16.12.2019 - 09:53 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Warnung vor Blindflug hinter dem Lenkrad

Wer hat es nicht schon einmal getan: Der Griff zum Handy während der Autofahrt. Kurz mal eine Textnachricht checken oder schnell eine Zeile tippen – doch das kann ganz schön gefährlich werden. Das wissen nun auch die Schüler im Landkreis.

Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum T1 stellt mithilfe einer Greenbox das Motiv des Flyers der Aktion nach. Als Requisiten dienen Augenbinde, Smartphone und ein Lenkrad.
von Susanne Forster Kontakt Profil

"Die Aktion darf keine Eintagsfliege sein", so Landrat Wolfgang Lippert über das landkreisweite Projekt "Houst a Hirn, lousd as Handy lieng". Der Vorsitzende des Kreisjugendrings Tirschenreuth, Jürgen Preisinger, lud am Donnerstag den Polizeipräsidenten der Oberpfalz, Norbert Zink, und die Kooperationspartner des Projekts zur Verkehrssicherheits-Prävention. Unter den Teilnehmern waren neben dem Kreisjugendring Tirschenreuth, die Verkehrswachten Tirschenreuth und Kemnath und die Polizeiinspektionen Tirschenreuth, Kemnath und Waldsassen. Sie trafen sich in der Mädchenrealschule der Zisterzienserinnen, um über den Aktionstag, der am Donnerstag in den Schulen des Landkreises stattfand, zu informieren.

Unterricht mal anders

Der Anlass: Die Lehrer sprachen mit ihren Schülern im Unterricht über Ablenkung im Straßenverkehr. Dazu konnten sie Informationen und Videos des Projekts "Houst a Hirn, lousd as Handy lieng" nutzen. Die Aktion gibt es seit 2017. Zehn Minuten bis zu einer ganzen Unterrichtsstunde nahmen sich die Pädagogen Zeit, etwa um einen Film über einen Unfall, verursacht durch Handynutzung während dem Autofahren, zu zeigen. Auch über Unfallzahlen und die Höhe von Geldbußen bei der Nutzung eines Mobiltelefons hinter dem Steuer klärten sie auf. Jeder Schüler bekam außerdem einen Flyer an die Hand. Darin sind der "Bußgeldkatalog Handy am Steuer" und ein Auszug aus der Straßenverkehrsordnung zum Umgang mit elektronischen Geräten beim Führen eines Fahrzeugs abgedruckt. Die Aktion in den Schulen diente dazu, die Jugendlichen gezielt auf Gefahren durch Ablenkungen im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. "Schüler sollen als Multiplikatoren wirken", so Preisinger.

Als Beifahrer von Eltern, Großeltern, Freunden oder Bekannten sollen sie auf Fehlverhalten hinweisen, sobald diese die Hände nicht nur am Lenkrad, sondern auch am Mobiltelefon haben. Lippert verglich die Kampagne mit "Fridays for Future" - es solle immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden. Bei dem Schulstreik für den Klimaschutz seien Jugendliche ebenfalls als Multiplikatoren zu sehen, die ihre Eltern und Bekannten auf das Thema aufmerksam machen. "Es ist ein toller Ansatz und ich finde es super, dass ihr alle mitmacht", lobte er. Lippert erhoffe sich durch die Aktion auch mehr Sicherheit auf den Straßen des Landkreises.

Oberpfälzisch versteht nicht jeder

"Das Handy ist Teufelszeug", stellte Polizeipräsident Zink einen Vergleich an. Der Schwabe aus Augsburg hat zwar so seine Schwierigkeiten mit der Aussprache des Slogans "Houst a Hirn, lousd as Handy lieng" - die Mundart ist auch der Grund, weshalb die Aktion nicht bayernweit verbreitet wurde, so Preisinger - dennoch zeigte er sich sehr begeistert von dem Projekt. In seinen 40 Dienstjahren habe er eine solche Aktion noch nicht erlebt, lobte er. Warnte aber auch: "Schreiben oder telefonieren während dem Fahren ist Ablenkung und ein ganz großes Risiko."

Großen Gefallen fand er auch am Titelbild des Flyers. Dort ist ein junger Mann hinter dem Steuer abgebildet - mit einer Augenbinde. "Im Blindflug unterwegs" leitete er die Botschaft daraus ab. Und tatsächlich verrät das Info-Blatt: "Eine Sekunde Ablenkung genügt, um bei 50 Stundenkilometern 14 Meter im Blindflug unterwegs zu sein. Bei einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern beträgt die ,blinde Strecke' bereits 22 Meter."

Katrin Schuller (links) und Marika Eckstein vor dem "Houst a Hirn, lousd as Handy lieng"-Motiv, das auch auf dem Flyer abgedruckt ist. Es verdeutlicht auf überspitzte Art den Blindflug, wenn beim Autofahren das Mobiltelefon in der Hand ist.

Grüne Box als Fotokulisse

Kerstin Reiter, Schulleiterin der Mädchenrealschule, findet es eine "klasse Idee, die Schüler mit ins Boot zu holen". Bürgermeister Bernd Sommer griff die Multiplikatoren-Thematik auf. "Meine Kinder erziehen mich auch", gab er im Hinblick auf den Umgang mit seinem Smartphone zu.

Die Schülerinnen der Realschule, die beim Termin dabei waren, hatten im Anschluss an die Veranstaltung jede Menge Spaß mit Philipp Reich, dem Leiter des Jugendmedienzentrums T1. Er hatte eine Greenbox dabei und stellte mit den Jugendlichen das Motiv vom Flyer nach - im Blindflug hinter dem Steuer.

"Houst a Hirn, lousd as Handy lieng", heißt es auf dem Banner. Unser Bild zeigt Kreisjugendring-Vorsitzenden Jürgen Preisinger (links), Landrat Wolfgang Lippert (Vierter von links), Polizeipräsident Norbert Zink (Fünfter von links), Bürgermeister Bernd Sommer (Zweiter von links), Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum T1 (Dritter von links), Mädchenrealschulleitern Kerstin Reiter (rechts), Beamten der Polizeiinspektionen Tirschenreuth, Waldsassen und Kemnath, Vertreter der Verkehrswachten Tirschenreuth und Kemnath und Schülerinnen der Klasse 8b der Mädchenrealschule.
Die Schülerinnen sind gerne bereit, in der Greenbox mit Augenbinde, Lenkrad und Mobiltelefon zu posieren. Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum T1 (rechts) knipst.

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