24.01.2020 - 10:02 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Chrissy in Ecuador"

Die 20-jährige Vohenstraußerin Christina Schmid absolviert ein Jahr Freiwilligendienst in einem Kindergarten in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Ihre Erfahrungen sind nachzulesen - im Interview mit den Oberpfalz-Medien und in ihrem Blog.

von Christine Walbert Kontakt Profil

Sie ist eine junge Weltenbummlerin: Mit 15 Jahren verbringt sie zehn Monate in San Diego. Nach dem Abitur an der FOS in Weiden zieht es sie für ein Jahr nach Ecuador. Danach würde Christina Schmid gern in Schottland Politikwissenschaft studieren.

ONETZ: Wie hast du dich eingelebt in Quito und was ist deine Aufgabe vor Ort?

Christina Schmid: Meine Aufgabe ist seit August das Helfen beim Leiten einer Gruppe der Zweijährigen im Kindergarten. Dieser Kindergarten ist von der Fundacion Sembrar Esperanza (Hoffnung säen) im Norden Quitos, dem Stadtteil Pomasqui, lokalisiert. Ich wohne mit einer anderen Freiwilligen in der WG der Organisation. Meine Aufgaben sind hierbei vielfältig, ich spiele viel mit den Kindern, betreue sie bei Aufgaben oder füttere sie. Im Endeffekt bin ich den ganzen Tag dabei und unterstütze dort, wo ich gerade gebraucht werde.
Das Einleben fiel mir doch relativ schwer. Die Umstellung von Schule auf Arbeit, dazu noch Spanisch lernen und das ganzjährig warme Klima haben mich so ermüdet, dass ich in meiner Freizeit häufig bloß noch schlief. Ab Anfang Dezember fiel mir alles deutlich einfacher, und so habe ich das Gefühl immer mehr anzukommen und mich so auch in Quito bewegen zu können, ohne mich selbst ständig als "Fremdkörper" zu sehen.

ONETZ: Wie war dein erster Eindruck von der Stadt?

Christina Schmid: Der war nicht sonderlich positiv, da Quito so überfüllt ist und zudem noch sehr langgezogen. Vom Norden in den Süden braucht man mit dem Bus mehr als drei Stunden. Außerdem darf ich hier nicht Auto fahren, und da Busse nur zeitlich eingeschränkt fahren, bedeutete dies auch eine große Einschränkung der Mobilität. Nach fünf Monaten findet man sich aber damit zurecht. Mittlerweile empfinde ich es nicht mehr als allzu schlimm, sondern habe andere Wege gefunden, mich mit Freunden zu treffen oder Sport zu machen. Deshalb muss ich im Moment sagen, dass Quito schon seinen Charme hat, mit dem Centro Histórico im Süden, dem modernen Stadtzentrum mit riesigen Park um Sport zu machen oder dem etwas außerhalb gelegen Pomasqui, wo das Straßenbild noch von kleinen Geschäften aller Art definiert wird.

ONETZ: Die Lage in Ecuador war im Oktober besonders prekär. In mehreren Städten gab es Proteste gegen die Regierung von Präsident Lenin Moreno. Hast du von den Unruhen hautnah etwas mitgekriegt?

Christina Schmid: Ja, aber nicht allzu viel. Wir waren fast nur in unserem Haus, was nicht an einer Hauptstraße liegt. Da dort die meisten Proteste und Straßenblockaden waren, haben wir es nur am vorletzten Tag mitgekriegt, als sich die Stimmung immer weiter zuspitzte und Videos von Morden an Protestierenden im Internet auftauchten. Im Allgemeinen waren die Gewalt und der Hass, der auf allen Seiten herrschte, sehr erschreckend. Es gab auf der einen Seite die indigene Bevölkerung, deren Lebensgrundlage als Landwirte durch die erhöhten Spritpreise zunichte gemacht wurde, dann die Polizei, die mit Panzern, Pferdestaffeln, Wasserwerfern und Unmengen an Pfefferspray auf die Protestierenden losging. Dann gab es auch noch die Busfahrer, die ja zu Beginn protestierten, sich aber nach den Erhöhungen der Ticketpreise zurückzogen. Eine besondere Form des Protests ist das Cacerolazo, bei dem man mit sämtlichen Haushaltsgegenständen auf die Straße geht und dabei im Takt so laut wie möglich daraufschlägt. An zwei Abenden war es wirklich unbeschreiblich laut in Quito.

ONETZ: Wie würdest du die Ecuadorianer beschreiben?

Christina Schmid: Durch die große Schere zwischen Ober- und Unterschicht gibt es vor allem hier Unterschiede in der Gesellschaft. So ist die Bevölkerung der Oberschicht oft sehr westlich orientiert, gebildet und profitiert von dem wirtschaftlichen Aufschwung Ecuadors. Auf der anderen Seite ist die Unterschicht, in der schon Kinder im Alter von zehn Jahren auf der Straße als Verkäufer arbeiten. Außerdem ist noch sehr viel "machismo" vorhanden. Dies bedeutet mehr oder weniger der Sexismus, der in der Gesellschaft noch verankert ist. Aber auch hier verändert sich viel durch die neue, junge Generation. Generell ist die Kultur aber hier viel lebhafter. Es läuft überall Musik auf den Straßen, und die Menschen sind offener. Außerdem sind die Leute sehr höflich. Man gibt sich sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied ein Küsschen auf die Wange.

ONETZ: Was treibst du in deiner Freizeit?

Christina Schmid: Zu Beginn habe ich viel geschlafen, da einfach alles so überfordernd war. Mittlerweile spiele ich öfters Fußball, fahre in einen Park in der Nähe oder koche mit Freunden. Natürlich gehe ich am Wochenende auch Mal feiern oder gehe in ein Museum in der Stadt.

ONETZ: Wie lange bist du noch in Quito?

Christina Schmid: Ich bleibe noch bis Ende Juli. Im Moment versuche ich, etwas mehr Abwechslung in meine Arbeit zu bringen und im Garten oder beim Recycling in der Fundacion zu helfen. Außerdem will ich die Seminare der Freiwilligenorganisation mitgestalten, weil ich bereits in Deutschland viel Spaß daran hatte und durch mein Ehrenamt bei meiner Austauschorganisation in den USA Erfahrung habe. Dass dies möglich ist und ich auch weiter in Ecuador Erfahrungen sammeln kann, aber auch meine Talente vielseitig einbringen kann, brauche ich Unterstützung, da ein Einsatz als Freiwillige leider nicht ohne Geld geht.

Info:

Blog und Spendenkonto

In ihrem Blog "Chrissy in Ecuador" berichtet die Vohenstraußerin Christina Schmid über Land, Leute und ihre Erfahrungen, die sie während ihres Auslandsjahrs in Ecuador sammelt: https://chrissyinecuador.blogspot.com

Wer die junge Frau bei ihrem Projekt unterstützen will, kann auf folgendes Spendenkonto überweisen: ICJA Freiwilligenaustausch, Spende 32-1143, DE07 3506 0190 1011 8120 20 GENODED1DKD, KD-Bank Dortmund.

Info:

ICJA Freiwilligenaustausch

ICJA (Internationaler Christlicher Jugendaustausch) ist als gemeinnütziger Verein Mitglied des ICYE, des International Cultural Youth Exchange. Gemäß des Leitbilds legt der Verein besonderen Wert auf gelebte Solidarität und praktische Friedensarbeit. Es handelt sich um ein Bildungsprogramm, in dessen Zentrum der Kontakt, die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen und mit Freiwilligen aus den Ländern des Nordens und des Südens steht.

Weitere Infos unter: www.icja.de

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