25.03.2020 - 15:18 Uhr
WiesauOberpfalz

Corona-Videobotschaft von Wiesauerin geht viral

Die Coronakrise bewegt die Menschen. Stefanie Pschierer treibt das Verhalten und die Diskussionen vieler Bürger aber die Zornesröte ins Gesicht. Die Wiesauerin reagiert mit einem Facebook-Video. Die Reaktionen überraschen sie.

Das Bild hat die kleine Tochter gemalt. "Den Text habe ich hinzugefügt", erklärte die Wiesauerin Stefanie Pschierer, die sich vor wenigen Tagen mit einer Videobotschaft an die Menschen wandte.
von Werner RoblProfil

Die Coronakrise bewegt die Menschen. Stefanie Pschierer treibt das Verhalten und die Diskussionen vieler Bürger aber die Zornesröte ins Gesicht. Die Wiesauerin reagiert mit einem Facebook-Video. Die Reaktionen überraschen sie.

"Anscheinend muss erst ganz was Schlimmes passieren, damit manche Menschen merken, wie bescheuert sie sind", beklagt sich die 38-jährige Stefanie Pschierer. Festgehalten hat sie ihre Wutrede vor knapp einer Woche in einer bewegenden Videobotschaft auf Facebook. Das große Echo, das die Wiesauerin in den sozialen Medien ausgelöst hat, ist beeindruckend. Bis Mittwochnachmittag wurde das Video schon mehr als 100 000 Mal abgerufen, über 4000 Mal geteilt, es gab über 3000 Reaktionen und fast 650 Kommentare.

"Hallo ihr, ich muss mir jetzt mal meinem Ärger Luft machen", beginnt Pschierer ihren vierminütigen Appell. "Ich bin so enttäuscht, ich bin einfach so enttäuscht, dass es so viele Vollidioten gibt", wird sie im Video deutlich. Was Pschierer den Leuten vorwirft, ist der unverantwortliche Egoismus vieler beim Thema Corona, so dass ihr der Kragen platzte. Der Virus werde von vielen noch zu sehr verharmlost und einige würden nur an sich denken.

Nach einem Spaziergang und einem Telefonat mit einer Freundin hatte sich die Arzthelferin am Donnerstag, 19. März, spontan dazu entschlossen, das Video aufzunehmen. Die Wiesauerin bleibt im Film zwar gefasst, wirkt aber energisch. Pschierer wählt harte und auch klare Worte. "Danach drückte ich auf senden", erklärt sie. Sekunden später kam ihr Mann herein. "Oh Gott Bernd, ich glaube, ich habe soeben einen Scheiß angestellt", gestand die 38-Jährige, als sie feststellte, dass das Video veröffentlicht war. Was dann passierte, beschreibt sie als ein Echo, "das ich nicht für möglich gehalten hätte".

Sie bekam immer mehr Reaktionen und viele teilten ihr Video. "Ich war baff. Aber ich stehe zu dem, was ich sagte." Die Tragweite dessen, was momentan in der Coronakrise abläuft, sei vielen gar nicht bewusst. "Jeder, der rausgeht, schadet sich und anderen", so Pschierer, die als Arzthelferin oft auch mit Risikopatienten spricht.

Sich selber beschreibt die Arzthelferin als jemanden, der sich für die Dinge, die in der Welt passieren, sehr interessiere. "Ich spreche die Probleme an und meine Meinung offen aus." Zudem könne sie sich in die Menschen hineinversetzen. "Ich finde es schlimm, dass jetzt jeder vom Verhalten des anderen abhängig ist", fordert sie mehr Sorgfalt im Umgang mit den Mitmenschen. "Denken Sie doch auch an die Verkäuferinnen, Ehrenamtlichen, an alle, die ungeschützt mit anderen in Kontakt treten." Emotionell aufgewühlt beklagt sie sich auch über die Unvernunft mancher Bürger, die zu Corona-Partys aufrufen und sich damit brüsten. "Ich verfolge dies mit großer Sorge und habe Angst um meine Familie, meine Angehörigen und Freunde", fügt sie hinzu. "Ich bin über das ganze Ausmaß entsetzt. Persönliche Befindlichkeiten, ob in der Gesellschaft oder in der Politik, haben derzeit keinen Platz in unserem Leben."

Hier das Video von Stefanie Pschierer:

Hintergrund:

"Unsere Heldin des Jahres 2020"

Die Kommentare auf das Video ermutigen Stefanie Pschierer. "Du hast das sowas von auf den Punkt gebracht! Vielen Dank für deine ehrlichen Worte" oder "Respekt Stefanie, du sprichst mir aus der Seele. Ich bin echt entsetzt und sehr traurig, wenn ich sehe wie dumm und egoistisch sich so viele Leute verhalten."

"Zunächst befürchtete ich einen Shitstorm, der aber blieb aus", kommentiert sie die ausschließlich positiven Äußerungen, über die sie sich freut. "Es ist wichtig, dass man auch den Mut aufbringt, Missstände offen anzusprechen. Man braucht aber auch Courage, um zu dem zu stehen, was man sagt und denkt."

Weiter betont Pschierer: "Ich bin ein positiver Mensch und hoffe sehr, dass ich damit den einen oder anderen zum Nachdenken bewegen konnte." Ganz besonders freut sich die Wiesauerin, dass die Integrierte Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz ihr Video mit der Überschrift "Unsere Heldin des Jahres 2020" geteilt hat. (wro)

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