23.10.2019 - 15:40 Uhr
AmbergSport

Viola Fritsche: WM ist ihre bisher größte Herausforderung

Während ihre Schulfreundinnen Mathe oder Englisch pauken, sitzt Viola Fritsche schon im Flieger nach Kreta. Die Amberger Ju-Jutsu-Kämpferin nimmt am Wochenende an der Weltmeisterschaft teil - sie träumt sogar von einer Medaille.

Viola Fritsche beim Training.
von Gerd SpiesProfil

Die Schweißtropfen fließen auf der Trainingsmatte der Kampfkunstschule Amberg im Untergeschoss des Raigeringer Schützenheims. Die letzten Trainingseinheiten vor der WM stehen für die 15-jährige Viola Fritsche an. Ihr Trainer Jonas Butz feilt noch einmal an ihrer Technik, will sie fit machen für ihre bisher größte sportliche Herausforderung.

Sechs Trainingseinheiten pro Woche, neben zweimal Ju-Jutsu auch jeweils zweimal Fitness-Training - und American Football standen in den vergangenen Monaten auf dem Programm. Viola tritt bei der WM, die vom 24. bis 28. Oktober auf Kreta stattfindet, in der Altersklasse U16 in der Gewichtsklasse +63 an. Als amtierende Deutsche Meisterin zählt Viola zu den Anwärterinnen auf einen Podestplatz. Die stärksten Konkurrentinnen kommen aus Osteuropa, meint sie. "Besonders die beiden Russinnen sind am gefährlichsten", schätzt Viola ihre Gegnerinnen ein.

In drei Minuten ist in Ju-Jutsu alles vorbei. Solange dauert auf internationaler Ebene ein Kampf, aufgeteilt auf die drei Parts "Schlagen und Treten", "Werfen" und "Bodenkampf". Alle Techniken wie Halbkreis-Fußtritt, Ausheber oder Schulterwurf zum richtigen Zeitpunkt mit großer Dynamik einzusetzen, das ist die große Kunst dieser aus Japan stammenden Kampfsportart.

Viola Fritsche ist schon sehr früh in ihrem Leben, genau genommen in der Grundschule, mit dieser Sportart in Kontakt gekommen. Der Senioren-Beauftragte des Bayerischen Ju-Jutsu-Verbands und zugleich Vorstand der Amberger Kampfkunstschule, Klaus Inderst, leitet seit Jahren in Kindergärten und Grundschulen das Projekt "Nicht mit mir", bei dem die Kinder Selbstverteidigung und Gewaltprävention lernen. Und da gefiel Viola sofort diese Art der Selbstverteidigung. "Ein Mädchen muss sich auch wehren können", war schließlich der Hintergedanke von Papa Helmut Fritsche, als er seine Tochter beim Ju-Jutsu-Verein anmeldete. Und dort erkannte man schnell ihr Talent. Fighting-Trainer Jonas Butz, bei dem sie heute noch trainiert, nahm sie unter seine Fittiche.

Dass Viola in dieser Sportart so erfolgreich durchstartete, glaubte zunächst niemand. "Wir hatten erwartet, dass sie nach der Niederlage im ersten Wettkampf gleich wieder aufhört", erinnert sich der Vater. Doch das Gegenteil trat ein. Die Niederlage motivierte Viola, gleich den zweiten Kampf gewann sie, in 32 Sekunden gegen eine der besten Ju-Jutsu-Kämpferinnen Bayerns heute in ihrer Altersklasse. Trotz ihrer gerade mal 15 Jahre ist der Pokalschrank von Viola inzwischen schon gut gefüllt. Herausragend neben mehreren bayerischen und süddeutschen Titeln natürlich der Deutsche Meister-Titel U16 in diesem Jahr. Und der Sieg beim Maribor-Cup 2019 in Slowenien, wo sich Viola auch gegen internationale Konkurrenz durchsetzte.

Ihr sportlicher Erfolg in Ju-Jutsu hat aber auch damit zu tun, dass Viola noch American Football spielt, bei den Amberger Mad Bulldogs, sagt ihr Trainer Jonas Butz. Er ist selbst aktiver Spieler bei den Mad Bulldogs und von dem Zusammenhang beider Sportarten überzeugt. "Beide Sportarten ergänzen sich, beide erfordern schnellkräftige, explosive Bewegungen und Reaktionen", erklärt er.

Viola ist das ganz recht, sie betreibt gerne nebenbei noch eine Mannschaftssportart. Dass sie im U16-Team der Mad Bulldogs das einzige Mädchen unter lauter Jungen ist, stört sie überhaupt nicht, beflügelt sie eher.

"Sie macht schon ihren Weg", lobt Vater Helmut die Zielstrebigkeit seiner Tochter. Diese Charaktereigenschaft erkennt man auch in einem anderen Bereich bei Viola.

Die Zehnt-Klässlerin der Städtischen Wirtschaftsschule hat schon ihren beruflichen Werdegang fest im Blick. "Bundespolizei oder Feldjäger bei der Bundeswehr" lauten ihre beruflichen Ziele. Vielleicht ja mit einer WM-Medaille im Pokalschrank!

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