22.01.2020 - 11:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eine Studie zeigt: In Amberg ist die Oberpfalz am lebenswertesten

Das Prognos-Institut hat im Auftrag des ZDF die Lebensbedingungen für Familien und Senioren in den 401 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten untersucht. Für die Oberpfalz sind die Ergebnisse durchwachsen, aber auch überraschend.

Schönes Amberg: Nicht nur bei der idyllischen Plättenfahrt an der „Stadtbrille“ lässt es sich hier gut leben.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Familien leben in der Oberpfalz besser als Senioren. Jedenfalls belegen die zehn Oberpfälzer Kreise allesamt in der Familienstudie bessere Platzierungen als in der Untersuchung für Senioren. Allerdings: Betrachtet man nicht alleine die Platzierung im deutschlandweiten Vergleich, sondern die konkreten Ergebnisse, fällt auf, dass der Abstand in der Seniorenstudie zu den Bestwerten knapper ausfällt. 117,7 von 200 möglichen Punkten reichen für Amberg in der Seniorenstudie zu Platz 129, bei den Familien bedeuten 110,8 Punkte Platz 86. Hier fehlen zum bundesweiten Spitzenwert rund 30 Punkte, bei den Senioren sind es halb so viele. Auf die insgesamt geringen Unterschiede besonders bei den Senioren weist auch Prognos-Direktor Oliver Ehrentraut hin. "Insgesamt sind die Lebensbedingungen in Deutschland gut. Wirklich abgehängt ist kein Landkreis."

Das Ergebnis für die Oberpfalz

Auffällig ist, dass die drei kreisfreien Städte durchweg besser abschneiden als die Landkreise. "Es zeigt sich insgesamt, dass mittelgroße Städte gute Ergebnisse erzielen", sagt Forscher Ehrentraut. "Hier sind die Lebenshaltungskosten vergleichsweise gering, gleichzeitig ist die Infrastruktur gut ausgebaut."

Überraschend gut ist das Ergebnis des Landkreis Tirschenreuth. Vor allem bei den Familien schneidet der nördlichste Landkreis im Bezirk gut, auf Augenhöhe mit der Stadt Regensburg ab. Als einziger Oberpfälzer Landkreis erreicht er ein Ergebnis über dem bayerischen und deutschen Durchschnitt. Auf der anderen Seite erzielen die Kreise Cham mit Platz 393 und Schwandorf (386) bei den Senioren die schwächsten Ergebnisse. Neustadt (377) und Amberg-Sulzbach (370) schneiden nicht wesentlich besser ab. Bei den Familien bilden Neustadt/WN (338) und Cham (329) die Schlusslichter.

Für die Familien im Norden der Oberpfalz ist besonders die Kinderbetreuung problematisch. Zur Bewertung zieht Prognos hier den Anteil der betreuten Kinder sowie die Personalausstattung in den Kitas heran. Auf Rang 276 liegt die Stadt Amberg noch am besten. Die anderen Kreise landen jenseits der Plätze 340, am schwächsten liegt Schwandorf mit Platz 391. Nicht viel besser sieht es aus, wenn es um die Entfernung zur nächsten Grundschule geht. Auch hier liegen die Kreise jenseits der 300er Plätze. Schlecht schneidet die Region auch bei der Hausarztdichte ab, bei der lediglich Amberg, Amberg-Sulzbach und Weiden in der vorderen Hälfte landen. Amberg und Weiden schneiden dafür bei "Lebenserwartung" und "Kriminalität gegen Kinder" sehr schlecht ab. Ein weiterer Schwachpunkt: Das verfügbare Einkommen. Für Senioren ist die Infrastruktur ein Problem. Arzt, Apotheken, Supermärkte - alles ist in der Nordoberpfalz schwer erreichbar.

Vergleichsweise günstige Wohnungen, niedrige Kriminalität und ein nicht zu unterschätzendes Freizeitangebot: Hier kann die Oberpfalz punkten. Deutsche Spitze sind die drei kreisfreien Städte in Sachen DSL-Anbindung. Bei der Versorgung der Haushalte mit mehr als 50 Megabit pro Sekunden belegen Regensburg, Weiden und Amberg deutschlandweit die Plätze 1, 3 und 7. Und auch die Landkreise schneiden abgesehen von Schwandorf und Cham überdurchschnittlich ab. Mit Ausnahme von Neustadt/WN und Amberg ist die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in der Region sehr niedrig.

