14.02.2020 - 14:21 Uhr
Tauchersdorf bei NabburgOberpfalz

Hofladen in der Blockhütte bei Nabburg: Selbstbedienung auf Vertrauensbasis

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Urig sollte er sein und neugierig machen: So haben sich Bianca und Philipp Wiederspick einen Hofladen vorgestellt, der ganz ohne Personal auskommt. Bei der Kasse vertrauen sie den Kunden.

Für zehn Eier den ganzen Tag die Stellung halten? Philipp und Bianca Wiederspick mit Tochter Heidi hatten da eine bessere Idee.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Klein ist sie, die Blockhütte mitten im Nabburger Ortsteil Tauchersdorf, und doch nicht zu übersehen. An Neujahr ist Philipp Wiederspick pünktlich um 8 Uhr aus dem Bett geschlüpft, um sie zum ersten Mal aufzusperren und den Mini-Hofladen für Selbstbedienung zu öffnen. Seither haben sich nicht wenige Kunden bei Gemüse, Honig Eier bedient - und brav die auf einer Tafel angeschriebene Summe für ihre Ware bezahlt.

"An Neujahr ist noch kein Kunde gekommen, aber wir waren selbst erstaunt, als am zweiten Tag schon einiges weggegangen ist", berichten Bianca und Philipp Wiederspick, die sich damit eine kleine Einkommensquelle für ihren Bauernhof in Tauchersdorf erschließen wollen. Der besteht aus rund zehn Hektar, 11 Rindern, 20 Kamerunschafen, 2 Eseln, 45 Hühnern, Wachteln, Hasen sowie 3 Katzen und Labrador-Mischling "Baro". Der Ort hat gerade mal zehn Häuser, aber es kommen doch einige Autos auf der Verbindungsstraße von Neusath nach Oberaich vorbei. Statt auf Personal haben die beiden mit ihrem Direktvermarktungs-Modell auf die Ehrlichkeit der Kunden gesetzt In der Schweiz gibt es so etwas öfter", erzählt der 31-Jährige dessen Schwester dort heimisch war.

Gut temperiert

Während es in Selbstbedienung am Bauernhof meist nur Eier und Kartoffeln gibt, fällt das Sortiment bei Familie Wiederspick schon etwas üppiger aus, auch wenn gerade Winter ist. Dank eines Frostwächters lagert die empfindliche Ware gut temperiert hinter einer schweren Tür in selbst gezimmerten Regalen und schräg an den dicken Balken angebrachten Holzkisten. Im Sommer kommt ein Kühlschrank in die Hütte.

An diesem Tag gibt es neben Kartoffeln auch noch Blau- und Weißkraut, Lauch, Rosenkohl und Zwiebel an frischem Gemüse. Auf einem kleinen Schränkchen stehen die Eier, daneben ein Glas mit Honig-Lutschern. In der Ecke lockt ein ganzes Regal mit Honiggläsern aus der hauseigenen Produktion, darunter stehen Kästen mit Bio-Limonade. Biancas Mutter Renate Wilhelm, die leidenschaftlich gern näht, hat bedruckte Leinenkissen, Kindersachen und dekorative Stofftaschen beigesteuert. "Die nehmen wir mit rein", dachte sich die Tochter.

Das Bezahl-System ist ganz einfach: Direkt neben der Tür steht die schlichte rote Kasse aus Metall, die auch Wechselgeld bereit hält. "Vielleicht schaffen wir ja später noch eine Kasse mit Bon an, dann haben wir mehr Überblick", überlegt die Ladenbesitzerin, der es bei dem Projekt auch wichtig war, Plastik zu sparen. Für alle Fälle liegen Eier-Kartons bereit, im Idealfall bringen Kunden zum Einkauf schon welche von daheim mit. Noch ist das Sortiment ausbaufähig. "Wir müssen noch abklären, ob wir hier auch eingeschweißte Fleisch- und Wurstware verkaufen können", meint ihr Mann mit Blick auf die elf Bio-Rinder vom Typ Rotes Höhenvieh, die in der Umgebung weiden.

