16.01.2020 - 15:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Naabwiesen: Bauen im einstigen Sumpfgelände

Es brummt, und der Bordstein vibriert entlang der Dr.-Pfleger-Straße. Nach und nach gleiten bis zu 14 Meter lange Stahlteile in den Boden auf dem Gelände der "Neuen Naabwiesen". Diese braucht, wer im ehemaligen Sumpf baut.

Gerüttelt, nicht gerammt: Mit Schwingungen treibt eine Unwucht die Spundwände in den Boden. Die bis zu 14 Meter langen Stahlteile sichern die künftige Baugrube des Quartiers "Neue Naabwiesen" ab und sollen Grundwasser zurückhalten.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Mit den ersten versenkten Teilen der riesigen Spundwand hat der Verbau der Baugrube für das Großprojekt "Neue Naabwiesen" begonnen. Seit dieser Woche treibt das Flosser Spezialunternehmen Gollwitzer ein Stahlprofil neben dem anderen in den Untergrund. Die bis zu 14 Meter langen und 1,20 Meter breiten Platten werden dabei eingerüttelt, nicht gerammt, wie Bauleiter Michael Schmidt betont. Rammen funktioniere mit Schlägen; bei Gollwitzers Technik kommt eine Unwucht zum Einsatz, die die fingerdicken Spundwandteile in Vibrationen versetzt.

Video zu den Rüttelarbeiten

Die Methode lässt sich dabei dem Untergrund anpassen. "Das ist ein variables Moment", sagt Schmidt. Dabei könne der Bediener dosieren, mit welcher Kraft die Teile in den Boden getrieben werden: im Idealfall so wenig wie möglich, um Material und Umgebung zu schonen. "Das meiste macht der Geräteführer nach Gehör und Gefühl." Zur Sicherheit dienen Erschütterungsmessungen, zum Auftakt etwa im nur knapp drei Meter entfernten Gebäude der Oberpfalz-Medien. "Die Ergebnisse sind weit unter dem Grenzwert", sagt der Diplomingenieur. Sollte der Untergrund stellenweise zu hart werden, käme ein gewaltiger Erdbohrer zum Einsatz, der bereits fertig montiert auf der Baustelle steht.

Pionier in den Naabwiesen

Wozu der Aufwand? Die künftige Spundwand soll die Seiten der Baugrube für das Quartier "Neue Naabwiesen" absichern und verhindern, dass Wasser aus dem Erdreich eindringt. Das Areal südlich der Innenstadt ist einstiges Sumpfland. Seit Urzeiten schwemmte die Waldnaab hier Sedimente an, und noch im 20. Jahrhundert blieben die feuchten Naabwiesen weitgehend unbebaut. Die Druckerei und das Verlagshaus der heutigen Oberpfalz-Medien waren in den 1970er Jahren Pioniere als Neubauten am Rand des "Hertie"-Großparkplatzes. "Das war damals noch schwieriger, weil die Technik noch nicht so weit war", sagt Architekt und Diplomingenieur Thomas Lang vom Weidener Büro Rauh + Müller anerkennend.

Startschuss zum Quartier "Neue Naabwiesen"

Weiden in der Oberpfalz

Nun soll zunächst eine Tiefgarage mit 229 Stellplätzen unter die Erde. Dafür müssen auf dem gut 9000 Quadratmeter großen Baufeld bis zu 36.000 Kubikmeter Erdaushub weichen. Die riesige, etwa 4 Meter tiefe Grube muss dazu von allen Seiten dicht sein. Am Boden besorge das eine geologische Schicht, erläutert Lang: Sandstein. Die Stahlwände sollen Wassereinbruch von den Seiten verhindern. Dabei geht es weniger um die Angst vor nassen Füßen. Ein Baukörper wie eine Tiefgarage kann in Wasser aufschwimmen - wie ein riesiges Schiff aus Beton. Mit schwersten Schäden. "Das wäre verheerend", weiß Lang. Erst wenn das Gebäude durch den Baufortschritt schwerer ist als das verdrängte Volumen Wasser, bestehe keine Gefahr mehr. "Der Punkt ist erreicht, wenn die Kellergeschossdecke drauf ist."

Bagger arbeiten parallel

Bis dahin müssen die Spundwände Wasser zurückhalten. Dazu sind die Fugen zwischen den Stahlplatten mit Bitumengussmasse abgedichtet, erklärt Gollwitzer-Bauleiter Schmidt. Für Stabilität sollen Anker im Erdreich sorgen. Die wiederverwendbaren Stahlteile werden mit derselben Rütteltechnik - nur im Rückwärtsgang - wieder ans Tageslicht kommen, sobald sie nicht mehr benötigt werden. Etwa zwei Wochen sind für den Verbau der Grube vorgesehen. Parallel dazu laufen die Baggerarbeiten der Firma Renner weiter. Im Frühsommer sollen die ersten Arbeiten an der Tiefgarage starten.

Das Großprojekt "Neue Naabwiesen"

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Info:

Quartier "Neue Naabwiesen"

Das Quartier "Neue Naabwiesen" der Immo VBOM erschließt ein 9155 Quadratmeter großes Grundstück zwischen Leibniz- und Dr.-Pfleger-Straße, das zuletzt Oberpfalz-Medien genutzt hatte. Das Unternehmen wurde von der Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz und Oberpfalz-Medien gegründet. Bis 2022 sollen mehr als 100 Wohnungen und Gewerbeeinheiten entstehen. Die Priorität liegt zunächst auf der Vermietung und gegebenenfalls dem Verkauf von Gewerbeflächen. Wohnungen werden zwar in großem Umfang auch entstehen, hauptsächlich allerdings für den Weidener Mietmarkt.

Das Projekt der ImmoVBOM

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