09.12.2019 - 14:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Status "Denkmal" allein reicht nicht

Der Umbau der alten Polizeiinspektion kommt langsam auf die Zielgerade. Nicht alle sind mit der Gestaltung und den baulichen Maßnahmen glücklich.

Beim Umbau der alten Polizeiinspektion ist gerade die Gestaltung des kleinen Platzes zur Hochwartstraße hin nicht jedermanns Sache. Franz Krapf spricht sogar vom „Oberpfälzer Stonehenge“.
von Externer BeitragProfil

Der Umbau der alten Polizeiinspektion kommt langsam auf die Zielgerade. Nicht alle sind mit der Gestaltung und den baulichen Maßnahmen glücklich.

"Der sorgsame Umgang mit historischer Bausubstanz sollte für uns ebenso eine Leitlinie sein, wie die intelligente Entwicklung von Denkmalen zum Beispiel für neue und originelle Nutzungsideen. Die anfängliche Freude über die Sanierung und notwendige Nutzung des alten Polizeigebäudes (vorher Gefängnis, Fronfeste oder neues Schloss) schlug in Entsetzen um, als nach und nach klar wurde, welchen Stellenwert hier der Denkmalschutz noch hat. Beim Dachtragwerk und der Eindeckung kamen die denkmalpflegerischen Gesichtspunkte zwar zum Zuge, aber bei der Fassadengestaltung wurden diese schon spärlicher. Um drei gleiche Fensterformen zu erreichen wurde ein Innenzackenbogen aus der ersten Bauphase (zweite Hälfte 16. Jahrhundert) auf übelste Weise mitten durchgeschnitten. Im Kontext dazu steht das "Turmfragment". Hier wurde eine Erklärung großspurig angemahnt. Aber ohne eine gründliche Untersuchung der Innenseite des Innenzackenbogens konnten keine stichhaltigen Ergebnisse präsentiert werden. Solche Untersuchungen waren weder möglich noch wurden sie gewollt. Und nun zum Alter des Gebäudes. Da wird so aus der Hüfte heraus 14. und 15. Jahrhundert in den Raum geworfen. Wir wären aber damit in der Gotik, wie der Chor und der Turm der Stadtpfarrkirche. Aber selbst für einen Laien ist es möglich, sich der Sache stilmäßig zu nähern, wenn wir die Türlaibungen in der großen Halle und die großen Torbögen in Halle 3 betrachten. Man erkennt sofort, das ist Renaissance (wie die Fassade vom Rathaus). Diese Tür- und Torgewände wurden alle bei Errichtung der Keller bauseits ausgeführt. Das heißt, diese Bauteile wurden nicht nachträglich eingebaut. Außerdem hat Dr. Hensch eine Radiokarbon-C4-Untersuchung (Altersbestimmung) von einem Mörtel-Stroh Einschluss in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: zweite Hälfte 16. Jahrhundert!

Wenn man dazu noch die Chronisten bemüht, kommen wir unweigerlich zum ersten Administrator von Waldsassen, Johannes von Weeze. Dieser war Fürstbischof von Konstanz, Berater von Kaiser Karl V. und der bedeutendste Diplomat seiner Zeit. Dieser Johannes von Weeze ließ im Jahre 1548 "übern Graben" das "neue Schloss" errichten. Leider verstarb er im gleichen Jahr auf dem Reichstag in Augsburg. Ihm folgte sein Neffe als 2. Administrator, Heinrich Rudolf von Weeze. Dieser führte sein Werk weiter bis er im Jahre 1560 resigniert aufgab. Zu diesem Zeitpunkt begann auch die erste Säkularisation des Klosters Waldsassen.

Aber das alles interessiert ja nicht. Der Architekt errichtete sich sein eigenes Denkmal, ein "Oberpfälzer Stonhenge" an der Hochwartstraße, und entgegen den Ratschlägen der Denkmalschützer wird auch noch eine zusätzliche Mauer an der Regensburger Straße errichtet. Die übermäßige Verwendung von Klinkern verhindert den historischen Gesamteindruck.

Dazu kommt noch der "Stadtbalkon" mit einer Vollbrüstung. Toll, man sieht von der Regensburger Straße aus nur den ersten Stock und das Dach! Geklotzt wurde auch mit dem Treppen-Rampen-Labyrinth. Hier ist eine Klinkerschlucht entstanden als Zugang für Halle 3, oder ist es doch die Einfahrt in eine Tiefgarage? Kreativ waren auch die Planer in der großen Halle. Hier wurde dann noch eine Treppe ohne jegliche Funktion kurzerhand zum ursprünglichen Baubestand erklärt. Diese Treppe wurde erst im 19. Jahrhundert im Rahmen einer Umnutzung eingebaut. Wieder einmal zeigt es sich, dass allein der Status "Denkmal" nicht unbedingt reicht, um uneingeschränkt zu bewahren, was unser kulturelles Erbe ist."Franz Krapf, Historischer Arbeitskreis Tirschenreuth___Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.

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