11.12.2019 - 11:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pfandflaschen-Diebe in Weiden verurteilt

Es sind Cent-Beträge, aber in der Summe kommt auch bei Pfandflaschen einiges zusammen. Weit über 1000 PET-Flaschen klauten zwei Diebe bei mehreren Einbrüchen in ein Getränkemarktlager. Das Schöffengericht Weiden verhängte Haftstrafen.

Symbolbild
von Autor hczProfil

Kleinvieh macht auch Mist. 1000 PET-Pfandflaschen à 25 Cent, das sind 250 Euro. Das dachten sich auch zwei Gauner, die zur Tatzeit in einer Weidener Unterkunft lebten. Insgesamt sieben Mal brachen sie in einen Wellblechcontainer ein, in dem ein Getränkemarkt in der Nikolaus-Otto-Straße sein Leergut lagert. Ein Mal scheiterte der Einbruch. Die anderen Male hebelten oder schraubten die Männer die Blechverkleidung des Behältnisses auf. Einer der Männer stieg ein und reichte Pfandflaschen heraus, die der Andere in mitgebrachte große Plastiksäcke packte. So erbeuteten sie bis zu 1200 Pfandflaschen.

Das Diebesgut lagerten sie hinter Büschen nahe der Unteren Bauscherstraße und lösten es am darauffolgenden Tag in einem dortigen Verbrauchermarkt ein. Auch in Schwarzenfeld musste einmal ein Discounter dran glauben. Hier holten die Diebe 270 Flaschen, was 67,50 Euro einbrachte. Jedes Mal entstand auch nennenswerter Sachschaden.

Mitte Mai aber erwischte die Polizei, die durch die zahlreichen gemeldeten Einbrücke vorgewarnt war, die Täter auf frischer Tat. Einer versuchte davonzulaufen, konnte aber einem sportlichen Polizisten nicht entkommen. Eine Schmiere stehende Frau wurde von der Kollegin festgenommen. Weitere Indizien trugen zur baldigen Aufklärung bei. Einmal war derjenige, der die Pfandflaschen einlöste von einer Verkäuferin fotografiert worden, weil ihr die Menge „spanisch“ vorgekommen war. Auch die Handyauswertung des Gefassten ergab Einiges, denn die Komplizen hatten sich per WhattsApp zu den Taten verabredet. Am Dienstag standen sie zu dritt vor dem Schöffengericht.

Die 28-Jährige wollte zuerst nur einmal dabei gewesen sein. Die beiden Männer hatten jedoch bei der Polizei und später beim Ermittlungsrichter ausgesagt, dass sie immer dabei war. Es blieb der Frau nichts übrig, als vollständig zu gestehen. Richter Hubert Windisch und die Schöffen verurteilten die im zweiten Monat schwangere Mutter von drei Kindern zu acht Monaten auf Bewährung. Ihren 34-jährigen Lebensgefährten, seit dem zwölften Lebensjahr heroinsüchtig und jetzt, zusammen mit ihr, in der Nähe von Passau lebend, verurteilte das Gericht zu eineinviertel Jahren ohne Bewährung. Er ist bereits 14-mal vorbestraft, hauptsächlich wegen Diebstahls.

Dem Haupttäter, einem 38-jährigen, laut Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder schwer intelligenzgeminderten Berufslosen, warf Staatsanwältin Franziska Hofmann zudem zwei Einbrüche in die Müllumladestation Hinterm Rangierbahnhof vor. Dort war er im September 2018 über ein eingeschlagenes Toilettenfenster ins Büro einstiegen und hatte eine Spendendose samt etwa 60 Euro gestohlen. Außerdem hatte er versucht, an einem Fahrkartenautomaten an der Haltestelle Altenstadt an Geld zu kommen. Beide Male war er dabei gescheitert, hatte aber fast 4000 Euro Schaden an dem Automaten angerichtet. Die Richter verurteilten den Mann, der zurzeit noch andere Freiheitsstrafen absitzt, zu zweieinviertel Jahren.

Staatsanwältin Hofmann hatte jeweils etwa die Hälfte mehr an Strafe gefordert. Richter Windisch entsprach aber in seinem Urteil fast genau den Anträgen der Rechtsanwälte Susanne Karl, Dr. Georg Karl und Bernhard Piehler. Der 38-Jährige stammt aus Berlin und war von seinem Betreuer vor 18 Jahren „in ein ländliches Umfeld“ geschickt worden, um eine Karriere als Kleinkrimineller in der Hauptstadt zu verhindern. „Wenn er wieder draußen ist“ werde er Bayern verlassen, versprach der Mann.

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