Und dann ist da immer wieder der Landkreis Tirschenreuth, der durch Spitzenpositionen überrascht. Mit fünf Hallenbädern ist er im Verhältnis zur Einwohnerzahl deutschlandweit die Nummer 1. Auch bei Wohnkosten, "Kriminalität gegen Senioren" oder "Kinderarmut" - der nördlichste Oberpfälzer Landkreis bietet gute Bedingungen.

Wo die Stärken?

Stadt und Land

Info:

Vorbild Wunsiedel?

Dass es trotz aller Problem in der Region auch besser aussehen kann, beweist Nachbarlandkreis Wunsiedel mit Platz 21 von 401 in der Familienstudie. Er punktet mit den niedrigsten Wohnkosten, einem guten Freizeitangebot.

In der Seniorenstudie reicht es zu Platz 214, damit liegt Wunsiedel immer noch vor allen Oberpfälzer Flächenkreisen und auch vor der Stadt Weiden. Der fränkische Kreis erzielt bemerkenswert bessere Ergebnisse. Ein Beispiel: In Amberg-Sulzbach beträgt die mittlere Distanz zur nächsten Bushaltestelle mit über zehn Abfahrten am Tag 1000 Meter. Im Kreis Wunsiedel sind es lediglich 400 Meter.

Wo liegen die Schwächen?

Info:

Die Forscher des Prognos Instituts haben für Senioren wie Familien jeweils vier Bereiche identifiziert, anhand derer sie die Lebensqualität messen wollen. Für jeden Bereich gibt es fünf Unterpunkten, zu denen die Experten quantifizierbare Statistiken identifizieren konnten, die für alle 401 Landkreise in Deutschland vorliegen.

Familienindikatoren: https://deutschland-studie-senioren-familie.zdf.de/assets/data/familie/F...

Seniorenindikatoren: https://deutschland-studie-senioren-familie.zdf.de/assets/data/senioren/...

Aus den Platzierungen und den Werten der Indikatoren errechnet sich dann ein Punktesystem: Der beste Wert aller Landkreise sammelte je Unterpunkt 10, der schwächste 0 Punkte. Alle anderen Kreise erhalten je nach Ergebnis zwischen 0 und 10 Punkte. Pro Kategorie waren also 50, insgesamt 200 Punkte zu sammeln. Der Punktwert entscheidet über die Platzierung. Schon geringe Punktabstände können dabei große Unterschiede beim Platz ausmachen. In der Seniorenstudie trennen Amberg (117,7) und Weiden (111) nur 6,7 Punkte aber 93 Plätze.

Zur Methodik:

Was die Studie kann und was nicht

Lässt sich Lebensqualität messen? Den Studienmachern ist bewusst, dass ihr Versuch Schwächen hat. "Jeder kann und muss für sich entscheiden, wie er sein Leben an seinen Wohnort einschätzt, wie wohl er sich dort fühlt", sagt Prognos-Direktor Oliver Ehrentraut. Die Studie seines Unternehmens versuche, objektive Messgrößen zu finden, die über die Voraussetzungen für ein gutes Leben in den jeweiligen Landkreisen Auskunft geben.

Das sei den Forschern so weit auch gelungen, stellt Claudia Prößl vom Landratsamt Neustadt/WN fest. "Aus unserer Sicht ist die Studie seriös." Die Schwächen sind der Sprecherin des Amtes aber nicht verborgen geblieben. Oft seien etwa die Indikatoren zweifelhaft. Ein Beispiel: Das ehrenamtliche Engagement wird anhand der Zahl der Freiwilligenagenturen in einem Kreis gemessen, nicht an der tatsächlichen Zahl ehrenamtlich Engagierten. Ehrentraut weiß, dass dies nicht optimal ist. Das Problem: "Wir können nur die Zahlen nutzen, die für alle 401 Landkreise vorliegen." Für Claudia Prößl gilt deshalb, was für viele Statistiken gilt: "Man muss schon ganz genau hinschauen."

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