09.10.2019 - 12:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Denkmalpreis für Weidener Gebäude mit Geschichte

Seit 2013 ist das Windischeschenbacher Ehepaar Heinrich Popp und Annette Dietl Besitzer eines Bürgerhauses in der Unteren Bachgasse 7 in Weiden. Das Gebäude befand sich damals in keinem sehr guten Zustand. Nun hat sich das geändert.

von Helmut KunzProfil

Vier Jahre lang wurde das Anwesen mit bemerkenswertem Fingerspitzengefühl und enormer Eigenleistung in insgesamt 5800 Stunden saniert. Mit sehr gut durchdachten und kreativen Lösungen sowie pfiffigen Raumaufteilungen gelang es den beiden, dass jedes der sechs Appartements den Ansprüchen an eine moderne und zeitgemäße Nutzung gerecht wird.

Bevor die Besitzer am Abend im Haus der Evangelischen Gemeinde vom Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler mit dem Denkmalpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet wurden, öffneten sie ihre Immobilie eine Stunde lang der Öffentlichkeit. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges, giebelständiges Wohnhaus, das im Kern aus dem Jahr 1536 stammt.

„Seit 2017 haben wir die Appartements nach und nach vermietet.“ Inzwischen sind alle Wohnungen weg. Was die einzelnen Einheiten auszeichnet? „Ihre Individualität. Jede ist anders.“ Die Substanz des Hauses mache dies möglich. Es wäre einfacher gewesen, das komplette Rückgebäude aus dem Jahr 1908 abzureißen und neu zu erstellen. „Das gab es von Seiten des Denkmalamts keine Auflagen.“ Aber das wollte Popp nicht.

Zusammen mit dem Neustädter Architekten Ulrich Greiner machte er sich Gedanken, wie man den Rückbau erhalten könne. Greiner: „Jedes Denkmal hat seine Zeit. Und da gehört auch das Rückgebäude dazu.“ Der Teil aus dem Mittelalter sei noch vor dem großen Stadtbrand erbaut worden, berichtete Popp. Auch sein Haus sei damals teilweise abgerannt. „In den Decken haben wir verkohlte Balken gefunden.“

Die Zusammenarbeit mit Denkmalbehörde und Stadt Weiden habe hervorragend geklappt, fuhr Popp fort. „Wir haben in dem Gebäude einen KFW-55-Standard erreicht. Von der Dämmung und der Heizung her, sind wir auf dem neuesten Stand. Wir haben eine kontrollierte Wohnraumlüftung und eine Hybridheizung, die mit Luftwärmepumpe arbeitet.“

Massivholzdielen und die neuen, mehrfach verglasten Kreuzsprossenfenster seien mit dem Denkmalamt abgesprochen. Drei der komplett möblierten Wohnungen seien 60 Quadratmeter groß. Die weiteren 45, 35 und 22 Quadratmeter. Die älteste Mieterin ist 74, die jüngste 22 Jahre alt.

Architekt Greiner begrüßte die Zusammenarbeit mit den Behörden. „Wir hatten schon immer wieder mal Rückmeldungen, aber es war perfekt, angenehm und spannend.“ Immerhin bestehe der Altbau aus einer 60 Zentimeter dicken Bruchsteinmauer. Die Ziegelmauer im Rückgebäude sei im unteren Bereich 40 Zentimeter stark.

Wie Löffler später in seiner Laudatio erklärte, weise das Gebäude eine interessante Geschichte auf. Hier residierte bis 1939 der bedeutende Weidener Viehhändler Leopold Engelmann, der während der Arisierung gezwungen wurde, das Haus weit unter Preis zu verkaufen. Ihm sei gerade noch die Ausreise in Richtung Kenia gelungen. In der Nachkriegszeit habe die Familie Scharnagl im Vorderhaus ein Malergeschäft betrieben.

Löffler: „Die Untere Bachgasse 7 in Weiden ist zu guter Letzt ein wunderbarer Beleg dafür, was man mit hohem Engagement und denkmalpflegerischer Begeisterung aus einem Objekt machen kann, das für viele wohl nur noch ein Fall für eine Generalentkernung gewesen wäre.“

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