20.01.2020 - 14:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

50 Flüchtlingskinder für Weiden: Zeitler widerspricht Seggewiß

Soll Weiden Flüchtlingskinder aus Griechenland aufnehmen? Wenn es nach Oberbürgermeister Kurt Seggewiß geht, dann ja. CSU-Oberbürgermeisterkandidat Benjamin Zeitler hält dagegen. Alleingänge auf eigene Faust hält er für verfehlt.

CSU-Oberbürgermeisterkandidat Benjamin Zeitler (links) zu Besuch beim Weidener Arbeitskreis Asyl. Zeitler setzt auf die staatliche Verteilung Asylsuchender.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß’ Vorstoß, die Stadt Weiden könne um die 50 Kinder aufnehmen, die unbegleitet in einem Flüchtlingslager in Griechenland festsitzen, hält der CSU-Oberbürgermeisterkandidat Benjamin Zeitler wenig. Bei einer Besichtigung der Räume des gemeinnützigen Arbeitskreises (AK) Asyl in der Asylstraße sagt er, dass es nicht sinnvoll sei, wenn einzelne Gemeinden bei Migrationsfragen auf eigene Faust handeln wollten. Er betont: „Selbstverständlich müssen wir Menschen, die unsere Hilfe brauchen, freundschaftlich aufnehmen.“ Allerdings sollte das innerhalb des Rahmens der vom deutschen und bayerischen Staat regulierten Verteilung von Asylsuchenden stattfinden. „Dafür ist das Innenministerium zuständig. Die zunächst zentrale Aufnahme und dann dezentrale Verteilung hat sich bewährt“, erklärt Zeitler. Damit meint er, dass Asylsuchende in Bayern zunächst in zentralen Anker-Zentren (Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung) untergebracht werden, bevor sie auf einzelne Städte und Kommunen, also dezentral nach einem Verteilungsschlüssel aufgeteilt werden. Was die Bereitschaft einzelner Städte angeht, Asylsuchende etwa im Rahmen der Aktion „Sichere Häfen“, an der sich deutschlandweit mehr als 120 Kommunen beteiligen, aufnehmen zu wollen, sagt Zeitler: „Ich möchte es ganz vorsichtig formulieren, aber an der Grundproblematik ändert das nichts.“ Er fordert, dass alle Beteiligten – in der EU wie in Deutschland – ihrer Pflicht nachkommen, sich als Teil einer „Solidaritätsgemeinschaft“ an der Aufnahme schutzsuchender Menschen zu beteiligen. „Dass sich Weiden durch Offenheit und Toleranz auszeichnet, hat es aber schon oft genug bewiesen“, fügt der Oberbürgermeisterkandidat hinzu.

Seggewiß: Weiden soll 50 Flüchtlingskinder aufnehmen

Weiden in der Oberpfalz

Bei der „Weihnachtsfeier für allein Lebende“ in Weiden hatte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß an Heiligabend dafür plädiert, dass Deutschland 400 bis 500 der unbegleiteten Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern aufnehmen solle. Dementsprechend sei auch Weiden bereit, 50 von ihnen in der Oberpfalz ein neues Zuhause zu geben. Das passt mit einer Forderung des "Runden Tischs für neues Engagement" zusammen. Die Mitglieder sehen den Stadtrat in der Pflicht, sich dafür einzusetzen, dass die Stadt unbegleitete Kinder aus griechischen Flüchtlingscamps aufnimmt. In einem Schreiben ruft der Runde Tisch Stadträte auf "Signale aus(zu)senden und die nötigen politischen und verwaltungstechnischen Schritte ein(zu)leiten".

Runder Tisch für soziales Engagement fordert: Ihr Kinderlein kommet aus Griechenland

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Wie steht es um die Zukunft des AK-Asyl?

Der AK-Asyl ist derzeit an vier Orten in der Stadt untergebracht. Den Großteil der Kinder und Jugendlichen betreuen die Mitarbeiter in der Asylstraße und in der Wirtschaftsschule. Der erste Ort ist Anlaufstelle für Grund- und Mittelschulkinder, am zweiten bekommen Schüler, die auf weiterführende Schulen gehen, Hilfe. Zudem treffen sich regelmäßig zwei Gruppen im Pfarrheim von St. Josef und in der Hans-und-Sophie-Scholl Realschule.

Rund 250 Kinder und Jugendliche besuchen laut AK-Asyl-Gründer Jost Hess die Hausaufgabenhilfe regelmäßig. Wie lange er und seine Frau Ursula die Organisation noch ehrenamtlich leiten können, kann er nicht sagen. "Das steht in den Sternen", sagt Hess. Fest steht aber: Eines Tages muss es eine Nachfolge geben. "Natürlich müssen wir uns da Gedanken machen", sagt Hess. Gleichzeitig stellt er die Frage: "Wer soll das machen?" Die Aufgaben, die er und seine Frau übernehmen würden, entsprächen schließlich der Ganztagsbeschäftigung zweier Personen. Sollte der Verein eines Tages von Hauptberuflichen koordiniert werden, braucht es laut Hess dringend zusätzliches Geld. Denn das letzte, was Hess möchte, ist, dass die Zahl der Mitarbeiter, die sich jeden Tag um die Kinder kümmern, wegen neuer Geschäftsführergehälter reduziert werden. Woher aber das zusätzlich benötigte Geld in Zukunft kommen soll, ist noch nicht klar. Hess betont aber: "Das sind Kinder, die unsere Hilfe brauchen."

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