27.01.2020 - 17:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gedenktafel für NS-Opfer im Neuen Rathaus Weiden

Jedem, der seit Montag nah an der Tür des großen Sitzungssaals im Neuen Rathaus vorbeikommt, geht ein Licht auf. Eine Gedenktafel schaltet ihre Beleuchtung ein. Auf ihr stehen 91 Namen - 91 Weidener Schicksale.

Vor dem großen Sitzungssaal im Neuen Rathaus enthüllt OB Kurt Seggewiß am Montag eine Gedenktafel zu Ehren der Weidener NS-Opfer.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Warum die Tafel an dieser Stelle hängt und warum sie am Montag enthüllt wurde, hat seinen Grund: Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz will die Stadt zeigen, dass sie ihre einstigen Mitbürger, die das NS-Regime auf dem Gewissen hat, nicht vergisst.

Auf der Tafel sind Frauen und Männer von A wie Franziska Albrecht bis Z wie Brigitte Zinnbauer aufgelistet. Daneben stehen Geburtsjahr, Sterbeort und Todesdatum. Gerade die Ortsnamen lösen heute noch Grauen aus: Majdanek, Treblinka. Weniger bekannt ist Hardtheim bei Linz, wo systematisch Behinderte getötet wurden, oder die Anstalt Karthaus-Prüll, die in Regensburg Teil der NS-Euthanasiestrategie war.

"Es ist unser tiefstes Anliegen, diese Opfer des Unrechtsregimes angemessen zu würdigen", betont Oberbürgermeister Kurt Seggewiß beim Gedenkakt im Sitzungssaal. "Nie wieder" zitiert er Bundespräsident Steinmeier aus seiner jüngsten Rede in Yad Vashem.

Unter den Zuhörern sind neben Stadträten und zahlreichen Schulleitern auch Vertreter der Familien Mörtl, Turbanisch und Friedmann, deren Vorfahren von den Nazis erbittert verfolgt wurden. "Es waren Familien, die oft seit Generationen hier zu Hause waren", erklärte Seggewiß. Einigen gelang die Flucht ins Ausland. 55 Juden sowie politische Gegner, sogenannte Zigeuner oder "Erbgutgeschädigte" wurden ermordet.

Wer nah genug am Sitzungssaal vorbeigeht, löst ab sofort einen Bewegungsmelder aus. Der lässt drei Minuten lang hinter einer Glastaffel das Licht angehen und beleuchtet somit die ganz dunkle Seite der Stadtgeschichte. In diesem Zusammenhang dankten Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und der OB der Firma Regler und der Agentur a-ha, die diesen Auftrag sensibel und kreativ umgesetzt haben.

Meriten verdienten sich aber auch Vorsatz und ihr Kollege Dr. Sebastian Schott, die für die Namensliste intensiv recherchiert haben. Sie erstellten zusätzlich eine interessante Dokumentation zum Thema Nationalsozialismus in Weiden. Die mit Text und Bild stimmig aufgemachten Mappen können Schulklassen kostenlos beziehen.

Im Stadtarchiv läuft bereits das nächste Erinnerungsprojekt. Die Mitarbeiter lassen alte Filmaufnahmen aus den unseligen Jahren 1933-45 nach und nach aufbereiten.

Die Begleitausstellung zur Gedenktafel

Weiden in der Oberpfalz

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