pforten. Woanders im Landkreis Amberg-Sulzbach eröffnet dafür ein Geschäft, das sich ebenfalls dem Unverpackt-Konzept verschrieben hat.

Ladenbesitzer Robert Adunka beim Abfüllen aus den "Bulk Bins" in seinem Unverpackt-Laden.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Zehn bis 20 Jahre dauert es bis eine Einkaufstüte aus Plastik im Meer zersetzt ist. Unglaubliche 450 Jahre benötigt eine herkömmliche PET-Flasche. Oft scheitern guter Wille und Theorie bei der Plastikvermeidung an der Praxis. Demnächst wird plastikfrei Leben im Landkreis einfacher: In Sulzbach-Rosenberg eröffnet am Montag, 11. November, der einzige Unverpackt-Laden im Landkreis. Eine erste Testphase hat aber schon begonnen.

Das Ende: Unverpackt-Laden in Amberg schließt

Amberg

Als am Montag eine Lieferung um drei Uhr morgens kommt, übernachtet Ladenbesitzer Robert Adunka auch mal in seinem Geschäft in der Neutorgasse 12 in Sulzbach-Rosenberg. "Wir beziehen so viel wie möglich regional", erklärt seine Frau Doris. Seit April arbeitet das Paar an der Renovierung und Gestaltung der Ladenräume, in denen es alles für den täglichen Bedarf ohne unnötige Verpackung geben soll. Trockene Waren wie Müsli, Getreide, Nudeln oder Reis gibt es in sogenannten "Bulk Bins".

Selbst mitbringen oder vor Ort kaufen: Die Wahl der Behälter, in die die Waren abgefüllt werden, ist dem Kunden überlassen.

Das sind Schütten, die an der Wand befestigt sind und aus denen die benötigte Menge abgefüllt werden kann. Dazu kann ein selbst mitgebrachtes Gefäß verwendet werden. Wer nichts dabei hat, findet Behälter zum Kaufen. Anschließend wird der volle Behälter an der Kasse gewogen und verrechnet. Auch Gewürze, Tee, Trockenfrüchte und Nüsse kann man individuell dosieren. "Der Zero-Waste-Gedanke steht für mich im Vordergrund, für meine Frau war auch die Regionalität der Produkte sehr wichtig", sagt Robert Adunka.

Reis aus Schäflohe & Co.

Durch den regionalen Bezug sparen die Ladenbesitzer lange Transportwege. So finden sich unter anderem Reis aus Schäflohe, Zahnputzseife aus Fensterbach oder Eier aus Büchlberg im Regal. Marmelade stellt Doris Adunka sogar selbst aus eigenen Früchten her. "Es entwickelt sich zu einem großen Hofladen, bei dem wir viele regionale Produkte an einem Ort versammeln", stellt sie fest.

Eine Kollegin probiert's aus

Weiden in der Oberpfalz

"Wir sind ein bisschen der Tante Emma Laden 2.0", sagt ihr Mann. Die Idee zum Unverpackt-Laden entstand bereits viel früher und mit einer wichtigen Intention: "Ich will meinen Kindern später nicht sagen: 'Wir haben den ganzen Scheiß gewusst und nichts unternommen'." Der Laden soll einen Beitrag zum Schutz der Umwelt für nachfolgende Generationen leisten und zeigen, dass es auch ohne unnötiges Plastik geht. Der Name sei dabei Programm: "Weltfairbesserer".

Auch Kosmetikartikel gibt es plastikfrei. Zum Beispiel in Form von festen Shampoos und Zahnputztabletten.

Daneben finden sich auch nachhaltige Kosmetikartikel und Reinigungsmittel zum Abfüllen in den Regalen. Viele Produkte haben die Adunkas selbst getestet und geben ihre Erfahrungen gerne an die Kunden weiter. Nicht immer ist es schließlich einfach auf Plastik zu verzichten. Der Laden soll mit einem kleinen Café auch eine soziale Komponente haben, erklärt Doris Adunka: "Die Leute sollen herkommen, um sich zu unterhalten. Das Füreinander-da-sein kommt in unserer Welt viel zu kurz. Da möchten wir gegensteuern."

Stück für Stück weg vom Plastik

Amberg

Nicht alles gibt es unverpackt

Einige Produkte müssen sie dennoch beim Großhändler zukaufen. Und manchmal geht es einfach nicht ganz unverpackt: "Wir wollten einen Gastro-Kanister Tomatenmark zum selbst Abfüllen. Dann erfuhren wir, dass der sich geöffnet nur drei Tage hält. Das geht für uns natürlich nicht." Auch bei ihren Lieferanten achten die Adunkas auf plastikfreie und nachhaltige Verpackungen. Für Essig und Öl gibt es Pfandeimer. "Schokolade ärgert mich, die ist einzeln in Plastik verpackt. Aber da haben wir noch keine andere Alternative gefunden", erklärt Robert Adunka. Auch müssten einige Waren zum Schutz vor Motten oder zur Transportsicherung in Plastik verpackt sein: "Wir machen sicher nicht alles richtig. Aber es ist wichtig, immer nach besseren Alternativen zu suchen und dran zu bleiben."

Der Anfang des Amberger Unverpackt-Ladens: ein wahrer Facebook-Hype

Amberg

Schon jetzt geöffnet

Um sich für die offizielle Eröffnung am Montag, 11. November, bestmöglich zu wappnen, hat der Laden schon jetzt über die Mittagsstunden geöffnet. "Die Resonanz ist durchweg positiv", freut sich der Ladenbetreiber. Der Gewinn steht für die Adunkas nicht im Vordergrund. Den Laden betreibt Robert Adunka neben seinem normalen Job, in dem er momentan weniger arbeitet. Sollte Gewinn erwirtschaftet werden, sollen mindestens zehn Prozent für einen guten Zweck gespendet werden. Der Laden ist also viel mehr ein aktiver Beitrag zur Klimadiskussion.

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Kommentare

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Franz Zintl

Bei "Tante Emma 2.0: "Weltfairbesserer" eröffnen Unverpackt-Laden in Sulzbach-Rosenberg", habe ich mich sehr gewundert, dass Reis aus Schäflohe kommt.
Sumpfgebiete bei Schäflohe sind mir nicht bekannt und Reisanbau in Deutschland, da wird gelegentlich experimentiert.
Wenn man auf die Seiten des Reisanbieters nach Schäflohe geht, stellt man schnell fest, dass der "sogenannte Reis" aus Getreide hergestellt wird, ähnlich wie Gries.

Und jetzt wird es gefährlich !
Es gibt etliche Leute, die kein Gluten vertragen, ein ernstes Problem für die Betroffenen. Sie sind auf Reis, Mais, Hirse u. ä. angewiesen. Wenn dann Getreideprodukte als "Reis" angeboten werden - und nicht nachgefragt wird - dass kann üble Folgen haben !

22.10.2019