09.12.2019 - 15:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Heißer Sound im kalten Land der Schneekönigin

Die Europassion 2020 wirft positive Schatten voraus. Das hörten die Theaterbesucher am Samstagabend im Kettelerhaus ganz deutlich. Kürzlich wurde die neue Soundanlage installiert, die glasklare Töne an jeden Platz im Saal transportiert.

Helena Schneider als Schneekönigin, Johannes Nepomuk als Kay, Sarah Est als Gerda und Thorin Kuhn als Rentier (von links) verstanden im Kettelerhaus zu begeistern.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Für ein Familienstück begann "die Schneekönigin" mit dem Agon-Theater München um 19.30 Uhr schon fast ein wenig spät. Denn die Aufführung dauerte inklusive Pause gute zwei Stunden. Aber ein tosender Schlussapplaus, garniert mit lauten Bravo-Rufen und Pfiffen der Begeisterung zeigten, dass auch die überwiegend Erwachsenen voll auf ihre Kosten gekommen waren. Das lag in der Hauptsache an den tollen Leistungen der acht Schauspieler und der drei Musiker. Denn die Figuren im Stück nach Hans Christian Andersen in der Bearbeitung von Franziska Steiof (Buch) und Thomas Zaufke (Musik und Songs) sieht ja nicht nur menschliche Wesen vor. Viel schwieriger war es da schon, wenn drei Schauspieler einen Rosenstrauß verkörpern müssen oder einer glaubwürdig ein Rentier mimt. Besonderes Lob verdiente dabei Jessica Dauser, die als Rabe mimisch und gestikulierend das Wesen der schwarzen Krähenvögel perfekt herausarbeitete.

Blitzschnelles Umschalten

Auch Thorin Kuhn, der als Teufel, Prinz und Rentier gleich drei Rollen spielte, verdiente besonderes Lob ob seiner Überzeugungskraft bei allen drei Figuren. Solide Leistungen lieferten auch Helena Schneider als Schneeköniging, Sarah Est als Gerda, Annette Lubosch als Großmutter, Räubermutter und kleine Finnin und Johannes Nepomuk als Kay und als Räuber.

Bilder vom Stück "Schneekönigin":

Für die Akteure war sicher das blitzschnelle Schlüpfen in eine andere Rolle die größte Herausforderung. Das Umschalten von einer Minute zur anderen meisterten sie problemlos. Das muss umso mehr Beachtung finden, weil die Schauspieler auch nicht durch ein üppiges Bühnenbild unterstützt wurden. Ein großes weißes Leinenlaken diente als Hintergrund, nahm die Bildsilhouetten und Lasereffekte auf, die den Zuschauer schnell in die kalte nordische Landschaft mit leuchtenden neongrünen Nordlichtern transportierten. Das zentrale Element, genau in der Bühnenmitte platziert, war eine große Metallkonstruktion, gestaltet als hohle Halbkugel, die je nachdem, ob sie gerade das Kleid der Schneekönigin oder deren Schloss sein sollte, mit verschiedenen Materialien abgedeckt wurde. Geradezu genial gestalteten sich die Bühnenumbauten, die die Schauspieler selbst erledigten. Während dieser Zeit stand die Halbkugel im kalten cyan-, magenta- oder lilafarbenen, gleißendem Scheinwerferlicht und die Bühnenarbeiter davor im Dunkeln. Auf diese Weise entstanden perfekte Scherenschnittbilder, die durch diesen Kunstgriff meisterlicher Hand die Handlung beim Umbau weiterführten.

Den Rest an Effekten lieferten zahlreiche Theaterscheinwerfer mit denen das Kettelerhaus üppig ausgestattet ist und die professionelle Hand von Lothar Graßl, der Technik und Licht am Mischpult, steuerte. Präzise setzten auch Adrian Ingerl, Christian Bihlmeier und Christian Auer die Töne an Keyboard, Geige und Gitarre an. Aus der 70 000 Euro teuren neuen Anlage ein absoluter Hörgenuss. Stimmlich zeigten auch die Akteure auf der Bühne hervorragende Leistungen.

Textsicheres Publikum

"Hau drauf und weg", "Hoch weit im Norden" oder "Höllenspaß aus Spiegelglas", sangen viele Zuschauer, zumindest im Refrain, textsicher mit. Das Agon-Theater glänzte neben "Krabat" und "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zum dritten Mal mit einem Familienstück im Kettelerhaus.

Zum Inhalt:

Zwei verzauberte Spiegelscherben treffen Kay ins Herz und ins Auge.Fortan will er nichts mehr mit seiner Freundin Gerda zu tun haben. Er verbittert, wird böse und lebt jetzt im Schloss der grausamen und eiskalten Schneekönigin. Gerda tut alles, um ihren Geliebten zu retten.

Eine spannende Reise beginnt, bei der Gerda allerhand illustre Begegnungen hat und neue Freunde findet. Dazu gehören der treue Rabe, der alle Worte mit "F" mit "Pf" beginnt, das sprechende Rentier und die weise kleine Finnin.

Natürlich wird am Ende alles gut in dieser bezaubernden Liebesgeschichte "für Kinder von 6 bis mindestens 106 Jahren", wie das Agon-Theater schreibt.

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