26.01.2020 - 15:04 Uhr
WinklarnOberpfalz

Der gute Geist des Thammer Hauses

Winklarn im Ausnahmezustand: Nach zweieinhalb Jahren Sanierung ist das Thammer Haus offiziell eingeweiht worden. Ein Tag, der in die Geschichte des Ortes eingehen wird, da ist sich der Festredner, Finanzminister Albert Füracker, sicher.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Auf so einen Ansturm war wohl niemand vorbereitet: Dicht gedrängt standen und saßen die Leute im Veranstaltungsraum des Thammer Anwesens. Sie alle wollten unbedingt dabei sein, an diesem denkwürdigen 25. Januar. Nach zweieinhalb Jahren Sanierung wurde das Thammer Haus als Begegnungs- und Kulturstätte offiziell vom Architekten Christian Schönberger an Bürgermeisterin Sonja Meier übergeben. Sie und ihr Team haben ganze Arbeit geleistet, da waren sich alle Redner des Festakts einig: sechs Förderstellen unterstützten die Marktgemeinde bei den Kosten von 1,8 Millionen Euro.

Kreativität für ländlichen Raum

"Zu dieser Leistung möchte ich einfach gratulieren", sagte Albert Füracker, bayerischer Staatsminister für Finanzen und Heimat, der die Festansprache hielt. Das ehemalige Brauhaus mit Wohngebäude von 1822 sei vorbildlich saniert worden. "Ein altes Haus zu sanieren ist viel schöner, als ein neues zu bauen. Und dabei nur doppelt so teuer", zitierte er ein Sprichwort und brachte damit den Saal zum Lachen. Besonders schön sei es, wenn historische Gebäude nicht nur erhalten werden, sondern auch noch einen Nutzen haben. Und das sei beim Thammer Haus definitiv der Fall. "Es war eine hervorragende Idee, dass das ehemalige Wirtshaus zu einer Begegnungsstätte für alle Generationen wird." Genau diese Art von Kreativität brauche es im ländlichen Raum. "Solche Projekte schaffen Lebensqualität", so Füracker.

Ein altes Haus zu sanieren ist viel schöner, als ein neues zu bauen. Und dabei nur doppelt so teuer.

Finanzminister Albert Füracker

"Sanieren heißt Wunden heilen"

Dass es das noch nicht gewesen ist, deutete Füracker auch an. "Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir in guten Gesprächen für die nächste Förderung sind, die nach Winklarn geht. Im noch sanierungsbedürftigen Stodl soll es ein Zentrum für Baugeschichte geben. "Da geht es wieder nahe der 100-Prozent-Förderung, so wie sie das gewohnt sind, Frau Bürgermeisterin", sagte er mit einem Augenzwinkern Richtung Sonja Meier.

Bevor Pfarrer Eugen Wismeth das Gebäude segnete, sprach er ein paar persönliche Gedanken aus. "Das Herz eines Hauses ist die Küche. Dort ist es immer warm. Die warme Stube eines Ortes ist der Marktplatz und vielerorts stirbt dieser aus." Sanieren sei wie Wunden heilen. Winklarns warme Stube sei mit dem Thammer Haus wieder belebt worden. Das Schlusswort hatte Sissy Thammer. Sie erzählte vom "Geist des Hauses" den sie und ihre Brüder im Elternhaus erfahren durfte. "Es war ein Geist des Engagements und der Gemeinschaft", so die Nachfahrin. "Mit der Nutzung dieses Hauses lässt sich in der Gemeinde mehr Gemeinschaft herstellen." Die Botschafterin des Landkreises Schwandorf bot ihre Unterstützung an, ihr Know-how als Intendantin des Festivals Junger Künstler Bayreuth. Voll Bewunderung und stolz blicken die Thammers auf die neue Ära ihrer Heimat.

Info:

Wer hat das Größte?

Es war der Tag der Frauen und Schilder - diesen Eindruck hatte Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei der Einweihung des Thammer Hauses. Wieso? Dass das Thammer Haus zu neuem Leben erwacht ist, ist der Frauenpower des Ortes zu verdanken: Bürgermeisterin Sonja Meier mit ihrem Team und Sissy Thammer als Nachfahrin. Zur Eröffnung gab's von Albert Füracker auch ein Schild mit "Freistaat Bayern" überreicht. Gleich darauf kam Franz Löffler auch mit einem Schild des Bezirks Oberpfalz daher. Das war aber viel größer. "Wenn der Bezirk sich so große Schilder leisten kann, braucht ihr ja kein Geld mehr von mir", so Füracker schmunzelnd. Landrat Thomas Ebeling gestand, dass er gar kein Schild dabei hatte. "Da ist wohl die Schildergröße abhängig von der gezahlten Fördersumme", meinte er lachend. Füracker würde aber noch die Chance bekommen, ein ganz großes Schild mitzubringen - dann bei der Einweihung des Stodls.

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