Mit zugekauftem Bio-Gries und dank der 45 Hühner hat der Bio-Hof über ein Unternehmen in Zangenstein Nudeln herstellen lassen. Bald sollen auch noch Honig-Bonbons und Seife aus Honig die Regale füllen, außerdem Apfel- und Quittensaft. "Je nach Ernte", schränkt der Nebenerwerbslandwirt ein, der als Heizungsbauer arbeitet und über einen Kollegen auf die Idee mit der Blockhütte kam. Der Freund hatte da in Lampenricht (Gemeinde Gleiritsch) einen Kurs belegt und bot sich als kompetenter Helfer an.

Schwarze Schafe

"Ursprünglich hatten wir einen Hofladen im alten Kuhstall geplant, aber der ist noch Baustelle", gesteht der Direktvermarkter. "Aber eine Blockhütte, das wäre doch eine Werbefläche, ein Blickfang", dachte sich der 31-Jährige und besorgte frisches Holz aus dem eigenen Wald. Freunde und Nachbarn halfen mit beim Bau. Bis die maßgeschneiderten Balken sich allerdings perfekt einfügten, musste so manches schwere Teil mit Hilfe des Bulldogs mehrmals eingepasst werden. Eine Baugenehmigung war dafür nicht erforderlich, eine Meldung ans Landratsamt genügte. Für den Inhalt gab es nach einer Ortsbesichtigung auch bald grünes Licht vom Gesundheitsamt. Am liebsten würde Bianca Wiederspick nun auch noch selbst gebackenen Kuchen anbieten, doch das bleibt aus lebensmittelrechtlichen Gründen vorerst ein Traum.

Ganz blauäugig sind die beiden Tauchersdorfer nicht an den Verkauf auf Vertrauensbasis herangegangen. Sie haben sich zuvor bei Pionieren erkundigt, ob denn die Rechnung auch aufgeht. "Ein paar schwarze Schafe wird es schon geben, dafür legen andere mehr Geld hin, als sie müssten", so die Bilanz der Kollegen. Und falls das System nicht funktioniert hat Bianca Wiederspick noch einen Plan B: "Wenn es nicht läuft, dann machen wir ein Gartenhaus daraus - oder eine russische Sauna."

So viel Eier, Gemüse und Honig wie der Hof produziert braucht die vierköpfige Familie Wiederspick nicht. Der Rest landet in der Blockhütte und liegt zur Selbstbedienung aus.
Einladend präsentiert sich die neue Direktvermarktungsidee, die allerdings ehrliche Kunden voraussetzt.
Honig, und Bio-Produkte wie Limonade, Nudeln, sowie Eier und Saison-Gemüse aus eigener Produktion hat der Mini-Hofladen mit Selbstbedienung in Tauchersdorf zu bieten.

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Auch Kissen, Taschen und weitere selbst genähte Artikel finden sich im Tauchersdorfer Selbstbedienungsladen.
Das neue Logo soll bald auch auf den Produkten prangen.
Das Bezahlen ist Vertrauenssache. Bis jetzt haben die Anbieter noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Besonders begehrt sind frische Eier. Neben den Honig-Lutschern (im Hintergrund) soll es bald auch Honig-Bonbons geben.
Philipp und Bianca Wiederspick, hier mit Tochter Heidi, setzen auf Selbstbedienung und nehmen dabei schwarze Schafe in Kauf.
Was die Saison an Gemüse zu bieten hat, kommt als Bio-Ware in die Kisten: Momentan gibt es Weiß- und Blaukraut, Lauch, Kartoffel, Zwiebel und Rosenkohl. Ein Frostwächter passt auf, damit nichts einfriert, im Sommer kommt ein Kühlschrank in die Blockhütte.
Im Blickpunkt:

Selbstbedienung

Der Hofladen von Familie Wiederspick im Nabburger Ortsteil Tauchersdorf ist täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Das frische Bio-Gemüse stammt überwiegend aus eigenem Anbau, das Angebot ist abhängig von der Saison.

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