22.01.2020 - 12:30 Uhr
WiesauOberpfalz

Petra Zanner pflegt behinderte Tochter seit 28 Jahren

Sabrina Zanner wird im März 28 Jahre alt. Die junge Frau ist seit der Geburt ein Pflegefall. Betreut wird sie von ihrer Mutter Petra, die der Tochter das Wichtigste schenkt, was man ihr geben kann: viel Liebe und Zeit.

Seit fast 30 Jahren kümmert sich Petra Zanner (rechts) um ihre pflegebedürftige Tochter Sabrina. Viel Halt geben ihr auch Tochter Carmen Korte (links) und deren Familie.
von Werner RoblProfil

Hydrocephalus nennt man die ursächliche Krankheit, mit der Petra Zanner bereits nach der Entbindung konfrontiert wurde. "Ihr Kind wird immer ein Pflegefall bleiben", diagnostizierte der Arzt im Kreissaal. Das habe man gleich nach der Geburt, der ein 7-wöchiger Klinikaufenthalt folgte, damals festgestellt, erinnert sich Petra Zanner an die Zeit im Krankenhaus.

Die 62-Jährige hat für das Gespräch mit Oberpfalz-Medien Kaffee aufgesetzt. Aus einer Anrichte holt sie Lebkuchen. Die Gastgeberin freut sich über den Besuch. Sie ist eine aufgeschlossene und lebensfrohe Frau, die trotz ihres Schicksals weder den Mut, schon gar nicht den Glauben an den "lieben Gott" verloren hat.

Kraft aus dem Gebet

Sie bete regelmäßig, um damit auch Kraft zu tanken, sagt sie. "Wieso sollte ich auch hadern? Ich finde keinen Grund." Petra Zanner fügt hinzu: "Sabrina ist blind und ein Pflegefall. Aber sie ist ein Geschöpf Gottes und mein Glück." Mit ihrer Mutter kommuniziert Sabrina, die gut zuhören, aber nicht sprechen kann, auf ihre Art. "Sie nimmt oft meine Hand, drückt sie ganz fest", berichtet Petra und dann fügt sie hinzu: "Sabrina ist einfach ein gutes Mädchen. Sie wirkt zufrieden und wenn sie lacht, dann spüre ich, dass sie sich bei mir geborgen fühlt."

Aufgewachsen ist Petra Zanner, zusammen mit vielen Nachbarskindern, im rund vier Kilometer entfernten Fuchsmühl. "Dort war es einfach nur schön", erinnert sich die 62-Jährige. Das Schloss-Areal, wo Petra wohnte, war damals noch ein eigenes Dorf in der Gemeinde. Der kleine Ernstberger-Kiosk, der zum gemeindlichen Areal gehörte, war Mini-Supermarkt, aber auch ein sozialer Treff der Generationen. Rund um den Tante-Emma-Laden, den der "Christl" betrieb, wurde sie groß.

Verlust des Ehemannes

Seit elf Jahren wohnt Petra Zanner in Wiesau. Das Haus wurde behindertengerecht, zum Beispiel auch mit einer zur Haustür führenden Rampe, nach und nach umgebaut. Ehemann Rudolf Zanner starb im Dezember 2013. Sein Bild hängt in der Küche. "Das kann doch nicht sein, dass uns keine Zeit mehr verbleibt, habe ich gerufen", erinnert sich seine Frau an die Nacht, in der sie ihn leblos im Schlafzimmer fand. "Das machte alles nicht leichter. Manchmal wachte ich auf und meinte, ich habe gar nicht geschlafen", blickt sie auf die schweren Wintertage 2013/2014 zurück.

"Jetzt blieben mir nur noch Sabrina, meine Carmen und deren Familie", ergänzt die Wiesauerin. Die 40-jährige Carmen Korte ist ihre älteste Tochter. Petras drittes Kind, Stefanie, das heuer 23 Jahre alt geworden wäre, verstarb bereits nach der Geburt.

Viel Kontakt hatte Petra Zanner zum Fuchsmühler Augustinerpater Robert Beck. Der Geistliche sagte einmal zu ihr: Was man Sabrina wirklich schenken könne, sei viel Liebe. Zanner ist felsenfest davon überzeugt, dass Sabrina die Zuneigung spürt und - auf ihre Art - auch erwidert. Petra Zanner gesteht: "Ich habe noch nie geklagt." Sie wüsste auch gar nicht warum: "Gott hat mir Sabrina geschenkt; er weiß auch, wieso er das tat." Alles im Leben habe seinen Sinn. "Das Leben ist kein Wunschkonzert", sagt die Mutter. Manches könne man zwar selber beeinflussen, vieles aber sei Gottes Wille.

Enkel helfen mit

Im Sommer 2018 verweigerte Sabrina plötzlich die Nahrungsaufnahme und wurde daher in die Weidener Kinderklinik verlegt. Petra blieb immer am Krankenbett. Statt mit der gewohnten Flasche wurde Sabrina jetzt durch eine Sonde ernährt. Auf Anraten ihrer Enkelin Larissa habe man vor wenigen Tagen gemeinsam versucht, ihr wieder die Flasche zu geben. Wie durch ein Wunder nahm Sabrina die Breikost wieder an. Zanner schöpfte Hoffnung: "Ohne Hoffnung kann man nicht leben. Ich bin meiner Enkelin, die mir immer wieder Mut machte und die sich rührend um Sabrina kümmerte, unendlich dankbar."

Den Tag verbringt Sabrina Zanner in einer betreuenden Pflegeeinrichtung. Die Stunden in der Mitterteicher Förderstätte St. Elisabeth verschaffen der Mutter ein wenig Luft, damit sie sich um die Dinge des Alltags kümmern kann. "Ich muss das alles schaffen", fügt Zanner hinzu. "Die Liebe zu meinem Kind und der Glaube an den lieben Gott geben mir die Kraft für diese große Verantwortung."

Familienentlastender Dienst

Petra Zanner erhält für ihre Tochter das ihr zustehende Pflegegeld. Unterstützt wird sie auch durch den Familienentlastenden Dienst. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Dadurch kann die Mutter auch einmal länger wegbleiben. Große Hilfe erfährt sie auch von ihren Enkeln Larissa (17) und Ramon (15). Sabrina bleibt keine Minute allein.

Auch noch Zeit für andere

"Irgendjemand ist immer um sie herum", erzählt Petra Zanner, die trotz der Jahrzehnte andauernden Belastung eine offenherzige und freundliche Frau geblieben ist. Sie pflegt den Dialog mit den Mitmenschen und sagt von sich, dass sie für alle ein Ohr habe. "Ich brauche das, um mich wohlzufühlen", erklärt sie auch den Grund dafür. "Wenn es mir gut geht, dann geht es auch meiner Sabrina gut. Sie braucht mich und ich tue alles für sie." Zanner ergänzt bescheiden: "Was halt in meiner Macht steht."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.